Als „klimaneutral“ beworbener Standort des Kosmetikherstellers L’Oréal. Quelle: Adrian Bedoy/L'ORÉAL Deutschlan

Corona bremst den grünen Umbau der Wirtschaft

Berlin. Die Corona-Krise bremst digitale Investitionen und den grünen Umbau der Wirtschaft. Das ist das Fazit einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter mehr als 30.000 Unternehmen, die dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Laut DIHK hat sich die Finanzierungs­situation vieler Unternehmen zu Jahresbeginn 2021 als Folge der Krise substanziell verschlechtert. Mehr als ein Viertel (27 Prozent) der Unternehmen gab an, dass der Eigenkapital­rückgang derzeit das größte Problem sei.

Insgesamt 28 Prozent der Betriebe planen der Umfrage zufolge, ihre Investitionstätigkeit zu reduzieren. Von den Unternehmen, die einen spürbaren Eigenkapital­rückgang beklagen, wollen sogar 43 Prozent ihre Investitionen zurückfahren. Falls diese Unternehmen überhaupt investieren wollen, geben sie „Rationalisierungs­maßnahmen“ als Hauptmotiv an. Betriebe, die sich nicht finanziell von der Pandemie betroffen sehen, setzen dagegen bei ihren Investitionen vor allem auf Kapazitäts­erweiterungen und Innovationen sowie auf Umweltschutz.

Vor allem Industrie­betriebe, die kapitalintensive Maschinen unterhalten und Produkte oft vorfinanzieren müssen, leiden unter dem schrumpfenden Eigenkapital. Laut der DIHK-Umfrage berichten 23 Prozent der Industrie­unternehmen von zurückgehendem Eigenkapital, bei den Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten sind es sogar 28 Prozent. Auch in der Industrie gilt, dass bei den vom Eigenkapital­rückgang betroffenen Betrieben nicht die Themen Innovation und Umweltschutz dominieren, sondern das Rationalisierungs­motiv.

Maschinenbauer und Autozulieferer besonders betroffen

Von den branchen­übergreifend 27 Prozent der Unternehmen, die einen Eigenkapital­rückgang als das drängendste Finanzierungs­problem nennen, heben sich Zuliefer­industrien wie etwa der hochwertige Maschinenbau (31 Prozent), die Hersteller von Kfz-Teilen und Zubehör (32 Prozent) sowie der Werkzeug­maschinenbau (42 Prozent) negativ ab.

Im Größenvergleich zeigt sich zudem, dass in Zuliefer­betrieben des Fahrzeugbaus mit weniger als 20 Beschäftigten die Kapitaldecke nochmals merklich stärker schmilzt. So klagen beispielsweise 36 Prozent der kleineren Betriebe des hochwertigen Maschinenbaus oder 30 Prozent der Hersteller von Daten­verarbeitungs­geräten über schwindendes Eigenkapital als großes finanzielles Problem.

„Die bereits sichtbaren Eigenkapital­rückgänge und die sich in der Breite der Wirtschaft – vor allem bei kleineren Betrieben – abzeichnenden Bilanzprobleme sind kein gutes Vorzeichen dafür, dass die Unternehmen in der Lage sein werden, ausreichend in die digitale und grüne Zukunft der deutschen Wirtschaft zu investieren“, warnt der DIHK. Mit dem europäischen „Green Deal“, der darauf setze, privates Fremdkapital in ausgewählte Wirtschaftszweige der Transformationen zu lenken, müsse eine Sicherung der Eigenkapital­ausstattung der privaten Unternehmen einhergehen, fordert der Verband.

Von Andreas Niesmann/RND