Eine Mitarbeiterin kontrolliert bei einem Nudelhersteller die Produktion von Fusilli. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa

Supermärkte gegen Hersteller: das Ringen um den Pastapreis

Hannover. Wenn Supermarkt­ketten und Lebens­mittel­hersteller im Herbst über Preise und Abnahme­mengen sprechen, herrscht normalerweise eisernes Schweigen. Doch normal ist dieser Tage auch im Lebens­mittel­geschäft wenig. Neben der Pandemie machen gestiegene Energiekosten und schlechte Ernten den Lieferanten zu schaffen. Nun droht die Situation zu eskalieren – und ausgerechnet eine der Leibspeisen der Deutschen, die klassische Pasta, könnte teurer werden oder gar in Regalen fehlen.

Branchengrößen beklagen „dramatisch gestiegene Roh­stoff­kosten“

Den Auftakt zur öffentlichen Kraft­meierei zwischen Handel und Herstellern machte kürzlich Edeka-Vorstands­chef Markus Mosa: „Unberechtigte“ Forderungen nach Preis­erhöhungen prangerte er laut „Lebensmittel Zeitung“ bei einem Vortrag an – im Hintergrund eine Folie, die die Preis­vorstel­lungen von Nudel­herstellern zeigte: 25,1 Prozent Preis­auf­schlag will Buitoni demnach, bei Birkel sind es knapp 20 Prozent. Und wie „Tagesschau.de“ berichtet, fordert eine Reihe weiterer Pasta­hersteller ähnliche Größen­ordnungen.

Die Branchengrößen wollen sich dazu mit Blick auf die laufenden Jahres­gespräche nicht äußern. Schon im Sommer hatten sie, wie etwa Barilla, „dramatisch gestiegene Roh­stoff­kosten“ und „exorbitante“ Belastungen beklagt. Denn ob Fusilli, Spaghetti oder Makkaroni – sämtliche Nudeln italienischer Art werden aus Hartweizen hergestellt. Und dessen Preis ist zuletzt explodiert. Um die 500 Euro kostet eine Tonne, Importeuren zufolge dreimal so viel wie üblich.

Angebot und Nachfrage sind nicht im Gleich­gewicht

Der Hintergrund sind schlechte Ernten in gleich mehreren Regionen: In den USA und Kanada machte die historische Dürre den vergleichs­weise sensiblen Durum-Pflanzen zu schaffen, in Frankreich und Italien regnete es kurz vor der Ernte zu viel. „Zudem hat sich viel Nachfrage aufgestaut, weshalb die Preise generell noch eher hoch sind“, schildert Thorsten Tiedemann, Vorstands­vorsitzender des Getreide­händler­vereins an der Hamburger Börse. Er hofft auf Besserung, wenn im Winter auf der Südhalb­kugel geerntet wird.

Doch vorerst sind Angebot und Nachfrage aus dem Gleich­gewicht geraten: „Das Thema wird uns den ganzen Winter begleiten, ich gehe davon aus, dass Ende des Jahres die deutschen und europä­ischen Lager­bestände komplett ausverkauft sind“, sagt Peter Haarbeck vom Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärke­wirtschaft (VGMS).

Er vertritt auch die Interessen der Nudelhersteller – und macht sich große Sorgen um die Zukunft des Hartweizen­anbaus: „Letztendlich ist das eine dauerhafte Heraus­forderung, weil das Risiko witterungs­bedingter Ernte­ausfälle aufgrund des Klimawandels zunimmt“, befürchtet Haarbeck.

Ohne Preis­erhöhungen könnten Liefer­stopps drohen

Neben den Rohstoffpreisen sind aber auch die Logistik- und Energie­kosten der Bundes­vereinigung der Ernährungs­industrie (BVE) zufolge deutlich gestiegen. Vize­geschäfts­führer Peter Feller bittet deshalb auch die Handels­ketten um Verständnis: „Es liegt auf der Hand, dass diese zusätzlichen Kosten von den Herstellern bei der Kalkulation der Abgabe­preise berücksichtigt und gegenüber den Absatz­partnern thematisiert werden müssen, um rentabel wirt­schaften zu können“, sagt Feller.

Ob er damit Gehör findet, wird sich noch zeigen müssen. „Wir hören von ernsthaften Befürchtungen, dass es ohne Preis­erhöhungen zu Liefer­stopps kommen kann“, berichtet Haarbeck. Derweil legt man bei Edeka nach: Man werde Preis­forderungen der Hersteller sehr genau prüfen „und im schlimmsten Fall, wenn wir uns mit unseren Industrie­partnern nicht einigen können, auf den Verkauf einzelner Artikel verzichten,“ drohte eine Sprecherin. „Wir sind überzeugt, dass dies im langfristigen Interesse der Verbraucher ist.“

Dass Nudeln bald teurer werden, scheint also gesetzt. Oder manche Regale bleiben ganz leer.

RND

Von Christoph Höland/RND

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