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Proteste bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich Ende April (Symbolbild). Quelle: IMAGO/ZUMA Wire

Konfliktforscher warnt vor Gefahren durch hohe Inflation

Berlin. Der Konfliktforscher Andreas Zick hat vor den Gefahren anhaltender Inflation für den gesellschaftlichen Zusammenhalt gewarnt. „Andauernde Inflationen sind eine enorme Herausforderung, weil sie unter Umständen zu massiven gesellschaftlichen Konflikten führen“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das ist besonders dann der Fall, wenn sie mit Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit einhergehen. Dann entstehen Proteste, es bilden sich radikale neue politische Gruppen, und Populisten versuchen, Kapital daraus zu schlagen.“

Der Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld fügte hinzu: „Dass die Inflation jetzt schon Wirkungen hat, zeigt sich in geringen Wahlbeteiligungen abgehängter Gruppen. Das ist für die parlamentarische Demokratie schwächend. Das Vertrauen in Politik schwindet, auch weil Politik die globale Inflation kaum ökonomisch regulieren kann.“ So habe die Rechtspopulistin Marine Le Pen mit dem Thema in Frankreich massive Stimmengewinne erzielen können. Der Zusammenhalt bröckle, gerade weil er auf Wohlstand und ökonomischer Gerechtigkeit basiere.

Die Beteiligung an der Landtagswahl im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen war am vorigen Sonntag mit 55,5 Prozent historisch niedrig.

Zick betonte: „Es braucht keine Panik, aber einen klugen Blick auf den Zusammenhalt in solchen schwierigen Zeiten, und der muss in prekäre Gruppen gehen. Politik muss erklären, was warum passiert und woran es liegt. Die Pandemie hat deutlich gemacht, wie relevant politische Kommunikation ist.“

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Von Markus Decker/RND