Die deutsche Wirtschaft ist trotz Lockdowns robust. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentra

Ifo-Geschäftsklimaindex: Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hellt sich auf

Frankfurt am Main. Plötzlich ist es mit der Wirtschaft wie mit dem Wetter: alles heiter bis sonnig. Unter den Managern hiesiger Unternehmen ist die Stimmung in den vergangenen Wochen merklich gestiegen. Das geht aus dem Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts hervor. In der Industrie sind die Erwartungen für die nächsten sechs Monate so hoch wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Sogar in arg gebeutelten Branchen wächst die Hoffnung auf eine baldige Erholung.

Ifo-Index in allen Industriezweigen gestiegen

Der Index der Wirtschaftsforscher ist von 90,3 Punkten im Januar auf aktuell 92,4 Punkte geklettert. Die Meldungen von rund 9000 Unternehmen zeigen einerseits bei der Einschätzung der Lage nach oben. Noch viel kräftiger ist das der Fall bei den Geschäftserwartungen. Insbesondere im verarbeitenden Gewerbe. „Ein höherer Wert war zuletzt im November 2018 zu beobachten“, so Ifo-Präsident Clemens Fuest. In allen wichtigen Industriezweigen sei der Index gestiegen – er gilt als wichtigster Frühindikator für die hiesige Wirtschaft.

Konjunkturpakete der letzten Jahre wirken

„Die deutsche Industrie profitiert davon, dass die Weltwirtschaft anspringt und nun massiv Investitionen nachgeholt werden“, sagte Sebastian Dullien, Direktor des gewerkschaftsnahen Wirtschaftsforschungsinstituts IMK, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Hinzu komme, dass mit dem Fortschritt der Impfkampagnen ein Ende der Pandemie absehbar scheine. „Das verbessert die Stimmung bei den Unternehmen global, die in Folge noch einmal zusätzliche Investitionen auf den Weg bringen. Außerdem wirken nun die Konjunkturpakete, die viele Länder im vergangenen Jahr verabschiedet haben“, fügte Dullien hinzu.

Auch die Experten der Fondsgesellschaft DWS argumentieren in diese Richtung und machen darauf aufmerksam, dass auch die Einkaufsmanagerindizes, die Ende voriger Woche veröffentlicht wurden, in das positive Bild passten. Die exportorientierte deutsche Industrie profitiere von einem Nachholbedarf: „Die Lager sind überall leer, es muss nachbestellt werden.“

Chinas Erholung hat weltweite Auswirkungen

Dass dabei China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, eine entscheidende Rolle spielt, zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis): Die Volksrepublik war im Jahr 2020 zum fünften Mal in Folge der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Waren mit einem Gesamtwert von rund 212 Milliarden Euro wurden zwischen beiden Staaten gehandelt. Das entspricht einem Plus von 3 Prozent im Vergleich zu 2019. „Chinas Erholung trägt entscheidend auch zur Erholung der Weltwirtschaft bei“, betont denn auch Dullien.

In der Volksrepublik wurde die Pandemie mit massiven Eingriffen ins Alltagsleben der Bürger und in die Tätigkeit der Unternehmen bekämpft – schon im zweiten Quartal 2020 konnte auf Wachstum umgeschaltet werden.

US-Präsident Biden kurbelt Wirtschaft an

„2021 wird es aber nicht ein einzelnes Zugpferd geben. Auch das US-Wachstum wird stark sein und wichtige Impulse besonders für die deutsche Exportindustrie setzen“, sagte Dullien dem RND. Denn für die USA, immer noch Lokomotive der Weltwirtschaft, bestehe die Aussicht auf ein großes neues Konjunkturpaket unter Präsident Joe Biden, das das Wachstum ankurbeln werde. Die Vereinigten Staaten waren laut Destatis denn auch im vorigen Jahr – noch vor China – der wichtigste Abnehmer deutscher Exporte, an den allerdings Produkte im Wert von nur noch knapp 104 Milliarden Euro (minus 12,5 Prozent) geliefert wurden. Ganz vorn bei den Ausfuhren lagen „Kraftwagen und Kraftwagenteile“ deutlich vor Maschinen und chemischen Erzeugnissen.

Sogar Reiseveranstalter wieder optimistisch

Der Ifo-Index zeigt aber auch, dass es in schwer in Mitleidenschaft gezogenen Sektoren wieder etwas besser läuft. „Die Dienstleister waren mit ihrer aktuellen Lage zufriedener. Zudem nahm der Pessimismus bei den Geschäftserwartungen ab“, so Ifo-Chef Fuest.

Die Konjunkturexperten der DZ Bank machen dabei auf eine bemerkenswerte Entwicklung aufmerksam: „Sogar bei Reisebüros und Reiseveranstaltern bessert sich die Stimmung mit Blick auf die kommende Saison. Mehr Impfungen, der verstärkte Einsatz von Schnelltests und intelligente Öffnungskonzepte sollten die Möglichkeiten auch im Handel in den kommenden Monaten verbessern.“ Dem schließen sich die Volkswirte der Bundesbank an. „Die Wirtschaft dürfte wohl ab dem Frühjahr wieder auf ein deutlich höheres Leistungsniveau zurückkehren und ihren Erfolgskurs wieder aufnehmen“, heißt es im am Montag veröffentlichten aktuellen Monatsbericht.

Keine Rezession durch Lockdown befürchtet

Und was bedeutet das alles für die Politik und den Kampf gegen Corona? Für Dullien zeigen die aktuellen Ifo-Zahlen an, „dass eine vorschnelle Lockerung insofern nicht notwendig ist, als dass durch die aktuellen Kontaktbeschränkungen keine neue Rezession droht“. Aus Sicht des IMK-Direktors ist nun wichtig, „nur so schnell zu lockern, wie man das Infektionsgeschehen kontrollieren kann. Das ist am Ende auch für die Wirtschaft die beste Lösung“.

Gleichzeitig müsse man in der Zwischenzeit über großzügige Hilfen besonders betroffene Branchen und Betriebe durch die Krise retten. Und eine dritte Infektionswelle, die viele befürchten, sei kein Naturgesetz. „Mit ausreichenden Kontaktbeschränkungen und einer Beschleunigung der Impfkampagne lässt sich eine dritte Welle noch verhindern. Wenn sich die Infektionstrends nicht verschlechtern, ist mit fortschreitenden Impfungen im Jahresverlauf mit einem Abklingen der Pandemie und Öffnungen bei Gastronomie und Freizeitwirtschaft zu rechnen“, so Dullien.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND