Der Luxusliner „Odyssey of the Seas“ hat am Sonntagmorgen das niederländische Eemshaven erreicht. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Das neue Kreuzfahrtschiff „Odyssey of the Seas“ hat die Nordsee erreicht

Papenburg. Der kriselnde Kreuzfahrtschiffbauer Meyer-Werft in Papenburg hat das erste Kreuzfahrtschiff in diesem Jahr in die Nordsee gebracht. Die „Odyssey of the Seas“ wurde von zwei Schleppern über die Ems gezogen und erreichte am Sonntagmorgen das niederländische Eemshaven. „Alles hat reibungslos geklappt“, sagte Werftsprecher Florian Feimann am Sonntag. In der Nordsee werden nun Erprobungsfahrten unternommen, bevor das Schiff an die US-Reederei Royal Caribbean abgeliefert wird. Der 347 Meter lange Luxusliner soll rund 4280 Passagiere aufnehmen.

Für die Meyer-Werft war es die erste von zwei Überführungen in diesem Jahr. Wegen des Stillstands der Kreuzfahrtbranche in der Corona-Pandemie musste die Werft ihr Bautempo drosseln. Damit drohen Hunderte Arbeitsplätze verloren zu gehen. Meyer beschäftigte am Standort Papenburg etwa 4500 Menschen.

40 Prozent weniger Arbeit pro Jahr – Meyer-Werft will 600 Jobs streichen

“Die Überführungsfahrt eines so schönen Schiffes stimmt mich nachdenklich. Durch die Streckung des Auftragsbuches sichern wir langfristig Arbeit, aber auf einem geringeren Niveau jedes Jahr. Für das letzte und auch die nächsten fünf Jahre werden wir jedes Jahr 40 Prozent weniger Arbeit pro Jahr haben”, sagte Jan Meyer, Geschäftsführer der Meyer-Werft.

“Wir arbeiten hart daran, uns auf diese dramatische Veränderung der Situation einzustellen. Auch wenn einige Kreuzfahrtschiffe bald wieder fahren können, bedeutet das noch lange keine neuen Aufträge”, ergänzte Meyer. Die Werft werde für viele Jahre keine neuen Aufträge großer Kreuzfahrtschiffe ihrer bisherigen Großkunden erwarten können.

Nach Angaben des Betriebsrates will die Geschäftsführung 600 Jobs streichen. Von den übrigen Mitarbeitern verlange die Werft 200 Stunden unbezahlter Arbeit im Jahr, sonst müssten weitere 300 Personen gehen. Der Betriebsrat will dagegen um die Festangestellten kämpfen und fordert eine Reduzierung der Leiharbeit auf der Werft. Beide Seiten sollen sich bis Ende März einigen.

Umweltschützern ist Überführung Dorn im Auge

Die Überführung der Meyer-Kreuzfahrtschiffe aus dem Binnenland über die schmale Ems in die Nordsee zieht normalerweise Hunderte Schaulustige an. Dieses Mal seien es deutlich weniger gewesen, sagte der Werftsprecher. Die Werft kündigte die Überführung erst kurz vorher an: Der Anblick der Ozeanriesen auf der schmalen Ems lockt meist Tausende Schaulustige an - in Coronazeiten sollte ein großer Auflauf an den Deichen vermieden werden.

Die Ems muss für die Fahrten jedes Mal aufgestaut werden, dadurch verschlechtert sich die Wasserqualität. Umweltschützern ist das seit Jahren ein Dorn im Auge.

RND/dpa