Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD): „Die deutschen Landwirte müssen mehr zum Schutz von Klima und Natur beitragen, daran führt kein Weg vorbei.“ Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa

„Müssen weg von Masse und billig“ – Schulze fordert Systemwechsel in Landwirtschaft

Berlin. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat einen Systemwechsel in der Landwirtschaft einschließlich eines deutlich größeren Beitrags deutscher Bauern zum Umwelt- und Klimaschutz gefordert. „Unser Agrarsystem funktioniert nicht. Nicht für die Umwelt, nicht für die Tiere und auch nicht für die Landwirte“, sagte Schulze dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Wir importieren Soja aus Brasilien, für das dort Regenwälder abgeholzt werden. Damit mästen wir Millionen Schweine, deren Gülle unser Wasser belastet und deren Billigfleisch regionale Landwirtschaft hier und in ärmeren Ländern unter Druck setzt. Wir setzen auf Masse, und wir setzen auf billig. Davon müssen wir weg.“

Schulze forderte bessere Bedingungen in der Tiermast und eine Reduzierung der Gesamtzahlen. „Die Haltung muss besser werden. Und wir müssen die Tierhaltung wieder an die verfügbaren Flächen anpassen“, sagte sie. „Die EU investiert allein in Deutschland jährlich sechs Milliarden Euro in ein Agrarsystem, das Tierwohl oft missachtet, Gewässer belastet und Landwirte unter enormen Preisdruck setzt“, beklagte Schulze. Das müsse sich ändern.

Fördergelder für Umweltschutz – nicht für Flächen

Fördergelder dürften sich nicht mehr allein an der Flächengröße bemessen, sondern müssten stärker berücksichtigen, was jeder einzelne Betrieb für den Umweltschutz leiste. „Die deutschen Landwirte müssen mehr zum Schutz von Klima und Natur beitragen, daran führt kein Weg vorbei“, sagte Schulze. „Wir können mit der Natur nicht verhandeln.“

Die SPD-Politikerin forderte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) auf, zügig einen Plan zur Verteilung der EU-Agrarförderung in Deutschland vorzulegen. „Ein nationaler Strategieplan, den die Landwirtschaftsministerin vorlegen muss, ist nicht in Sicht. Bislang habe ich von Frau Klöckner viele Fragen gehört, aber noch keine Ideen. Die Zeit drängt, die Landwirtschaftsministerin muss jetzt liefern“, kritisierte Schulze im Gespräch mit dem RND.

Es gebe schon heute viele Landwirte, die Gewässer sauber hielten, Rückzugsräume für Tiere schafften und den Humusaufbau in ihren Böden förderten, betonte die SPD-Politikerin. „Ich will, dass dieser Einsatz belohnt wird.“

Das ganze Interview mit Svenja Schulze lesen Sie ab Samstagfrüh auf RND.de

Von Andreas Niesmann/RND