Samstag , 31. Oktober 2020
Audi hat im ersten Halbjahr weltweit rund 22 Prozent weniger Autos verkauft. Quelle: picture alliance / dpa

Trotz Corona: Audi will 2020 “klar positives” Betriebsergebnis einfahren

Die Corona-Pandemie hat Automobilhersteller Audi schwer getroffen. Allerdings scheint sich die Lage aktuell wieder zu stabilisieren. Weitere Arbeitsplätze will der Autobauer vorerst nicht streichen.

Ingolstadt. Die lange Schließung der Autowerke und Autohändler sowie der Einbruch der Kundennachfrage haben Audi tief in die roten Zahlen rutschen lassen. Die VW-Tochter verkaufte im ersten Halbjahr weltweit 22 Prozent weniger Autos, der Umsatz fiel um 29 Prozent auf nur noch 20,5 Milliarden Euro, der operative Verlust betrug 750 Millionen Euro.

Audi rechnet mit positivem Betriebsergebnis

„Seit dem 22. Juni produzieren wir wieder an allen Audi-Standorten weltweit“, sagte Audi-Chef Markus Duesmann am Freitag in Ingolstadt. Aber „trotz erster positiver Signale aus den Märkten bleibt das Jahr 2020 weiterhin extrem herausfordernd“, betonte Finanzvorstand Arno Antlitz.

Für das Gesamtjahr erwarte der Vorstand eine weltweit geringere Nachfrage, deutlich weniger Umsatz und ein Betriebsergebnis “erheblich unter Vorjahr”, jedoch “klar positiv”. Im vergangenen Jahr hatte Audi 4,5 Milliarden Euro zum Betriebsgewinn des VW-Konzerns beigesteuert.

Autobauer will E-Mobilität vorantreiben

Duesmann sagte, der Abbau von 9500 Arbeitsplätzen in Ingolstadt und Neckarsulm sei schon im November und damit vor Ausbruch der Corona-Pandemie beschlossen worden. “Ich bin überzeugt, dass das für uns hinreichend ist. Darüber hinaus ist nichts geplant.” Antlitz sagte: “Wir investieren beherzt in unsere Produktprogramm und E-Mobilität. Wir können uns das leisten”, denn der Konzernverbund eröffne Synergien.

Das gestartete Projekt Artemis solle ein völlig neues Bordnetz für viele Fahrzeuge im VW-Konzern entwickeln und E-Autos “schnell an den Start bringen”, sagte Duesmann, der als VW-Vorstand auch die Forschung und Entwicklung des gesamten Konzerns leitet. Die gemeinsame Elektro-Plattform PPE von Audi und Porsche sei schon weit gediehen.

Erstes Artemis-Modell ist in vier Jahren erhältlich

Artemis laufe parallel und gehe viel weiter. Künftig würden die Baureihen nicht mehr “nach dem Blechkleid” und der Länge der Fahrzeuge sortiert, sondern nach dem Stand der Bordnetze. “Das ist eine mittelgroße Revolution.” Das erste Artemis-Modell soll ein Audi sein und in vier Jahren auf den Markt kommen.

Audi wolle die CO₂-Vorgaben der EU selbstverständlich einhalten, sagte Duesmann. Angesprochen auf die angekündigte Senkung des CO₂-Ausstoßes bei BMW in den nächsten zehn Jahren, sagte er: “Wir haben ein ähnliches Ziel wie BMW.” 2025 wolle Audi 20 batterieelektrische Autos anbieten.

Audi will am Freitag Squeeze-Out beschließen

Die Audi-Hauptversammlung am Freitag soll online auf Antrag von VW den Squeeze-Out, also den Ausschluss der letzten noch verbliebenen Kleinaktionäre, beschließen. Diese halten gerade mal 0,4 Prozent der Aktien. Den Unternehmenswert der Audi AG bezifferte ein gerichtlich bestellter Wirtschaftsprüfer auf 66,7 Milliarden Euro.

Im ersten Halbjahr hatte Audi 707.000 Fahrzeuge verkauft und damit einen ähnlichen Rückgang wie die größeren Konkurrenten Mercedes-Benz und BMW verkraften müssen. In China brach die Audi-Nachfrage um drei Prozent ein, in Europa um 37 Prozent. Antlitz sagte: “Die aktuelle Situation scheint sich zu stabilisieren.”

RND/dpa