Mittwoch , 21. Oktober 2020
Teuerste Lage in Deutschland: Geschäfte an der Kaufingerstraße in München. Quelle: imago images/Sven Simon

Teures Pflaster: Das sind Deutschlands teuerste Einkaufsmeilen

Die Corona-Pandemie macht dem Einzelhandel zu schaffen, Verbände befürchten das große Ladensterben. Ein Knackpunkt: Hohe Mieten, die den Händlern angesichts weggebrochener Einnahmen Probleme bereiten. Ein Blick auf die Zahlen zeigt aber, dass das Problem nicht ganz neu ist.

Jetzt wird die Corona-Krise im Einzelhandel Chefsache: Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat angekündigt, sich für kleine Läden einsetzen zu wollen – um so Innenstädte vor dem Sterben zu bewahren. Doch was sind eigentlich Deutschlands teuerste Einkaufsmeilen?

München vor Berlin, Frankfurt und Düsseldorf

An der Miete für Ladengeschäfte gemessen ist die Antwort eindeutig München, wie Zahlen des Immobiliendienstleisters JLL zeigen: Rund um den Marienplatz und die Kaufinger Straße fallen pro Quadratmeter etwa 360 Euro Miete an. Ebenfalls auf Spitzenplätzen sind die Tauentzienstraße in Berlin (330 Euro pro Quadratmeter), die Zeil in Frankfurt (310 Euro/qm), die Düsseldorfer Königsallee (290 Euro/qm) und die Hamburger Spitaler Straße (280 Euro/qm).

Die Zahlen decken sich dabei zumindest teilweise mit den von JLL ebenfalls erhobenen Werten zur Beliebtheit: Die Frankfurter Zeil hat mit 14.390 Passanten pro Stunde das höchste Besucheraufkommen, die Kaufingerstraße in München ist auf Platz zwei.

Bundesweit sind die Mieten deutlich niedriger

Im bundesweiten Durchschnitt liegen die Mieten selbst in besten Lagen deutlich unter diesen Werten: 110 Euro pro Quadratmeter fallen demnach durchschnittlich für die Ladenmiete an. Der Wert war zuletzt leicht rückläufig, weil die Spitzenmieten in vielen Städten fallen. Selbst entlang der beliebtesten Einkaufsmeilen stagnierten die Mieten laut JLL in den vergangenen Jahren.

Der Hintergrund: Der erstarkende Onlinehandel macht der Konkurrenz in den Innenstädten zu schaffen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) beklagt schon seit Jahren vergleichsweise hohe Mieten – bei gleichzeitig sinkenden Umsätzen. Allerdings führt das zum Teil auch zu Verschiebungen: Sowohl für die Gastronomie als auch für den Lebensmittelhandel würden weiterhin viele Filialen gesucht – beides sind Bereiche, die kaum im Netz abgewickelt werden.

Innenstädte in der Krise: Hohe Mieten als Problem?

Ganz unkritisch sehen Experten die hohen Mieten indes nicht: Jetzt wo die Corona-Pandemie den Strukturwandel im Handel rasant beschleunige, räche sich, dass Innenstädte über Jahrzehnte hinweg nur nach dem Prinzip der Mietenmaximierung bewirtschaftet worden seien, sagte jüngst der Handelsexperte Thomas Krüger gegenüber “Spiegel Online”. Gerade abseits der Spitzenlagen brauche es Raum für Kultur- und Gemeinschaftseinrichtungen – die zwar nicht viel Geld einbrächten, aber für Leben in der Umgebung sorgen würden.

Von Christoph Höland/RND