Ein Flugzeug der Lufthansa landet in Frankfurt. Quelle: imago images/HMB-Media

Lufthansa in Bedrängnis: Wie der Konzern versucht, alle Mitarbeiter zu impfen

Frankfurt. Beschäftigte in Schulen und Kitas müssen hierzulande jetzt Auskunft über ihren Impfstatus geben. Und in Frankreich ist die Impfpflicht für Pflegepersonal in Kraft getreten. Auch in Deutschland denkt die Politik laut über strengere Regel nach. Das betrifft in besonderer Weise die Crews von Passagierflugzeugen. Klar ist, der Status quo könnte die Lufthansa (LH) schon bald in arge Bedrängnis bringen.

Das Infektionsrisiko im Flieger gilt noch immer als hoch. Im Konzern wurde denn auch bereits eine Impfpflicht eingeführt, allerdings nur fürs fliegende Personal der Schweizer Tochter Swiss. Auch zahlreiche andere international agierende Airlines tun dies. Für die Flugbegleiter und Piloten, die bei den deutschen LH-Gesellschaften des Konzerns beschäftigt sind, ist die Sache aber komplizierter und heikler.

„Wir haben eine wirklich schwierige Situation“, sagte Mira Neumaier, Bundesfachgruppenleiterin Luftverkehr der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Auf der einen Seite müssten der Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte der Beschäftigten gewährleistet werden. Auf der anderen Seite gehe es um Gesundheitsschutz und die Aufrechterhaltung des Flugbetriebs.

Nach den derzeit gültigen Paragrafenwerken, ist die Lage eindeutig – und daran dürfte sich kurzfristig auch nichts ändern. „Eine Impfpflicht im juristischen Sinne können wir für die Crews unserer deutschen Fluggesellschaften aktuell nicht einführen. Dafür gibt es hierzulande keine rechtliche Grundlage“, sagte ein Lufthansa-Sprecher dem RND. Sein Unternehmen dürfe auch nicht nachfragen, wer geimpft sei und wer nicht.

Durch diese Konstellation könnten auf Deutschlands größte Airline massive Probleme zukommen. „Ein internationaler Flugbetrieb ist ohne Corona-Impfung für Flugzeugbesatzungen künftig nicht darstellbar, da Staaten zunehmend den Impfnachweis auch von Pilotinnen und Piloten und Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern verlangen“, so der Sprecher. Er betont: „Lufthansa wird deshalb alles ihr Mögliche unternehmen, um auf eine möglichst vollständige Durchimpfung der Crews hinzuwirken.“

Schon heute sei das mit dem Impfnachweis zum Beispiel bei Flügen nach Hongkong der Fall. Bei solchen Destinationen müssten sich die aktuell eingesetzten Crews „im Vorfeld verpflichten, alle notwendigen Einreisebedingungen zu erfüllen“. Wie lange sich dieses Verfahren noch mit den Einsatzplänen verträgt, ist offen.

Vor allem ein Szenario bereitet den Lufthanseaten Sorgen: Was wäre, wenn nun doch wieder kurzfristig Flüge in die USA möglich werden, aber nur mit geimpften Crews? Luftfahrtmanager und auch Gewerkschafter befürchten, dass es dann sehr schnell zu personellen Engpässen kommen könnte. Dabei wird gerade auf der Transatlantikstrecke hart um Marktanteile gekämpft.

Insider gehen indes davon aus, dass der allergrößte Teil der LH-Crews bereit ist, den Arbeitgeber über ihren Impfstatus zu informieren. Es gebe viele Flugbegleiter, die nicht mit ungeimpften Kolleginnen und Kollegen fliegen wollten, heißt es. Doch gebe es auch Beschäftigte, die Angaben über ihren Immunitätsstatus strikt ablehnten. Dies lässt erahnen, dass da viel Potenzial für Ärger innerhalb der Belegschaften ist.

Und es liegt nahe, dass die vielschichtigen Impffragen früher oder später vor Gericht landen, was die Dinge noch komplizierter machen könnte. Auch unter Arbeitnehmervertretern soll es zahlreiche Sympathisanten für eine Impfpflicht geben. Kein Wunder also, dass die Lufthansa nicht konkreter wird, wenn es um die Frage geht, wie die „Durchimpfung der Crews“ erreicht werden soll.

Flugbegleiter rechnen mit pragmatischen Lösungen

Recht pragmatisch geht die Flugbegleitergewerkschaft Ufo die Angelegenheit an. Derzeit sei die Lage operativ zu bewältigen, schließlich sei bei der Lufthansa nur bei zwei Destinationen eine vollständige Impfung der Crew notwendig, nämlich neben Hongkong noch für Baku, sagte Ufo-Sprecher Stefan Schwerthelm dem RND. Sowohl bei Flugbegleitern als auch bei Piloten stehe ausreichend Personal zur Verfügung, das die Impfkriterien für diese beiden Ziele erfülle.

Und wenn die Zahl der Ziele mit Impfpflicht deutlich steigt? Dann werde sich „die Lage schon allein durch die Eigeninteressen der Crewmitglieder regeln, die fliegen und Geld verdienen wollen und natürlich auch Präferenzen für bestimmte Destinationen haben“, erläutert Schwerthelm. Wichtig ist ihm aber zu gewährleisten, „dass Kollegen keine arbeitsrechtlichen Nachteile haben, wenn sie ihren Impfstatus nicht preisgeben wollen“.

Das viel größere Problem bei einer Zuspitzung der Lage sieht der Ufo-Sprecher bei einem ganz anderen Punkt. Man müsse dann nämlich Festlegungen darüber finden, „welche Mitarbeiter in der Verwaltung und der Einsatzplanung Zugriff auf Informationen über den Impfstatus von Beschäftigten haben dürfen, da es sich um sehr sensible Daten handelt“.

Klarheit herrscht für die Lufthansa hingegen bei zwei weiteren Aspekten der Fliegerei in diesem Frühherbst: „Lufthansa beabsichtigt nicht, für ihre Flüge einen verbindlichen Impfnachweis für Fluggäste einzuführen oder eine Impfung für nicht fliegendes Personal verpflichtend vorzuschreiben“, so der Sprecher.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND

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