Ein Treppenlift kann es älteren Menschen ermöglichen, auch im hohen Alter zu Hause wohnen zu bleiben. Quelle: Sabine van Erp auf Pixabay

Mehr Selbstständigkeit mit dem Treppenlift: Wie man seriöse Anbieter erkennt

Der Katze Emmy hinterher die Treppe rauf – das schafft Elsa Becker nicht mehr. Die 90-jährige Sizilianerin wohnt zusammen mit Tochter, Schwiegersohn und Enkel in einem alten Haus in Glienicke. Die Treppenstufen zu ihrem Schlafzimmer hoch sind für sie in den letzten Jahren zu einem unüberwindlichen Hindernis geworden. Darum hat sich die Familie dazu entschieden, einen Treppenlift anzuschaffen.

„Die Kriterien waren ganz einfach“, erinnert sich Richard Müller, der sich als Schwiegersohn um alles gekümmert hat. „Ein funktionaler Stuhl in einer akzeptablen Lieferzeit zu einem akzeptablen Preis.“

Zuerst Angebote vergleichen und im Bekanntenkreis nachfragen

Doch wo mit der Suche beginnen? Für viele Menschen führt der erste Weg ins Netz. Onlinevergleichsportale wie Treppenlift-Onlineberatung, Treppenlift-Zentrum oder Aroundhome.de helfen bei den ersten Fragen: Soll es ein Sitztreppenlift sein oder ein Plattformlift für Rollstühle? Ist die Treppe gerade oder kurvig? Anhand dieser Angaben vergleichen die Portale Firmen miteinander und erstellen ein kostenloses Angebot. Gut zu wissen: Nicht immer sind alle Treppenliftanbieter bei den Vergleichsportalen vertreten, darum ist es sinnvoll, mehrere verschiedene Portale zu nutzen.

Nützlich ist es oft auch, im Bekanntenkreis nach Erfahrungen mit dem Kauf eines Treppenlifts zu fragen. Kleinere Firmen aus der Region haben oft den Vorteil, dass es eine Ansprechperson gibt, die bei allen Belangen helfen und auch bei Schwierigkeiten schnell vor Ort sein kann. In jedem Fall sollten Angebote von unterschiedlichen Firmen eingeholt und miteinander verglichen werden.

Nicht sofort zu einer Unterschrift überreden lassen

Fährt der Lift besser außen oder innen an der Treppe entlang? Welches Schienensystem ist sinnvoll? Um solche Fragen zu klären, sollten Anbieter zu ihren Kunden nach Hause kommen – und dort auch alles vermessen. Richard Müller hatte mehrere Firmen bei sich im Haus. „Die kommen dann mit optischen Geräten und machen so einen kleinen Event daraus, damit nachher alles genau stimmt. Und danach machen die auch gleich ein Angebot und schreiben dann auch gleich auf, was man da für diese Anlage in etwa bezahlen muss.“

Das Problem dabei: Nicht alle Anbieter sind seriös. Die Verbraucherzentralen haben in ihren Beratungsgesprächen immer wieder mit verzweifelten Verbrauchern zu tun, die von findigen Verkäufern überrumpelt wurden. „Die Situation ist meistens die, dass die Verkäufer zu den Menschen nach Hause kommen, die sich interessieren für die Treppenlifte, und dann im Verkaufsgespräch oft auch schon versuchen, den Verbraucher direkt zur Unterschrift zu bewegen“, sagt Annalena Marx von der Verbraucherzentrale Brandenburg. „Davon raten wir ganz klar ab.“

Weitere Personen am Gespräch teilnehmen lassen

In Internetforen berichten Betroffene von ähnlichen Fällen. Das Geschäftsmodell, so ein User: dem altersbedingt leicht verwirrten Senior einen Vertrag unter die Nase halten, erzählen, es sei ein Angebot, unterschreiben lassen.

Andere berichten von Firmen, die mit vermeintlichen Individualanfertigungen argumentieren – Widerruf ausgeschlossen. Grundsätzlich, so Annalena Marx, gelte Folgendes: „Wenn Sie den Vertrag zu Hause im Verkaufsgespräch mit dem Händler unterschrieben haben, dann haben Sie ein 14-tägiges Widerrufsrecht.“ Rechtlich nicht eindeutig geklärt ist jedoch die Frage, ob das Schienensystem für einen Treppenlift, das immer individuell an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden muss, gleichzusetzen ist mit einer Maßanfertigung. Dann wäre der Widerruf ausgeschlossen.

