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Passagiere stehen am 25. Juni in einer Schlange von mehreren hundert Metern für die Sicherheitskontrolle am Flughafen Köln Bonn an. Wegen der Personalnot in der Branche will die Regierung nun ausländische Helfer und Helferinnen anwerben. Quelle: Thomas Banneyer/dpa

Personalnot an Flughäfen: Jetzt sollen Hilfskräfte aus dem Ausland ran

Berlin. Angesichts der Personalnot an deutschen Flughäfen plant die Bundesregierung, Hilfskräfte aus dem Ausland anzuwerben. Wie Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) am Wochenende in der „Bild am Sonntag“ (Bams) ankündigte, wolle man damit die Engpässe an den Flughäfen „abstellen und eine temporäre Lösung präsentieren“.

Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, begrüßt diesen Schritt: „Alles, was kurzfristig dazu beiträgt, das Gesamtsystem Luftverkehr zu stabilisieren, ist hilfreich und sollte zügig umgesetzt werden“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Jetzt gelte es, mit den Betrieben über die Details der Ausnahmeregelung zu sprechen. Die ausländischen Fachkräfte würden voraussichtlich direkt bei den Bodenverkehrsdienstleistern angestellt. Für Sicherheitskontrollen seien sie jedoch nicht vorgesehen, so Beisel weiter.

Heil will Sozialdumping und Ausbeutung ausschließen

Die von Verkehrsminister Volker Wissing angestoßene Aktion ist mit Arbeitsminister Hubertus Heil und Innenministerin Nancy Faeser (beide SPD) abgestimmt. Aktuell befinde man sich auf der Fachebene in Gesprächen, hieß es am Montag aus dem Arbeitsministerium. Nach DPA-Angaben sollen tausende ausländische Aushilfen angestellt werden. Heil sagte gegenüber der „Bams“, dass man „jede Form von Sozialdumping und Ausbeutung“ ausschließen wolle. „Die Arbeitgeber müssen Tariflohn zahlen und für die befristete Zeit anständige Unterkünfte bereitstellen.“

Die Situation an den Deutschlands Flughäfen ist angespannt. ADV-Hauptgeschäftsführer Beisel geht von einer Personallücke von etwa 5500 Beschäftigen aus. „Über alle Standorte hinweg fehlen den Dienstleistern, die in der Abfertigung der Passagiere beteiligt sind, im Schnitt 20 Prozent des operativen Personals“, sagte er. Ehemalige Luftfahrtmitarbeitende hätten sich in der Pandemie andere Jobs gesucht und kämen nun nicht zurück.

Lufthansa hat bereits Flüge gestrichen

Eine Entwicklung, auf die auch die Gewerkschaft Verdi verweist. Die stellvertretende Vorsitzende Christine Behle bemängelte kürzlich, dass etwa die Lufthansa, wie viele andere Airlines, während der Pandemie Personal abgebaut habe. Damit sei „deutlich übertrieben“ worden.

Erst vor wenigen Tagen hatte Deutschlands größte Fluggesellschaft angekündigt, erneut 2200 Flüge zu streichen. Bereits Anfang Juni hatte die Kranich-Airline 900 Flüge aus dem System genommen. Für die Lufthansa, so ein Sprecher, seien die größte Herausforderung derzeit jedoch die „wieder erhöhten Krankenstände durch die Pandemie“, also maßgeblich keine strukturellen Personalengpässe. Diese seien wiederum bei den Partnern größer.

Fraport will bis zu 1000 Beschäftigte neu einstellen

Dazu gehört die Betreibergesellschaft Fraport. Richtig sei, dass an „einigen Stellen“ noch nicht wieder im ausreichenden Maß Personal zur Verfügung stehe, räumte ein Sprecher am Montag ein. Daher könne es in Spitzenzeiten zu Wartezeiten in den Terminals und bei den Gepäckausgaben kommen.

„Diese Situation betrifft die gesamte Branche“, so der Sprecher weiter. Fraport sei dabei, Bodenverkehrsdienste zu rekrutieren. Auch die Fraport-Tochter Fra-Ground suche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Gepäck- und Bodenabfertigung. In diesem Jahr wolle das Unternehmen bis zu 1000 Beschäftigte neu einstellen.

Fraport begrüßt Vorstoß der Bundesregierung

Hinzu komme, dass der Frankfurter Flughafen derzeit in Sachen Flugaufkommen „extreme Peaks“ habe, die Flüge also ungleichmäßig über den Tag verteilt seien. Außerdem werde der Flugplan oft verschoben, was „ebenfalls zu erhöhtem personellen Aufwand“ führe.

Wohl auch deshalb steht Fraport dem Vorstoß der Regierung positiv gegenüber: „Wir begrüßen jede Maßnahme, die zur Verbesserung der Personalsituation an den deutschen Flughäfen und damit natürlich auch bei uns in Frankfurt führt“, heißt es.

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Von Johanna Apel/RND