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Ist häufig zu günstig: fair gehandelter Kaffee. Quelle: Marcus Brandt/dpa

Preiskampf bei fair gehandeltem Kaffee: Wenn das Pfund nur 4 Euro kostet

Berlin. Wenn Verbraucher in Deutschland angeblich fair gehandelten Kaffee beim Discounter für 4 Euro das Pfund angeboten bekommen, kann etwas nicht stimmen. „Auch beim Kaffee gibt es einen Preiskampf“, bedauert Matthias Fiedler.

Für das Forum Fairer Handel, dessen Geschäfte er führt, ist das besonders wichtig. Denn von den 1,9 Milliarden Euro, die mit fair gehandelten Waren 2021 in Deutschland umgesetzt wurden, entfällt fast ein Drittel auf Kaffee. Verkauft wird der aber größtenteils nicht höherpreisig in Weltläden, sondern im traditionellen Lebensmittelhandel und von Discountern, die ihre enorme Marktmacht im Einkauf zu Dumpingpreisen nutzen. Beim Kaffee ist diese Macht für Erzeuger besonders ungünstig verteilt.

Fairtrade-Kaffee: Verdient wird immer stärker anderswo entlang der Lieferkette.

„Es knubbelt sich an mehreren Stellen“, betont Fiedler mit Blick auf eine dazu von seiner Organisation erstellte Kaffeestudie. Demnach kontrollieren weltweit nur fünf Konzerne den Einkauf des Rohstoffs Kaffee. Auf der folgenden Wertschöpfungsstufe seien es zehn Großröstereien, die über ein Drittel des Röstgeschäfts auf sich vereinen. Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel wiederum dominiert eine Handvoll Discounter vier Fünftel des Geschäfts. „Kaffee boomt weltweit, aber hohe Profite machen damit nur ganz wenige Akteure“, kritisiert Fiedler.

Die aktuellen Preissteigerungen vor allem auch bei Lebensmitteln kämen bei Erzeugern vor Ort kaum an oder würden von steigenden Erzeugungskosten aufgefressen. Für 2022 wäre er froh, wenn der Umsatz mit Produkten aus fairem Handel in Deutschland „bei null rauskommt“, nachdem das Vorjahr ein siebenprozentiges Plus gebracht hatte. Damit wurde eine Delle im ersten Corona-Jahr 2020 wieder ausgeglichen. Aber jetzt ist Krieg in der Ukraine mit hoher Inflation als Folge. Zudem sind Transportkosten stark gestiegen. Um Kunden in die Läden zu locken, wenn Preise auf breiter Front anziehen, bedarf es Lockvogelangeboten. Und da sind Kaffee oder Bananen willkommen.

Bei der gelben Südfrucht waren die vom Forum Fairer Handel erfassten Umsätze 2021 schon das zweite Jahr in Folge im Minus, weil sich Discounter hier Rabattschlachten geliefert hätten, erklärt Fiedler. Beim Kaffee wiederum liege die Wertschöpfung mittlerweile nur noch zu einem Zehntel in den Ursprungsländern. Vor einigen Jahren sei das noch das Dreifache gewesen. Verdient werde immer stärker anderswo entlang der Lieferkette, bedeutet das.

Verbot von Einkauf unter Erzeugerpreisen

Das Forum Fairer Handel und dessen Partner fordern deshalb nun auch in Deutschland ein Verbot von Einkauf im Ursprungsland unter dortigen Erzeugerpreisen. Das gebe es in Spanien bereits. Zudem müsse aus dem deutschen Lieferkettengesetz nun zügig eines auf EU-Ebene werden, um die gröbsten Missstände unter Kontrolle zu bekommen.

Fairhandelsorganisationen wie die Genossenschaft Weltpartner wiederum setzen auf Biokooperativen. „Die Nachfrage nach fair und bio ist größer als die nach nur fair“, erklärt Welthandel-Vorstand Thomas Hoyer. Binnen fünf Jahren seien im ostafrikanischen Notstandsland Burundi mit dieser Strategie Kooperativen aus Biokaffeebauern entstanden, die aktuell 11.000 Familien mit im Schnitt je sieben Mitgliedern ein auskömmliches Einkommen sichert. Demnächst sollen es 26.000 Familien sein, die unter diesem Dach arbeiten.

In einer Welt, die vielerorts auf eine Ernährungskrise zusteuert, seien faire Handelsströme besonders wichtig, findet Hoyer. Stammkunden von bundesweit rund 900 Weltläden und anderen Fachgeschäften des fairen Handels seien treu, würden bewusst kaufen und könnten sich oft auch höhere Preise leisten, sagt Fiedler im Blick nach vorn. Bei anderen Konsumenten weiß auch er, dass sich Geldbeutel derzeit rasch leeren.

Von Thomas Magenheim-Hörmann/RND