Frank Eich, ehemaliger Berater der britischen Zentralbank in London, betont, dass London trotz des Brexits nicht als wichtiges globales Finanzzentrum abgeschrieben werden sollte. Quelle: Luciana Guerra/PA Wire/dpa

Experte: London bleibt trotz Brexit „eines der wichtigsten globalen Finanzzentren“

London. Trotz Unklarheiten im Brexit-Vertrag mit der EU warnt ein Experte davor, den Finanzstandort Großbritannien abzuschreiben. „London bleibt trotz des Brexits eines der wichtigsten globalen Finanzzentren“, sagte Frank Eich, ehemaliger Berater der britischen Zentralbank in London.

In der westlichen Hemisphäre biete nur New York wie London eine „Breite und Tiefe an Fachwissen und Fähigkeiten“, etwa Versicherungen, Investmentbanking, Rechtsdienstleistungen, Risikokapital oder Fintechs. Der britischen Hauptstadt fehle zwar der große US-Markt. „Im Gegenzug ist London wohl vielfältiger – zum Beispiel führend in der islamischen Finanzwelt – und international fokussierter.“

London und Brüssel wollen sich über gegenseitige Anerkennung von Standards einig werden

Der zu Jahresbeginn abgeschlossene Brexit setzt die EU unter Druck, bisher in London erbrachte spezialisierte Finanzdienstleistungen verstärkt in der Gemeinschaft abzuwickeln. Wegen des Brexits haben zahlreiche Institute Tausende Mitarbeiter aus London in EU-Städte wie Frankfurt, Paris oder Dublin abgezogen. Bis März wollen sich London und Brüssel über die gegenseitige Anerkennung von Standards – Äquivalenz genannt – einig werden.

Mit dem Brexit haben britische Finanzdienstleister ihre „Passport“-Rechte verloren, die es ihnen ermöglichten, ohne zusätzliche regulatorische Genehmigung im EU-Binnenmarkt tätig zu sein. Daher müssen britische Firmen entweder die regulatorischen Anforderungen jedes einzelnen EU-Mitgliedsstaates erfüllen oder sich darauf verlassen, dass die EU das britische Regelwerk insgesamt als gleichwertig beurteilt.

Amsterdam verdrängt London als größten Aktienmarkt Europas

Zuletzt war London von Amsterdam als größter Aktienmarkt Europas verdrängt worden. „Da europäische Investoren ohne ein Finanzdienstleistungsabkommen zwischen Großbritannien und der EU nicht mehr in der Lage waren, Aktien an der Londoner Börse zu handeln, mussten die Handelsaktivitäten in einen EU-Mitgliedstaat verlagert werden“, sagte Eich, der nun für die Unternehmensberatung Economicsense arbeitet. Die Entwicklung sei unvermeidlich gewesen. „Ein Finanzmarkt bietet jedoch mehr als nur den Aktienhandel auf einer elektronischen Plattform.“

Der britische Notenbankchef Andrew Bailey warnte jüngst die EU, sie werde einen hohen Preis zahlen müssen, wenn sie London abschneiden wolle.

RND/dpa