Lufthansa-Pilot Peter Etzrot und sein Co-Pilot Kai Schleicher halten im Cockpit eines Airbus vom Typ A320neo ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift "Erstflug Lufthansa MUC-BER 31.10.2020" in der Hand. Quelle: Peter Kneffel/dpa

Der BER ist eröffnet – erste Flieger gelandet

Berlin-Schönefeld. Um 14:02 Uhr war es so weit: Mit einer Maschine der Fluglinie Easyjet ist am Samstag das erste Flugzeug am Flughafen BER gelandet. Wenige Minuten später landete auch die Maschine der Lufthansa. Damit ist der Flughafen Berlin-Brandenburg BER eröffnet.

Beide Maschinen vom Typ Airbus A320 neo sollten eigentlich parallel auf beiden Landebahnen aufsetzen. Wegen des schlechten Wetters musste dieses Manöver aber abgesagt werden.

Die Maschinen landeten zeitlich leicht versetzt, wie auch die “Märkische Allgemeine Zeitung” berichtet. Die Lufthansa-Maschine kam aus München, der Easyjet-Flieger war kurz zuvor vom alten Berliner Stadtflughafen gestartet.

Besucherterrasse mit Prominenz

Von der Besucherterasse schauten die geladenen Gäste der Landung zu. Darunter Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sowie die Regierungschefs von Berlin und Brandenburg, Michael Müller und Dietmar Woidke (beide SPD).

Der Luftfahrt-Koordinator der Bundesregierung, Thomas Jarzombek (CDU), begrüßte die Eröffnung des BER begrüßt und warnte zugleich vor überzogenen Erwartungen. “Der BER wird mittelfristig zunächst das leisten müssen, was Tegel und Schönefeld in den vergangenen Jahren nur unter größeren Mühen und chaotischen Zuständen hinbekommen haben: den Flugverkehr in der deutschen Hauptstadt zu gewährleisten”, sagte Jarzombek dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Dass aus dem BER mehr wird, ein drittes deutsches Drehkreuz nach Frankfurt und München, sehe ich zunächst eher nicht.”

Der BER ging mit neunjähriger Verspätung ans Netz. Er hätte ursprünglich im Oktober 2011 eröffnet werden sollen. Auch der darauf folgende Eröffnungstermin im Juni 2012 wurde verschobene. Das Projekt war durch zahlreiche Pannen gekennzeichnet, die Baukosten hatten sich auf rund sechs Milliarden Euro verdreifacht. Auch nach der Inbetriebnahme wird der Flughafen auf Staatshilfen angewiesen sein.

Wegen der Corona-Krise sind die Passagierzahlen weltweit eingebrochen. Die Betreiber rechnen nur mit rund 5000 Fluggästen am ersten vollständigen Betriebstag am Sonntag. Dann wird gegen 6:45 Uhr der erste Start mit am BER eingecheckten Fluggästen erfolgen. Ein Flugzeug von Easyjet soll von der Nordbahn nach London Gatwick aufbrechen.

Die Flughafeneröffnung war seit dem Vormittag von Protesten begleitet worden. Mehrere Hundert Klimaaktivisten demonstrierten vor und im Terminal 1. Ein Aktivist kletterte auf das Vordach des Terminalgebäudes und seilte sich ab.

Auch Anwohner und Bürgerinitiativen protestierten gegen den Flughafen, durch den die Lärmbelastung in den umliegenden, dicht besiedelten Gemeinden sowie in einigen Bezirken Berlins deutlich stiegen wird.

Von Torsten Gellner/RND