Donnerstag , 22. Oktober 2020
Er hat gut Lachen: Jeff Bezos, Chef von Amazon. Sein Konzern hat einen gewaltigen Lauf. Quelle: Andrej Sokolow/dpa

Amazon: Die unendliche Erfolgsgeschichte

Der amerikanische Onlinehändler hat inmitten der Corona-Pandemie ein überragendes Quartalsergebnis erzielt. Die Bilanzzahlen lagen erheblich über den Prognosen der Analysten. Aktionäre dürfen sich freuen, Amazon erwartet auch im laufenden Quartal ein Spitzenergebnis – ungeachtet der Diskussionen um die Marktmacht des Bezos-Konzerns.

Der weltgrößte Onlinehändler Amazon hat einen gewaltigen Lauf, und dies nicht erst seit Kurzem. Dass der US-Konzern eine der großen Profiteure der Corona-Krise sein wird, war eigentlich jedem Börsenexperte schon im Vorfeld der Zahlenveröffentlichung klar – nicht aber, wie sehr Amazon profitieren werde.

Am Ende stand unter der dem Strich ein Gewinn von 5,2 Milliarden Dollar, was im Jahresvergleich in etwa einer Verdopplung entspricht. Der Umsatz konnte hingegen um 4 Prozent auf 88,9 Milliarden Dollar gesteigert werden. Mit diesen Zahlen lag der Konzern deutlich über den Prognosen der Analysten. Dass das abgelaufene Quartal keine Eintagsfliege ist, zeigt die Prognose.

Starker Ausblick für das laufende Quartal

Für das dritte Quartal stellte Amazon ebenso gute Zahlen in Aussicht: Der Umsatz dürfte zwischen 87 Milliarden und 93 Milliarden Dollar liegen, was einem starken Zuwachs von 24 bis 33 Prozent im Jahresvergleich entsprechen würde. Beim Betriebsgewinn rechnet Amazon mit 2,0 Milliarden bis 5,0 Milliarden Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen 3,2 Milliarden Dollar verdient.

Die jüngsten Quartalszahlen könnten aber auch Wasser auf die Mühlen derer sein, welche die Marktmacht von Amazon als Risiko ansehen und eine Zerschlagung des Bezos-Konzerns fordern. Die Anhörung der vier Konzernchefs von Amazon, Apple, Facebook und Google vor US-Abgeordneten zu der Marktmacht der “Big Four” am Mittwoch wäre wohl einen Tag später anders verlaufen.

Debatte um überwältigende Marktmacht

Im US-Kongress zeichnet sich ein harter Kurs gegenüber amerikanischen Technologieriesen ab, was schärfere Regeln zur Einschränkung ihrer Marktmacht zur Folge haben kann. Bei der mehr als fünfstündigen Anhörung in einem Unterausschuss des US-Repräsentantenhauses schossen sich sowohl Demokraten als auch Republikaner auf die Chefs von Amazon, Apple, Facebook und Google ein.

Die Debatte um Amazons überwältigende Marktmacht ist eine unendliche Geschichte, die mit den neuesten Quartalszahlen der großen US-Techkonzernen ein weiteres Kapitel dazubekommen haben sollte: Allein im zweiten Quartal haben die vier Konzerne Amazon, Apple, Facebook und Google zusammen einen Umsatz von 200 Milliarden Dollar erzielt, und der Marktwert der vier Unternehmen stieg an der Wall Street in der gleichen Zeit zusammen um 250 Milliarden Dollar.

Unglaubliche Kursentwicklung an der Börse

Gerade Amazon-Anleger konzentrieren sich seit vielen Quartalen und Jahren genau auf solche Zahlen und (bisher) nicht auf das “Drumherum” wie die jüngste Anhörung. Der Erfolg ihrer Amazon-Aktien im Depot spricht Bände: Wer Anfang Januar bei dem Onlinehändler eingestiegen ist, konnte bisher 65 Prozent Gewinn verbuchen. Damit ist der Bezos-Konzern am Finanzmarkt einer der größten Gewinner in diesem Börsenjahr.

Diese Gewinne sind jedoch im Vergleich zu der Aktienperformance auf Sicht von drei, fünf oder gar zehn Jahren echte Peanuts: Auf Sicht von drei Jahren haben Amazon-Anleger ein Plus von knapp 200 Prozent und in fünf Jahren mehr als 400 Prozent erzielen können.

Wer dagegen schon vor zehn Jahren Geld in Amazon-Aktien gesteckt hat, kann heute auf ein Plus von mehr 2700 Prozent Gewinn machen – oder hat in Zahlen ausgedrückt beispielsweise aus 1000 Euro mehr als 30.000 Euro gemacht.

RND/casc/dpa

Von Christoph Scherbaum/RND