Mittwoch , 28. September 2022
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Apple, hier Konzernchef Tim Cook, spendiert seinen iPhones vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft einen schnelleren Chip und bessere Kameras. Dennoch haben viele potenzielle Kunden jetzt entschieden, das Gerät nicht zu kaufen. Quelle: -/Apple/dpa

Das neue iPhone wird zum Ladenhüter

Frankfurt. Es sollte eigentlich ein weiteres glorreiches Kapitel in der sehr langen Erfolgsgeschichte von Apple werden. Aber daraus wird wohl nichts. Viele Kunden wollen das neue iPhone 13 nicht mehr haben. Die Frage ist nun: Hat das nur mit Lieferengpässen zu tun oder verändert sich da im Smartphonemarkt etwas auf Dauer?

Die Manager des wertvollsten börsennotierten Unternehmens hatten alles auf neue Rekorde ausgerichtet, die im Schlussquartal von 2021 erreicht werden sollten. Der maßgebliche Punkt dabei: vom alles entscheidenden Produkt, dem neuen iPhone 13, sollten noch in diesem Jahr 90 Millionen Exemplare produziert werden – vor allem für das Weihnachtsgeschäft, das auch für Apple die wichtigste Zeit des Jahres ist.

Lieferprobleme belasten Apple stark

Doch das Fertigungsziel musste schon vor einigen Wochen um zehn Millionen Stück nach unten korrigiert werden. Weil es an diversen elektronischen Komponenten fehlt. Unter Engpässen vor allem bei Computerchips leiden zahlreiche Branchen.

Die Hoffnung war bei Apple zunächst, dass die ausgefallenen Käufe im nächsten Frühjahr nachgeholt werden, wenn es wieder ausreichend Teile gibt. Doch das haut offenbar nicht hin. Der Konzern hat nun nach Angaben der Finanznachrichtenagentur Bloomberg seine Lieferanten darüber informiert, dass die erwarteten Bestellungen sich nicht mehr materialisieren würden. Apple wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Dabei war der Konzern noch im dritten Quartal auf einem guten Weg: Die iPhones kletterten nach den Daten des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Gartner mit rund 48 Millionen verkauften Geräten wieder auf den zweiten Platz in den globalen Smartphonecharts. Hinter Samsung, aber wieder vor dem chinesischen Rivalen Xiaomi. Dabei wurde auch schon in den drei Sommermonaten das Geschäft mit den Handys durch den Komponentenmangel gedrückt. Der Absatz schrumpfte im Jahresvergleich insgesamt um knapp 7 Prozent auf gut 342 Millionen verkaufte Geräte.

Apple aber war sogar einer der Profiteure der Teilekrise, die sich vor allem bei einfachen Smartphones bemerkbar machte. Denn der US-Konzern setzt auf Hochpreisiges. Und: Nach den Worten des Gartner-Experte Anshul Gupta konnten große Anbieter – also auch Apple – ihre Marktmacht gegenüber den Teilelieferanten ausspielen und sich im Gegensatz zu den Kleinen Nachschub sichern.

Apple gewährt hohe Rabatte

Doch das kippte offenbar im Herbst. Apple-Chef Tim Cook musste im Oktober einräumen, dass Lieferengpässe mittlerweile das größte Problem des Konzerns seien. Potenzielle Käuferinnen und Käufer des im September vorgestellten iPhones 13 mussten zeitweise länger als ein Monat auf das ersehnte Gerät warten. Um die Kundschaft bei der Stange zu halten, startete Apple beispiellose Rabattaktionen, die noch immer laufen.

Obwohl sich die Lieferzeiten mittlerweile deutlich verkürzt haben. Wer ein iPhone 13 kauft, kann sein altes Gerät für bis zu 719 Euro in Zahlung geben – das billigste Modell der aktuellen Baureihe kostet nur 80 Euro mehr. Doch viele Kunden haben offenbar entschieden, nicht länger zu warten und ganz auf die Neuanschaffung zu verzichten.

Mehrere Faktoren spielen eine Rolle

Dafür kann es verschiedene Gründe geben: Das 13er hat nur wenig Weiterentwicklung im Vergleich zum Vorgänger aufzuweisen. Und im Herbst 2022 soll ein neues Gerät kommen, das angeblich erheblich mehr Innovationen zu bieten haben wird. Warum also nicht einfach noch ein paar Monate länger warten und dann gleich das 14er-Modell kaufen? Apple wäre somit das Opfer der enorm kurzen Produktzyklen im Smartphonegeschäft, die der Konzern aber immer wieder selbst anheizt.

Ein weiterer Faktor: Eine hohe Teuerung macht vielen Verbrauchern zu schaffen – US-Bürgerinnen und -Bürgern noch viel mehr als Menschen in Europa. Das drückt auf die Kauflaune. Auch hierzulande ist nach den Daten der Marktforschungsfirma GfK die sogenannte Anschaffungsneigung, also die Bereitschaft langlebige teure Produkte zu kaufen, zuletzt auf ein Neun-Monats-Tief gesunken. Die Ausbreitung der Corona-Pandemie tat ein Übriges, um die Stimmung zu trüben.

Schwere Einbrüche auch für Xiaomi

Heißt das, dass die Handyverkäufe wieder anspringen, wenn Covid und die neue Omikron-Variante eingedämmt sind, die Teuerung wieder nachlässt und die Stimmung der Verbraucher wieder steigt? So einfach wird das nach Einschätzung des Gartner-Experten Gupta nicht gehen. Denn die Knappheit bei den Komponenten werde noch mindestens zwei Quartale anhalten.

Mit entsprechenden Folgen für die Hersteller – Xaomi teilte kürzlich mit, dass die Nachfrage auf den niedrigsten Wert seit der Phase des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 eingebrochen ist. Weltmarktführer Samsung musste schon im dritten Quartal einen Absatzrückgang um rund 15 Prozent hinnehmen.

Viele nutzen ihr Handy inzwischen mehrere Jahre lang

Unter Expertinnen und Experten kursieren nun Vermutungen, dass die Kundschaft insgesamt auf Dauer zurückhaltender beim Handykauf werden könnte, wenn sich immer mehr herumspricht, dass es gar nicht so schlimm ist, mit einem zwei oder drei Jahre alten Handy zu hantieren.

Zwar wird sukzessive auf den neuen 5G-Funkstandard umgestellt. Vieles spricht aber dafür, dass die Zeiten der ganz großen technologischen Sprünge erst einmal vorbei sind, was einst der wichtigste Treiber bei Neuanschaffungen war. Mehrere Studien zeigen jedenfalls einen langfristigen Trend: Die Nutzungsdauer der Handys steigt – vier, fünf Jahre sind inzwischen keine Seltenheit mehr.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND