Anzeige
Alles grün hier: Weißer Spargel ist in den USA praktisch unbekannt. Die grüne Variante wird überwiegend aus Peru und Mexiko importiert. Teilweise wird sie aber auch im eigenen Land – hier in Nevada – angebaut. Quelle: imago images/ZUMA Wire

Stangen mit Sprengkraft: Wie der Spargel nach Amerika kommt

Dass die Globalisierung mehr Fluch als Segen sein kann, hat die Corona-Pandemie den Amerikanern eindrucksvoll vorgeführt: Wegen des Lockdowns in Shanghai stauen sich dort die Containerschiffe und in Milwaukee kann Harley-Davidson keine Motorräder mehr bauen. Doch noch ist der Welthandel gottlob nicht ganz zum Stillstand gekommen. Hinter vorgehaltener Hand wird von der Ankunft einiger Chargen europäischen weißen Spargels in den USA berichtet.

Ganzjährig bleibt es grün im Lebensmittelregal

Um die Bedeutung dieses Ereignisses zu erfassen, muss man wissen, dass es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sommers wie winters grünen Spargel aus Peru oder Mexiko gibt. Der aus Peru ist meist geschmacklos, der aus Mexiko kaum besser. Die saisonalen quietschend frischen, weißen Gewächse hingegen sind in Amerika so gut wie unbekannt.

Vor ein paar Jahren habe ich die Königin des Gemüses tatsächlich einmal in einem italienischen Lebensmittelmarkt in Boston entdeckt. Wie Trophäen steckten die importierten Stangen in einem mit Eis gefüllten silbernen Champagnerkühler. Beglückt kaufte ich zwei Pfund für ein halbes Monatsgehalt, wickelte sie in ein feuchtes Tuch und packte sie in mein Handgepäck. Um ein Haar wäre ich nicht in Washington angekommen. Die Beamten an der Sicherheitskontrolle des Airports hielten das seltsame Bündel auf ihrem Röntgenbild nämlich für Sprengstoffstangen. Ich kann die Aktion nicht zur Nachahmung empfehlen.

Kein billiges Vergnügen

Glücklicherweise hat während der Pandemie ein Gastrogroßhändler begonnen, neben Restaurants an der Ostküste auch Privatkunden zu beliefern. Im Mai lässt er knackigen weißen Spargel aus den Niederlanden einfliegen. Die Stangen sind taufrisch und schmecken köstlich. Doch liegen sie manchem Deutschen schwer im Magen. Zwar ist der astronomische Kilopreis von anfangs 36 inzwischen auf 22 Dollar gefallen. Doch muss man mindestens zwölf Kilo abnehmen.

Das ist viel Holz zum Schälen. Auch ist danach die Gefriertruhe voll. Andererseits: Mit einem solchen Vorrat verliert der nächste Lieferengpass seinen Schrecken.

Von Karl Doemens/RND