Sonntag , 20. September 2020
Dunkle Wolken hängen über dem Bahntower in Berlin – passend zur aktuellen Lage des Konzerns (Symbolbild). Quelle: Fabian Sommer/dpa

Milliarden-Minus: Corona legt die Versäumnisse der Bahn offen

In der Corona-Krise rutscht die Bahn tief in die roten Zahlen. Doch viele der Probleme sind hausgemacht. Es braucht jetzt eine Bahn 2.0, die sich aus internationalen Abenteuern verabschiedet, meint Frank-Thomas Wenzel.

Keine Frage, die Corona-Krise hat die Bahn arg gebeutelt. Der Staatsbetrieb wird in diesem Jahr so tief wie noch nie in die roten Zahlen rutschen. Die Bundesregierung wird den Schienenkonzern raushauen mit einer Erhöhung des Eigenkapitals. Was soll er auch anderes tun? Wobei die Pandemie zwar vorübergehen wird, doch sie wird Langzeitfolgen für die DB zeigen.

Im Ausland verbrannte die Bahn Geld – Geld, das hierzulande fehlt

Offenkundig wird das bei der Tochter Arriva, die in 14 Ländern im Nahverkehr aktiv ist. Einst kaufte der Konzern das britische Unternehmen, weil es Investmentbankern gelang, Vorstand und Politik von der Story von einer angeblich notwendigen Internationalisierung zu überzeugen. Das war alles an den Haaren herbeigezogen. Jetzt steht das DB-Management vor einem gigantischen Scherbenhaufen. Das wird den Konzern in Ländern wie Großbritannien, Italien oder Spanien, die von Corona heftig betroffen sind, viel Geld kosten. Geld, das hierzulande fehlen wird, obwohl es schon mehr als genug Baustellen gibt.

In den vergangenen Jahren Versäumtes bei Gleisen, Brücken und Signaltechnik muss für viele Milliarden Euro nachgeholt werden. Neue Züge werden dringend gebraucht. Und beim Service gibt es durchaus Potenzial nach oben. Gleichzeitig muss Konzernchef Richard Lutz in den nächsten vier Jahren wegen der hohen Verschuldung eine “Finanzierungslücke” von mindestens 4 Milliarden Euro schließen. Das geht nur, wenn in der Belegschaft heftig umgekrempelt wird. Stellenstreichungen und schlechtere Arbeitsbedingungen drohen. Das alles wirkt wie der Versuch einer Quadratur des Kreises, und das ist nicht mehr nur mit einer Art Reparaturbetrieb zu schaffen.

Das Schienennetz gehört in Staatshand

Wir brauchen eine Bahn 2.0, die sich aus internationalen Abenteuern verabschiedet und die Infrastruktur vom Fahrbetrieb trennt. Das Schienennetz lässt sich nicht nach harten betriebswirtschaftlichen Kriterien betreiben, das muss eine staatliche Infrastrukturgesellschaft machen, die allen Anbietern von Personenbeförderung und Gütertransport die Nutzung der Gleise zu fairen Bedingungen anbietet. Beim Fahrbetrieb wird so echter Wettbewerb möglich. Und den brauchen wir dringend, damit die Eisenbahn als effizientes und klimafreundliches Verkehrssystem endlich richtig in Fahrt kommt.

RND

Von Frank-Thomas Wenzel/RND