Daimler will in den nächsten drei Jahren seinen Anteil an Aston Martin auf maximal 20 Prozent ausbauen. Quelle: Max Earey/Aston Martin

Daimler-Konzern erhöht Anteil an Aston Martin: Ist das die Rettung in der Krise?

Stuttgart. Der Wagen ist ein automobiler Mythos. Auch wegen der ganz besonderen Sonderausstattungen: Unter anderem ist der Beifahrersitz als Schleudersitz ausgeführt und unter den Frontscheinwerfern sind Maschinengewehre installiert. Mit dem Aston Martin DB5 war James Bond in den frühen 60er Jahren aktiv. Der Mythos kann weiterleben. Daimler steigt in großem Stil beim schwer angeschlagenen Sportwagenbauer ein und liefert unter anderem Technik für die Elektromobilität.

Mercedes kooperiert bereits mit Aston Martin

Die profanen Eckdaten des Deals: Die Stuttgarter erhalten neue Aktien des britischen Unternehmens im Gesamtwert von bis zu 286 Millionen Pfund (316 Millionen Euro). Daimler muss dafür kein Geld hinblättern.

Mit den Dividendenpapieren bezahlt Aston Martin eine Art Einstiegsgebühr, mit der der Zugang zu neuen Technologien gewährt wird – insbesondere „Hybrid- und Elektroantriebsstränge der nächsten Generation“ sollen es sein. Die Komponenten selbst werden dann zu „marktüblichen Konditionen“ geliefert.

Ein erstes Paket ist bereits vereinbart, es hat einen Wert von 140 Millionen Pfund, damit erhöht sich der Anteil der Schwaben am 007-Autobauer auf 11,8 Prozent. Bislang waren es 2,6 Prozent. Seit 2013 existiert eine Kooperation mit Daimlers Pkw-Sparte Mercedes, die bislang vor allem Achtzylindermotoren nach England schickte. Die Konditionen der weiteren Tranchen müssen noch ausgehandelt werden.

Aston Martin war schon öfters in finanzieller Bedrängnis

Aston Martin baut zwar sündhaft teure Sportwagen, die echte Hingucker sind. Aber der Autobauer war schon mehrfach in größter Not. In den 1980er Jahren wurde er von Ford gerettet. Der Börsengang vor zwei Jahren entpuppte sich als Desaster, die Aktie verlor seither mehr als 90 Prozent, insbesondere weil der Absatz weit hinter den Erwartungen blieb.

Anfang des Jahres sendete das Management ein SOS aus. Das Geld gehe dem Unternehmen langsam aus. Eine Insolvenz drohte. Der kanadische Milliardär und Rennwagenfan Lawrence Stroll setzte mit gut einer halben Milliarde Pfund eine kräftige Finanzspritze. Jetzt hat er das Sagen bei den Briten.

Inzwischen hat Stroll Tobias Moers nach Großbritannien geholt und ihn zum Vorstandschef gemacht. Moers stand bis Mai an der Spitze der Mercedes-Tuning-Tochter AMG und galt als Vertrauter der Daimler-Bosses Ola Källenius. Gut möglich, dass auch persönliche Beziehungen bei dem Deal eine Rolle gespielt haben.

Was springt für Daimler heraus?

Die Technikkooperation ist für die Briten jedenfalls überlebenswichtig, denn aus eigener Kraft wären sie nicht in der Lage, eigene Elektroantriebe zu entwickeln, ohne die in den nächsten Jahren nichts mehr gehen wird. Dass Daimler für den Zugriff auf seine Technologie kein Geld, sondern nur Aktien verlangt, bedeutet in jedem Fall ein großes Entgegenkommen. So werden die überschaubaren, finanziellen Möglichkeiten nicht noch zusätzlich eingeengt.

Für die Stuttgarter kann die Allianz dennoch von Nutzen sein: Die Stückzahlen für elektrische Antriebsstränge werden erhöht und damit auch die Kosten pro Einheit verringert. Das wiederum kann helfen, Preise zu drücken und Margen zu erhöhen. Dies dürfte in nächster Zeit mit der Transformation zur E-Mobilität von zentraler Bedeutung zu sein.

Aktie von Aston Martin legt zu

Mit der „Bezahlung“ in Aktien geht Daimler aber auch ein Risiko ein. Doch das Engagement entspricht Källenius' Strategie, der auch für die Kernmarke Mercedes verstärkt auf Luxus setzt, weil er sich davon langfristig höhere Gewinne erhofft.

Es handelt sich im Grunde um eine Wette, dass Aston Martin die Kurve kriegt und profitabel wird, das könnte auch den Wert von Daimlers Aktienpaket in die Höhe treiben. Rutscht der Sportwagenbauer doch noch in die Pleite, müsste der Konzern aber womöglich mehrere hundert Millionen Euro abschreiben. Entsprechend gab der Kurs des Autobauers gestern deutlich nach, während die Aktie von Aston Martin an der Londoner Börse im frühen Handel um gut 16 Prozent zulegte.

Bis 2025: Umsatz soll auf 2 Milliarden Pfund steigen

Das hat aber auch damit zu tun, dass es Stroll gelungen ist, zwei weitere Großaktionäre an Bord zu holen. Die Investoren Zelon Holdings und Permian erhalten frische Aktien. 250 Millionen Stück werden insgesamt ausgegeben. Zudem sollen neue Anleihen platziert werden, die mehr finanzielle Spielräume ermöglichen.

Nach Strolls Angaben verfügt Aston Martin damit über frei verfügbare Barmittel von einer halben Milliarde. Das Geld soll helfen, durch die gegenwärtige Krise zu kommen. Im dritten Quartal sank der Umsatz auf 124 Millionen Pfund, halb so viel wie im Vorjahr. In der betrieblichen Tätigkeit wurde ein Verlust von 29 Millionen Pfund eingefahren, 2019 war es noch ein Gewinn von 434 Millionen gewesen.

Geplant ist aber, den Umsatz bis 2025 auf zwei Milliarden Pfund und den operativen Gewinn auf 500 Millionen zu steigern. James Bond wird dabei helfen. Auch im neuen 007-Film ist der gute alte DB5 wieder dabei.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND