Dienstag , 29. September 2020
Der Commerzbank-Hauptsitz in Frankfurt: Die Bank bemüht sich erneut um einen Ausweg aus der Führungskrise. Der Aufsichtsrat des Frankfurter MDax-Konzerns berät am Montag weiter über Lösungen. Quelle: Arne Dedert/dpa

Commerzbank: Aufsichtsrat sucht weiter nach Führungspersonal

Der Aufsichtsrat der Frankfurter Bank berät am heutigen Montag weiter über Personallösungen. Gesucht wird nicht nur ein Konzernchef, sondern auch der Oberaufseher des Geldinstituts und die Zeit drängt. So ganz nebenbei steht am Mittwoch auch noch die Präsentation der jüngsten Quartalszahlen an.

Frankfurt/Main. Die Commerzbank bemüht sich erneut um einen Ausweg aus der Führungskrise. Der Aufsichtsrat des Frankfurter MDax-Konzerns berät am Montag weiter über Lösungen – fast genau vier Wochen, nachdem sowohl Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann als auch Konzernchef Martin Zielke ihren Rücktritt angekündigt hatten. Eine schnelle Neubesetzung der beiden Spitzenpositionen bei dem teilverstaatlichten Institut zeichnete sich zuletzt nicht ab. Doch die Zeit drängt.

Für den amtierenden Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann ist es die letzte Sitzung in dieser Funktion. Schmittmann hatte seinen Rücktritt zum 3. August angekündigt. Aus dem Gremium heraus hat sich bislang keine Nachfolgeregelung ergeben, daher wurde extern nach potenziellen Kandidaten gesucht.

Ex-LBBW-Chef Vetter gilt als aussichtsreicher Kandidat

Als aussichtsreicher Kandidat für den Aufsichtsratsvorsitz gilt der frühere Vorstandsvorsitzende der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Hans-Jörg Vetter (67). Am Montag könnte der Aufsichtsrat bei seiner Sitzung die Ernennung beschließen.

Die Commerzbank wollte entsprechende Berichte nicht kommentieren. Vetter war im Frühjahr 2016 schon mal als möglicher Aufsichtsratschef der Commerzbank im Gespräch – damals fiel die Wahl auf Schmittmann.

Den Vertrag mit Konzernchef Martin Zielke wird die Bank spätestens zum 31. Dezember 2020 vorzeitig auflösen. Der seit Mai 2016 amtierende Manager hatte nach Kritik von Investoren eingeräumt, dass die im vergangenen Herbst beschlossenen Maßnahmen nicht durchschlagend genug waren, um das Institut im Zinstief profitabler zu machen. Auf dem Tisch liegen dem Vernehmen nach Pläne, Stellenabbau und Filialschließungen deutlich zu verschärfen.

Bank legt am Mittwoch die Quartalsbilanz vor

Zielke hatte erklärt, er wolle “den Weg für einen Neuanfang freimachen”. Die Bank brauche “eine tiefgreifende Transformation” und dafür einen neuen Vorstandschef, “der vom Kapitalmarkt auch die notwendige Zeit für die Umsetzung einer Strategie bekommt”. Zielke hatte angeboten, bis zur Regelung der Nachfolge für den Vorstandsvorsitz die Geschäfte weiterzuführen.

Der Doppelrücktritt traf die Commerzbank mitten in der Debatte über den künftigen Kurs. An diesem Mittwoch (5.8.) legt das Geldhaus zudem Zahlen für das zweite Quartal vor.

Investoren und Aufsichtsräte pochen auf einen geordneten Prozess: Erst ein neuer Aufsichtsratschef, dann die Neubesetzung der Vorstandsspitze, anschließend die Festlegung der Strategie. Auch der Bund als Großaktionär hat ein Interesse daran, das Führungsvakuum bei der Commerzbank zu beenden.

Finanzinvestor Cerberus macht Druck

Der Finanzinvestor Cerberus, der mit seiner Kritik an Vorstand und Aufsichtsrat den Doppelrücktritt befördert hatte, würde gerne zwei Posten in dem 20-köpfigen Kontrollgremium mit Vertrauten besetzen.

Der US-Fonds ist mit gut fünf Prozent zweitgrößter Aktionär der Commerzbank – nach dem deutschen Staat, der seit der Rettung des Instituts mit Steuermilliarden in der Finanzkrise 2009 größter Anteilseigner mit derzeit 15,6 Prozent ist. Cerberus hatte der Führung des im September 2018 in den MDax abgestiegenen Instituts vorgeworfen, “über Jahre eklatant versagt” zu haben.

Zu allem Überfluss verdarb die Corona-Krise der Commerzbank dann auch noch den Start ins Jahr 2020 und lässt das Gewinnziel für das Gesamtjahr wackeln. Analysten rechnen sowohl in diesem Jahr als auch 2021 unter dem Strich mit einem Verlust bei dem Frankfurter Institut. Für das zweite Quartal erwarten die Experten einen kleinen Gewinn.

RND/dpa