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Das Schild des China Evergrande Centres an der Fassade eines Unternehmensgebäudes in Hongkong. Quelle: Katherine Cheng/SOPA Images via

Insider bestätigt Medienbericht: Evergrande wendet Zahlungsausfall ab – Börsen atmen auf

Hongkong. Der angeschlagene chinesische Immobilienkonzern Evergrande hat einem Insider zufolge einen Millionenbetrag überwiesen, um einen drohenden Zahlungsausfall zu verhindern. Wie die mit der Angelegenheit vertraute Person am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters sagte, soll das Unternehmen 83,5 Millionen Dollar an Couponzahlungen auf ein Treuhandkonto bei der Citibank überwiesen haben. So könne Evergrande anstehende Zahlungen für eine Dollar-Anleihe begleichen. An diesem Samstag läuft für eine millionenschwere Zinszahlung, die schon am 23. September fällig gewesen wäre, eine Nachreichfrist aus.

Der Insider bestätigte damit einen Bericht, der am Freitag in der staatlichen Zeitung für Finanzthemen, „The Securities Times“, erschien. Demnach hat Evergrande alle Anleihegläubiger vor Ablauf der Nachreichfrist am 23. Oktober auszahlen können. Die Nachricht sorgte bei Investoren und Aufsehern für einige Erleichterung. Die Dollar-Anleihen des Immobilien­unternehmens stiegen am Freitagmorgen sprunghaft an. Auch die Aktien von Evergrande legten um etwa 4 Prozent zu.

300 Milliarden Dollar: Evergrande hat gigantischen Schuldenberg

Evergrande sitzt auf einem Schuldenberg von umgerechnet rund 300 Milliarden Dollar. Angesichts des Umfangs der Verbindlichkeiten ging zuletzt an den Finanzmärkten die Sorge um, dass ein Kollaps des Konzerns einen Flächenbrand im chinesischen Immobiliensektor auslösen könnte. Die Nichtzahlung der Zinsen hätte zu einem formellen Zahlungsausfall des Unternehmens führen und einen Zahlungsverzug für andere Dollar-Anleihen von Evergrande auslösen können.

„Dies ist eine positive Überraschung“, sagte James Wong, Portfolio­manager bei Gaoteng Global Asset Management Ltd., und fügte hinzu, dass viele einen Zahlungsausfall erwartet hätten. Die Nachricht werde das Vertrauen der Anleihegläubiger stärken, so Wong. Evergrande hat Couponzahlungen im Umfang von annähernd 280 Millionen Dollar, die am 23. und 29. Oktober sowie am 11. Oktober fällig waren, bei seinen Dollar-Anleihen verstreichen lassen. Damit wurde jeweils eine Nachreichfrist von 30 Tagen in Gang gesetzt. Bei Evergrande war zunächst keine Stellungnahme zu den Informationen zu der geleisteten Zinszahlung zu erhalten.

Evergrande-Meldung sorgt für Erleichterung an den Börsen

An den asiatischen Märkten hat die Abwendung des weiteren Zahlungs­ausfalls zum Wochenschluss für etwas Erleichterung gesorgt. Die Aktien von Evergrande stiegen am Freitag in der Spitze um 7,8 Prozent. Der chinesische Branchenindex für den Immobiliensektor notierte zeitweise 6,5 Prozent fester. Zusätzlich beflügelten Kurszuwächse bei Technologie­werten die asiatischen Börsen. In Tokio legte der Nikkei-Index zeitweise um ein Prozent auf 28.989 Zähler zu. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 0,1 Prozent und lag bei 2002 Punkten. In China gewann der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen 0,7 Prozent. Der Shanghai-Index notierte knapp im Minus.

Auch in Deutschland sorgte die Evergrande-Nachricht für Erleichterung am Markt. Der Dax startete zum Wochenschluss im Plus. Der deutsche Leitindex legte 0,6 Prozent auf 15.565 Zähler zu. Doch ausgestanden ist die Schuldenkrise des Unternehmens damit noch lange nicht. „Das Thema kann den Anlegern jederzeit wieder die Sorgenfalten auf die Stirn zurückkehren lassen“, sagt Jochen Stanzl von CMC Markets.

RND/Reuters