Um solche Situationen möglichst zu vermeiden, hilft es, sich im Vorhinein zu informieren. Wohnberatungsstellen sind dafür eine mögliche Anlaufstelle. Das Personal kommt auf Wunsch nach Hause und hilft kostenlos bei Fragen rund um Treppenlifte und andere Umbaumaßnahmen. Zusätzlich sollte beim Verkaufsgespräch mit der Treppenliftfirma zu Hause immer eine weitere Person anwesend sein, die bei Schwierigkeiten als Zeugin auftreten kann. Wer nach dem Kauf Probleme beim Widerruf hat, kann die Rechtsberatung der Verbraucherzentralen in Anspruch nehmen. Immerhin geht es um größere Summen.

Preise für einen Treppenlift können stark schwanken

Der Preis für einen Treppenlift liegt bei mindestens 4000 Euro, kann aber auch 20.000 Euro und mehr betragen. Richard Müller wählt für seine Schwiegermutter darum ein gebrauchtes Modell. Etwa drei Monate dauert es, bis der passende gebrauchte Lift da ist und eingebaut werden kann. „Die Anlage, die hier steht, wurde mir neu zwischen 9000 und 10.000 Euro angeboten. Wir haben 6900 Euro bezahlt.“

Auch wer zur Miete in einer Wohnung wohnt, hat unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf den Einbau eines Treppenlifts – etwa, wenn ohne die bauliche Veränderung keine behindertengerechte Nutzung des Wohnraums sichergestellt werden kann oder wenn es keinen alternativen Zugang zum Wohnraum gibt. Mieterinnen und Mieter, die sich über den Einbau eines Treppenlifts Gedanken machen, können sich dazu beim Mieterverein beraten lassen.

Modelle gibt es viele – doch die zusätzliche Ausstattung kostet extra

Wichtig ist, vor dem Kauf die Finanzierung zu klären. Wer einen anerkannten Pflegegrad hat, kann von der Pflegekasse einen Zuschuss von 4000 Euro beantragen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau bietet für den Kauf eines Treppenlifts zinsgünstige Kredite an. Und auch Kommunen oder Bundesländer unterstützen den Treppenliftkauf manchmal finanziell. Informationen dazu gibt es im Bürgerbüro, im Landratsamt oder bei Wohnberatungsstellen.

Treppenliftmodelle gibt es viele. Richard Müller hat bei seiner Suche beobachtet, dass Firmen ihm besonders komfortable Ausstattungen schmackhaft machen wollten, von denen seine Schwiegermutter zwar nicht profitiert, die aber zusätzlich Geld gekostet hätten.

Nicht für, sondern mit den Liftnutzern entscheiden

Letztlich zählt vor allem, dass diejenige Person gut mit dem Lift zurechtkommt, die ihn regelmäßig benutzt. Wichtig für Elsa Becker ist etwa die Fernbedienung, mit der sie den Lift nach oben und unten bringen kann, denn für den Schalthebel am Lift sind ihre Finger mittlerweile zu unbeweglich.

Heute will niemand mehr aus der Familie den Treppenlift missen. Er ist nicht nur praktisch für den Transport von vollen Wäschekörben, auch in Zeiten einer Fußverletzung war er hilfreich. Elsa Becker kann sich dank Lift wieder selbstständig im Haus bewegen. Manchmal fährt auch Katze Emmy mit.

Wer darüber nachdenkt, einen Treppenlift zu kaufen, sollte vorher einige Fragen klären. Wohnberatungsstellen sind dafür eine mögliche Anlaufstelle.

Bedarf prüfen: Wie ist die gesundheitliche Situation der betroffenen Person? Sind günstigere Alternativen zum Lift denkbar, etwa Handläufe oder andere Hilfsmittel? Voraussetzungen klären: Dürfen Sie einen Treppenlift bauen oder müssen Sie Vermieter oder Miteigentümer in die Entscheidung einbeziehen? Erlauben es die baulichen Gegebenheiten, einen Treppenlift einzubauen? Finanzielle Zuschüsse erfragen: Hat die betroffene Person einen anerkannten Pflegegrad? Dann kommt die Förderung der Pflegekasse mit bis zu 4000 Euro pro Antragsteller in Betracht. Welche anderen Förderprogramme gibt es? Und wie sehen die Voraussetzungen dafür aus?

Wer sich selbst über diese Fragen schon vorher im Klaren ist, kann den Einbau eines Treppenliftes ohne böse Überraschungen bewerkstelligen.

Von Alena Hecker/RND