Apple-Chef Tim Cook zeigt steigendes Interesse an Autos. Quelle: imago images/UPI Photo

Apple: Verpflichtung von Ex-BMW-Manager nährt Spekulationen über iCar

Frankfurt am Main. Über kaum ein anderes Thema kursieren so viele Spekulationen wie über das iCar von Apple. Sie haben gerade wieder neue Nahrung erhalten. Der Ex-BMW-Topmanager Ulrich Kranz hat bei dem Big-Tech-Konzern angeheuert. Als sicher gilt, dass er sich um Elektromobilität und autonomes Fahren kümmern soll. Bis möglicherweise ein Apple-Auto rollt, kann es aber noch Jahre dauern.

Dass sich der Technologiegigant für Pkw interessiert, ist klar. „Doch niemand weiß genau, was sie vorhaben“, sagte Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Seit zehn Jahren gebe es Mutmaßungen. „Die tauchen immer wieder auf und verschwinden dann wieder – wie Nessie, das Ungeheuer von Loch Ness“, so Dudenhöffer.

Immerhin hat Apple auf Nachfrage mehrerer US-Medien bestätigt, dass Kranz eingestellt wurde. Weitere Details wurden nicht genannt. Der Manager hatte zuvor rund 30 Jahre für BMW gearbeitet. Er war an der Entwicklung des Mini beteiligt, der Kleinwagen ist für den Konzern zum Dauerbrenner geworden.

Im Jahr 2008 übernahm er eine führende Position im „Projekt I“, das den Auftrag hatte, das erste Elektroauto des bayerischen Unternehmens zu konstruieren. Herausgekommen sind der vollelektrische Kompaktwagen i3 und der Sportwagen i8 mit einem Plug-in-Hybrid-Antrieb. 2016 verließ Kranz BMW. Kurze Zeit später wurde er Technologiechef der Start-up-Firma Faraday Future, die seit einigen Jahren an einem E-Sportwagen bastelt.

Nach nur drei Monaten stieg Kranz wieder aus und wurde zum Mitgründer von Canoo, einem weiteren Start-up, das im nächsten Jahr einen Minivan mit E-Antrieb und mit viel Elektronik zum zumindest teilautonomen Fahren auf den Markt bringen will. Im April trat Kranz als Vorstandschef von Canoo ab, schon wenige Wochen später sei er zu Apple gegangen, berichtet der Finanzdienst Bloomberg.

Allein die Chronologie der Ereignisse lässt Mutmaßungen sprießen. Denn angeblich wollte sich Canoo von Apple übernehmen lassen. Laut Bloomberg – gewöhnlich gut informiert über die Pläne von Apple – ist die Verpflichtung von Kranz ein sicheres Zeichen, dass der iPhone-Hersteller sich zum Ziel gesetzt hat, ein autonomes Elektroauto zu bauen, das ein Rivale für Tesla und die E-Modelle anderer Autobauer werden soll.

In jüngerer Zeit haben sich die Meldungen über ein iCar wieder verdichtet. So hieß es vor einigen Wochen, die Manager aus Cupertino (Kalifornien) hätten mit dem Hyundai-Konzern Gespräche über eine Kooperation geführt. Die Südkoreaner teilten mit, dass es „momentan“ keine Verhandlungen gebe. Was Spekulationen zusätzlich anheizte: Die Hyundai-Manager hätten abgewinkt, weil ihr Unternehmen zu einem Zulieferer degradiert werden sollte – der die klassischen Autoteile vom Achsschenkel bis zum Außenspiegel beisteuert. Auch bei anderen Kfz-Fertigern seien die Amerikaner aus dem gleichen Grund abgeblitzt, hieß es.

Apple hat in der Autobranche vergeblich nach Partnern gesucht

Kolportiert wird, dass die Apple-Leute die volle Kontrolle eines derartigen Projektes beanspruchen und sich um alles kümmern wollen, was mit Elektrik und Elektronik zu tun hat – inklusive der Batterien. Anfang der Woche meldete dann die Nachrichtenagentur Reuters, dass Manager mit den chinesischen Batterieherstellern CATL und BYD verhandeln, und zwar über den Bau einer Fabrik in den USA. Geplant sei, eine neue Technologie zu nutzen, die mithilfe von Lithium und Eisenphosphat elektrische Energie speichere. Der Vorteil: Solche Akkus sind preiswert, weil auf den extrem teuren Rohstoff Kobalt verzichtet werden kann, der in den derzeit gängigen Lithium-Ionen-Batterien eingesetzt wird. Statements von den genannten Firmen gab es zu diesem Thema nicht.

Dass sich Apple trotz enormer Erfolge mit iPhones, Mac-Computern und digitalen Dienstleistungen auch noch mit Fahrzeugen befasst, hat mit dem Druck von Investoren zu tun. Mobilität wird in der Hightechbranche als nächstes „große Ding“ betrachtet. Zugleich verfügt der Konzern über gigantische Liquiditätsreserven, es wäre ein Leichtes, beispielsweise BMW zu übernehmen (das Unternehmen gilt aber als unverkäuflich, es wird von der Familie Quandt kontrolliert).

Dudenhöffer ist beim iCar indes höchst skeptisch. Vor allem aus einem Grund: „Die Margen in der Autobranche sind Apple viel zu niedrig“, sagte er dem RND. Die Amerikaner haben im ersten Quartal eine Rendite (operativer Gewinn im Verhältnis zum Umsatz) von fast 38 Prozent erwirtschaftet. Das ist mit Autos nicht zu machen: Werte knapp über der 10-Prozent-Marke gelten schon als enorm hoch.

Nach Dudenhöffers Einschätzung geht es Apple vor allem darum, Betriebssysteme für Autos und möglicherweise die dazu gehörigen Computerchips zu entwickeln. Zum i3 merkt der Experte an, dass es ein Auto ohne Emotionen und zu teuer sei, und dass es mit dem falschen Material gebaut werde. BMW hat auf eine aufwendige Carbonkarosserie gesetzt, um Gewicht zu sparen. Inzwischen setzen die Münchner bei ihren E-Autos auf konventionellere Konzepte.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND