Montag , 5. Dezember 2022
Anzeige
Am Pipeline-Knotenpunkt in Lubmin wird angesichts fehlender Gaslieferungen aus Russland derzeit umgebaut. Quelle: Stefan Sauer/dpa

Gas aus dem Westen statt dem Osten: Netzbetreiber Gascade baut in Lubmin um

Lubmin. Am Pipeline-Knotenpunkt im vorpommerschen Lubmin wird angesichts fehlender Gaslieferungen aus Russland umgebaut. Der Netzbetreiber Gascade arbeitet dort an der Verrohrung einer Empfangsstation. Sei das Gas in der Vergangenheit vornehmlich aus dem Osten gekommen, komme es jetzt aus dem Westen und werde weiter nach Süden geleitet, teilte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage mit. Dabei könne es sich zum Beispiel um Gas aus den Niederlanden oder Norwegen handeln.

„Die Maßnahme wird vor dem Hintergrund durchgeführt, dass wir für den kommenden Winter gut aufgestellt sein wollen, um alle möglichen Konstellationen zu bedienen.“ Es gehe um mehr Flexibilität auf der Station für die Flüsse zwischen den Pipeline-Verbindungen.

Von Lubmin aus verlaufen die Pipelines NEL nach Westen sowie Opal und Eugal nach Süden. Außerdem enden hier die beiden aus Russland kommenden Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2. Beide Doppelstränge sind nach einem mutmaßlichen Sabotageakt in der Ostsee beschädigt. Von den insgesamt vier Leitungen war nach letztem Stand nur noch eine Leitung von Nord Stream 2 intakt.

Schwimmendes Flüssigerdgas-Terminal

Schon zuvor war durch beide Ostsee-Pipelines kein Gas aus Russland mehr gekommen. Dafür erhält Deutschland Gas über Pipelines aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien. „Aktuell fließt das Gas über die NEL in die Eugal und wird so Richtung Süden weiterverteilt“, teilte die Sprecherin mit. Noch vor dem Winter sollen die Baumaßnahmen abgeschlossen sein.

Zusätzlich baut Gascade eine Verbindungsleitung in den benachbarten Lubminer Industriehafen. Dort soll nach Plänen des Unternehmens Deutsche Regas ab Dezember über ein schwimmendes Terminal Flüssigerdgas (LNG) angelandet werden und über die Verbindungsleitung jährlich bis zu 4,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas eingespeist werden. Die Bundesregierung setzt unter anderem auf LNG, um russisches Gas zu ersetzen. Nord Stream 1 und 2 hatten jeweils eine Kapazität von etwa 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Nord Stream 2 wurde allerdings nie für den Gasimport freigegeben.

RND/dpa