Mittwoch , 30. November 2022
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Dmitri Peskow, Sprecher des russischen Präsidenten Putin, weist Sabotagevorwürfe zurück (Archivbild). Quelle: Alexei Nikolsky/Pool Sputnik Kre

„Vorhersehbar, dumm und absurd“: Russland weist Sabotagevorwürfe zurück

Russland hat die Vorwürfe zurückgewiesen, für die Lecks an den Gaspipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 verantwortlich zu sein. „Es ist ziemlich vorhersehbar und dumm und absurd, solche Annahmen zu treffen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben der Agentur Interfax. Die Schäden seien auch für Russland ein großes Problem. Beide Stränge von Nord Stream 2 seien mit Gas gefüllt. „Dieses Gas kostet viel Geld, und jetzt entweicht es in die Luft.“

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Bevor irgendwelche Aussagen gemacht würden, müssten Untersuchungen an den Lecks abgewartet und festgestellt werden, ob es sich um eine Explosion oder nicht gehandelt habe, sagte Peskow. Zudem forderte er, dass Russland an der Aufklärung der Vorfälle beteiligt werden solle. Peskow selbst hatte Sabotage bereits am Dienstag nicht ausgeschlossen.

In den vergangenen Tagen waren gleich drei Lecks in nur kurzer Zeit an den Ostseegaspipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 aufgetaucht. Polen, Russland und Dänemark halten einen gezielten Anschlag auf die europäische Gasinfrastruktur als Ursache für die als beispiellos geltenden Schäden an beiden Pipelines für denkbar.

Roderich Kiesewetter geht von russischer Sabotage aus

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hatte sich am Dienstag zurückhaltend zur Ursache der Lecks geäußert. Eine Spekulation darüber verbiete sich so lange, wie die Aufklärung nicht erfolgt sei, sagte der Grünen-Politiker. Laut Regierungssprecher Steffen Hebestreit habe die Bundesregierung aber Erkenntnisse, dass es „keine natürliche Ursache für diesen Vorfall geben kann“, wie er am Mittwoch mitteilte.

Der CDU-Verteidigungsexperte Roderich Kiesewetter geht derweil davon aus, dass die Leckagen auf einen Sabotageakt Russlands zurückzuführen seien. „Nach allem, was wir wissen, kann es sich bei den Lecks in den Pipelines Nord Stream I und II fast nur um einen gezielten staatlich veranlassten Sabotageakt handeln“, sagte Kiesewetter dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch).

Aus sicherheitspolitischer Perspektive diene ein solcher Sabotageakt der Abschreckung und Bedrohung. „Es ist deshalb wahrscheinlich, dass Russland auf diese Weise versucht, einerseits Verunsicherung in der europäischen Bevölkerung zu schüren und anderseits auf staatlicher Ebene ein weiteres Mal auf die Bedrohungsmöglichkeit durch den Angriff auf kritische Infrastruktur hinweist.“

Dass die Nord-Stream-Pipelines als Werkzeug und Energie als Waffe gegen Deutschland eingesetzt würden, habe Russland bereits in der Vergangenheit gezeigt, sagte der CDU-Politiker. „Deshalb würde ein solcher Sabotageakt auch zu der von Staatsterrorismus geprägten und hybriden Vorgehensweise Russlands passen.“

Auch Strack-Zimmermann spricht von Russland als Täter

Auch die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, vermutet Russland hinter dem möglichen Sabotageakt. „Je länger und brutaler der russische Überfall auf die Ukraine andauert, desto größer ist auch die Gefahr, dass es zu solch enthemmten Anschlägen kommt“, sagte Strack-Zimmermann dem RND. „Nicht ausgeschlossen ist, dass sie von Russland gelenkt werden, um unsere Märkte zu erschüttern.“

RND/sf/dpa