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Ein Containerschiff im Tiefseehafen von Shanghai. Quelle: imago images/VCG

Containerchaos: Bis Weihnachten drohen starke Preissteigerungen

Hannover. 48 Tage – so lange braucht normalerweise ein Schiff, um Waren aus China nach Europa zu bringen. Doch normal ist auf den Weltmeeren dieser Tage wenig, Engpässe vor allem bei Containern belasten die Schifffahrt. Erste Händler warnen nun, dass Kundinnen und Kunden das im Weihnachtsgeschäft zu spüren bekommen. „In der wichtigsten Zeit des Jahres fehlen uns die Waren“, sagte Patrick Zahn, Chef des Textildiscounters KiK gegenüber dem Handelsblatt.

Er rechnet mit steigenden Preisen – ebenso wie Raoul Rossmann, Chef der gleichnamigen Drogeriekette: „Die Knappheit der Frachtkapazitäten und der Container hat deutliche Auswirkungen auf den deutschen Handel“, bestätigte er gegenüber dem Handelsblatt. Anderen Händlern in Deutschland geht es ähnlich, immer wieder schildern sie, dass Lieferungen aus Asien nicht ankommen oder sich deutlich verteuern.

Containerfrachtraten sind explodiert

Hauptverantwortlich dafür ist die Pandemie. Einerseits kommt es an Häfen weltweit immer wieder zu Verzögerungen wegen Corona-Ausbrüchen. Und andererseits setzt mancherorts die wirtschaftliche Erholung ein. In den USA etwa ist der Hafen von Seattle überlastet, schlicht weil auf einmal große Mengen Waren importiert werden. Beides hinterlässt Spuren, laut World Container Index der Analysten von Drewry haben sich die Frachtraten für Container in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdreifacht. Sie liegen nun weit über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre, ein weiterer Anstieg wird erwartet.

Wie hart das den hiesigen Handel und damit letztendlich Verbraucherinnen und Verbraucher trifft, ist bislang unklar. Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft hatten zuletzt Engpässe und Preissteigerungen im Weihnachtsgeschäft prognostiziert, der Handelsverband Deutschland (HDE) aber hält sich mit Einschätzungen zurück. Und längst nicht alle Modehändler machen sich so große Sorgen wie der Chef von Kik. Die Kette arbeitet mit niedrigen Margen, steigende Transportkosten fallen da schneller ins Gewicht. Es gebe aktuell keine Verzögerungen bei Lieferungen, man sei für die Zukunft gut aufgestellt, erklärte hingegen etwa eine Sprecherin von des Onlinemodehändlers Zalando.

Auswirkungen des Containerchaos schwer abschätzbar

„Wie sich die Lieferschwierigkeiten genau auswirken, kann man noch nicht flächendeckend abschätzen“, heißt es denn auch beim Textilhandelsverband BTE. „Die Unsicherheit ist leider nicht weg“, bekräftigte allerdings BTE-Sprecher Axel Augustin. Er hält steigende Preise für möglich, gibt ansonsten aber teilweise Entwarnung für die kommenden Monate: „Leere Läden werden wir sicher nicht haben, aber einzelne Kollektionen oder Teile davon könnten fehlen.“

Der Außen- und Großhandelsverband BGA hatte am Donnerstag hingegen Anlass zu Freude: Dem statistischen Bundesamt zufolge haben sowohl Exporte als auch Importe zuletzt deutlich zugelegt. Demnach wurden im Mai Waren im Wert von 109,4 Milliarden Euro ausgeführt, ein Plus von 36,4 Prozent im Vergleich zum pandemiebedingt miesen Vorjahresmonat. Mit einem Warenwert von 97,1 Milliarden Euro seien auch die Importe um 32,6 Prozent gestiegen.

Der BGA sieht andere Hauptrisiken

„Das derzeitige Chaos im Frachtverkehr, die immens gestiegenen Preise für Container sowie Rohstoffengpässe machen uns große Sorgen“, warnte BGA-Präsident Anton Börner zugleich. „Trotzdem wird der Gabentisch mit Sicherheit auch in diesem Jahr nicht leer bleiben und die Kunden nach wie vor eine riesengroße Auswahl haben“, sagte Börner allerdings mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft. „Mittel- bis langfristig“ würden sich die Märkte wieder einpendeln, ein Eingreifen der Politik sei nicht nötig.

„Dringend notwendig wären jetzt vorbereitende Maßnahmen für den Herbst, um eine vierte Coronavirus-Welle zu vermeiden“, betonte Börner stattdessen. Diese birgt – auch wegen der Delta-Variante – aus Sicht des BGA sehr viel größere wirtschaftliche Risiken. Und „die Politik macht wieder dieselben Fehler wie im vergangenen Jahr: dass sie es in den Sommermonaten schleifen lässt, anstatt die Zeit zu nutzen.“

Von Christoph Höland/RND