Donnerstag , 1. Dezember 2022
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Das Logo des Chipherstellers Intel, aufgenommen auf einem Computer. Das Unternehmen will in Magdeburg eine große Chipfabrik bauen.

Globale Chipindustrie: Vollbremsung in der Gegenwart, Zukunft in Magdeburg

Frankfurt. „Intel Inside“ – das Logo an Laptops und PCs kennt vermutlich jeder. Intel ist so etwas wie der Platzhirsch der Chipindustrie. Der US-Konzern – immer noch die weltweite Nummer eins – war mit dem Desktop-PC groß geworden und dominierte jahrelang die Branche.

Inzwischen aber ist die Konkurrenz stark. Zum ewigen Rivalen Advanced Micro Devices (AMD) kommt der Newcomer Nvidia, der einst mit Grafikchips anfing. Dann ist da noch Samsung – die Koreaner sind technologisch weit vorne. Und TSMC aus Taiwan hat sich als Auftragsfertiger für viele Hightechunternehmen profiliert. Der Konkurrenzkampf ist zu einer Art Dauermarathon in Höchstgeschwindigkeit geworden.

Zuletzt sah es allerdings nach einer Vollbremsung aus. Bei Nvidia ist der Umsatz im Frühjahrsquartal um ein Fünftel eingebrochen. Intel fuhr in der gleichen Zeit einen Verlust von einer halben Milliarde Dollar ein. Die durch Corona bedingte Sonderkonjunktur ist vorbei. Viele Kunden der Chiphersteller haben ihre Bestellungen zurückgefahren, weil sie geringere Nachfrage – vom Handy bis zur Fabrikanlage – aufgrund der extrem hohen Energiepreise und einer aufziehenden Rezession befürchten.

Die Experten der Marktforschungsfirma Gartner gehen davon aus, dass der Umsatz der Chipbranche im nächsten Jahr um 3 Prozent schrumpft. Viele Beobachter halten dies für zu optimistisch. Denn mit dem Philadelphia Semiconductor Index, dem wichtigsten Barometer der Branche, geht es seit Mitte August deutlich abwärts. Aktuell liegt er 30 Prozent unter dem Wert von vor einem Jahr.

„Wir werden im nächsten Jahr eine globale Verlangsamung der Ökonomie sehen. Das wird auch eine Verlangsamung der Nachfrage nach PCs mit sich bringen“, räumt Bella Abrahams, Intel-Kommunikationschefin für die EMEA-Region (Europa, Naher Osten, Afrika), im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) ein. Sie fügt hinzu: „Das Auf und Ab sehen wir seit Jahrzehnten.“ Zugleich würden die Anforderungen, um sich zu behaupten, steigen.

Intel will darauf mit einer neuen Strategie reagieren. „Wir haben erstmals unsere Fabriken für andere Hersteller, die an Kapazitätsgrenzen stoßen, zur Verfügung gestellt“, so Abrahams. Ferner werde die Auftragsfertigung ausgebaut, die ebenfalls Flexibilität für kurzfristige Nachfrageverschiebungen bringe.

Dabei setzen die Amerikaner auch auf das deutsche Magdeburg. Am Stadtrand baut Intel derzeit für insgesamt 17 Milliarden Euro eine neue Fabrik. 2027 soll sie fertig sein und zur Hälfte für Auftragsfertigung zur Verfügung stehen.

Angesichts der gewaltigen Investitionssumme aber ist klar, dass Intel auch die eigenen Premiumprodukte in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt fertigen wird. „Dort wollen wir Hochleistungsprozessoren herstellen, die derzeit noch nicht entwickelt sind“, sagt Kommunikationsfrau Abrahams. „Die Maschinen in der Fabrik werden größer sein als die Maschinen in den bestehenden Fabriken. Das bedingt auch, dass dort Chips entstehen, die am oberen Ende der Skala liegen.“

Die Zukunft kommt nach Magdeburg – Chipkonjunktur hin oder her.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND