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Die deutsche Wirtschaft erholt sich, aber weniger schnell als erwartet (Symbolbild).

Der deutsche Patient: Was der wirtschaftliche Dämpfer bedeutet

Berlin. Man kann sich die deutsche Wirtschaft wie einen Patienten vorstellen, der sich etwas langsamer von einer Krankheit erholt als ursprünglich erwartet. Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für 2021 heruntergeschraubt – von 3,5 auf 2,6 Prozent. Die Erholung nach dem coronabedingten Einbruch des Bruttoinlandsprodukts verläuft damit langsamer als erhofft.

Eine Katastrophe ist das nicht, aber ein ordentlicher Dämpfer. Insgesamt stimmt immer noch: Deutschland ist wirtschaftlich im internationalen Vergleich gut durch die Pandemie gekommen. Dazu haben die Milliardenhilfen für die Wirtschaft einen wichtigen Beitrag geleistet – auch wenn sie die Unternehmen oft sehr spät erreicht haben.

Die momentanen Probleme haben viel mit Lieferengpässen zu tun. Wie der geschäftsführende Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) treffend erklärt: Wenn bei einem Auto auch nur ein Halbleiter fehlt, dann kann es nicht fertiggestellt werden. Lieferschwierigkeiten in Zeiten von Corona und der Homeofficeboom, verbunden mit einer hohen Nachfrage nach Laptops und ähnlichen Geräten, gehören zu den Gründen für den Mangel.

Unternehmen wie auch ganze Volkswirtschaften müssen aus der derzeitigen Krise lernen. Konzerne müssen sich fragen: Sind die eigenen Lieferketten ausreichend divers? Braucht es in Zukunft mehr dauerhafte Lagerkapazität, um die Produktion abzusichern? Zugleich ist es eine wichtige wirtschaftspolitische Frage für die Europäische Union, ob die Abhängigkeit von anderen Teilen der Welt an dieser Stelle zu groß ist.

Risiken für Wirtschaftswachstum bleiben

Für das kommende Jahr stellt die Bundesregierung zwar wieder ein Wachstum von 4,1 Prozent in Aussicht. Doch angesichts von Lieferengpässen und steigenden Infektionszahlen in der Corona-Pandemie bleiben, wie auch Altmaier einräumt, erhebliche Risiken. Treten sie ein, würde dies die Arbeit der nächsten Bundesregierung erheblich erschweren. Eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP hätte es dann noch schwerer als ohnehin schon, die angestrebten Milliardeninvestitionen für Infrastruktur, Digitalisierung und den Kampf gegen den Klimawandel aufzubringen.

Die FDP hat zwei rote Linien in der Steuerpolitik durchgesetzt: keine Steuererhöhungen, kein Aufweichen der Schuldenbremse. Genau deshalb wäre es nur vernünftig, wenn tatsächlich FDP-Chef Christian Lindner selbst Finanzminister würde. Dann wäre er es, der sagen müsste, auf welchen Wegen und Umwegen er öffentliche Investitionen ermöglichen möchte.

Dringend nötig sind diese Investitionen und auch die von Olaf Scholz versprochene Vereinfachung des Planungsrechts auf jeden Fall – insbesondere, um den Weg hin zum klimaneutralen Wirtschaften erfolgreich zu bewältigen. Der deutsche Patient muss sich nicht nur erholen. Er muss jetzt etwas tun, damit es ihm dauerhaft gut geht.

Von Tobias Peter/RND