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Ein Apple-Logo ziert die Fassade des Apple Stores in Brooklyn, New York. (Archivfoto) Quelle: Kathy Willens/AP/dpa

Apple kennt keine Krise

Frankfurt. An einem Tag mit erheblichen Kursverlusten an den Börsen war die Apple-Aktie eine Art einsamer Leuchtturm. Im frühen Handel am Freitag in New York notierte das Papier mit einem Plus von fast 3 Prozent. Der weltgrößte Computerkonzern hatte zuvor Geschäftszahlen mit Rekordumsätzen bei allen wichtigen Kennziffern und in fast allen Sparten gemeldet. Händler sprachen von einem guten Zeichen für die gesamte Branche.

Im letzten und enorm wichtigen Quartal von 2021 konnte der Konzern seine Erlöse um 11 Prozent auf knapp 124 Milliarden Dollar steigern. Die Erwartungen von Branchenexperten wurden deutlich übertroffen, zumal das Unternehmen extrem profitabel ist. Unterm Strich blieben rund 34 Milliarden Dollar übrig. Das entspricht einer Gewinnspanne, die beispielsweise für Autobauer unerreichbar ist.

Und das alles trotz diverser Widrigkeiten. Insbesondere klagt die Hightechbranche noch immer über Lieferengpässe für Computerchips und andere elektronische Bauteile. Konzernchef Tim Cook betonte aber: „Unsere Lieferkette funktioniert angesichts der Knappheiten sehr gut.“ Das hat natürlich viel mit der starken Marktposition des Unternehmens aus Cupertino in Kalifornien zu tun.

Die iPads sind das Sorgenkind

Apple allein benötigt in etwa so viele Chips wie die gesamte Autobranche weltweit. Deshalb wird der Tech­gigant von vielen Zulieferern bevorzugt beliefert. Zugleich hat Apple, im Gegensatz zu Autobauern, während der Lockdowns keine Bestellungen storniert. Außerdem braucht das Unternehmen schwerpunktmäßig komplexe und hochwertige Chipsätze. Die heftigsten Engpässe gibt es aber bei einfachen Halbleitern, die beispielsweise für Netzteile benötigt werden. Darüber hinaus spielen Halbleiter, die in Eigenregie hergestellt werden, eine zunehmend größere Rolle.

Allerdings schlugen die Engpässe dann doch bei den iPads durch – diese Sparte blieb als einzige unter den Erwartungen der Experten. Das hat laut Cook jedoch auch damit zu tun, dass bestimmte Bauteile, die eigentlich für die Tabletrechner gedacht waren, in iPhones verbaut wurden.

Und die Smartphones sind das stärkste Geschäftsfeld. Mit ihnen allein wurden in den drei Monaten Einnahmen von rund 71 Milliarden Dollar eingefahren. Ein entscheidender Faktor war dabei, dass der Absatz im extrem wichtigen Chinageschäft deutlich anzog. Die 71 Milliarden entsprechen einem Plus von gut 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das ist deshalb erstaunlich, weil nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens IDC in derselben Zeit die Stückzahlen der verkauften Geräte um fast 3 Prozent zurückgingen. Das deutet darauf hin, dass mehr hochwertige iPhones an den Mann und an die Frau gebracht wurden – gemeint sind die Handys der Modellreihe 13, die sich vor allem durch verbesserte Kameras und längere Batterielaufzeiten auszeichnen. Der Boom in der Smartphone-Premiumkategorie scheint sich fortzusetzen, beim größten Rivalen Samsung sieht es ähnlich aus.

Kunden kaufen die teuren iPhones

Hingegen ist der gesamte weltweite Markt laut IDC im letzten Quartal spürbar um mehr als 3 Prozent geschrumpft. „Nur“ noch 362 Millionen Minicomputer wurden verkauft. Die stärksten Rückgänge gab es bei den ganz einfachen Geräten. Aber auch auf dem PC-Markt ging es im Oktober und Dezember nach unten: um 5 Prozent, so die Marktforschungsfirma Gartner. Die Analysten gehen davon aus, dass die Sonderkonjunktur mit der Einrichtung von Homeoffices und dem dazugehörigen Equipment, die durch die Pandemie ausgelöst wurde, an ihr Ende gekommen ist.

Gleichwohl kletterte die Apple-Aktie noch Anfang Januar in neue Höhen, der Marktwert des Unternehmens übersprang für kurze Zeit die magische Grenze von 3 Billionen Dollar (das sind 3000 Milliarden und damit mehr als der Gesamtweit aller Aktien deutscher Firmen). Doch kurz darauf ging es für andere Hightechwerte steil bergab. Die Mischung aus Omikron, Inflation und drohenden höheren Zinsen riss die Dividendenpapiere in die Tiefe. Aktuell ist Apple noch 2,6 Milliarden Dollar stark.

Allerdings bergen die aktuellen Geschäftszahlen das Potenzial für eine neue Klettertour. Der Verkauf der Mac-Computer legte gegen den Markttrend deutlich zu. Gleiches gilt für die Sparte, zu der die Computeruhr (Apple Watch) und die Kopfhörer gehören. Die Service-Umsätze erhöhten sich sogar um fast ein Viertel. Gemeint sind die Streamingdienste für Musik und Filme sowie der Verkauf von Apps.

Viele Novitäten in diesem Jahr

Das Apple-Management geht davon aus, dass sich die Lieferengpässe erst im Frühjahr auflösen und das Wachstum bis dahin bescheidener ausfallen wird. Später im Jahr plant Cook laut Insidern dann aber die größte Zahl an Novitäten in der Geschichte des Unternehmens. Neue iPhones, Apple Watches und Mac-Computer gehören genauso dazu wie ein iPad Air mit einem 5G-Mobilfunk-Modul, womit das Tabletgeschäft angekurbelt werden soll.

Auch von einer Brille für Anwendungen mit virtueller und zusammengesetzter (augmented) Realität ist immer die Rede. Und an einem Auto wird gebastelt. Cook sagte zu all dem nur, dass ein Großteil der Investitionen in Technologien gehe, „die noch nicht auf dem Markt sind“.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND