Sonntag , 25. Oktober 2020
Im mexikanischen Kaufhaus Palacio de Hierro Polanco werden Einkaufstüten mithilfe von UV-Licht desinfiziert. Quelle: Getty Images

Kann UV-Strahlung vor Viren und Bakterien schützen?

Was schützt vor dem Coronavirus? Diese Frage beschäftigt Forscher derzeit weltweit. Eine mögliche Lösung könnte UV-C-Licht sein, das Viren und Keime abtöten kann. Ist diese Technologie auch für den Hausgebrauch geeignet?

UV-Licht ist ein unsichtbarer Begleiter unseres Alltags. Schon seit mehreren Jahren wird in Deutschland ultraviolette Strahlung beispielsweise zur Desinfektion von Trinkwasser eingesetzt. Verwendung findet dabei UV-C-Licht – also Licht mit einer Wellenlänge von 280 bis 100 Nanometern. Diese Strahlung ist besonders energiereich und deshalb in der Lage, Mikroorganismen und Viren abzutöten beziehungsweise zu inaktivieren.

UV-C-Licht kann schädlich für Coronaviren sein

Eine Studie des Irving Medical Centers der Columbia University hat jüngst gezeigt, dass fernes UV-C-Licht mit einer Wellenlänge von 222 Nanometern sogar mehr als 99,9 Prozent der in Aerosolen vorhandenen Coronaviren abtöten kann. Das Besondere: Eigentlich schädigt UV-C-Licht auch menschliche Zellen; nicht jedoch fernes UV-C-Licht. Dieses könne menschlichen Zellen nichts anhaben, dringe aber in Viren und Bakterien ein und töte sie in der Luft und auf Oberflächen ab, heißt es in einer Mitteilung der Universität.

“Die UV-C-Technologie hat nicht nur das Potenzial, die globale Ausbreitung des Virus, das Covid-19 verursacht, zu verhindern, sondern auch zukünftige neuartige Viren sowie bekanntere Viren wie Grippe und Masern”, sagt David Brenner, Hauptautor der Studie und Direktor des Zentrums für radiologische Forschung an der Columbia University.

Fraunhofer-Institut entwickelt Lichtdesinfektion für Krankenwagen

Auch das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung setzt auf die UV-C-Strahlung. Zusammen mit dem Unternehmen Binz hat die Forschungseinrichtung eine Lichtdesinfektionslösung für Krankenwagen entwickelt. Erste Modellsimulationen konnten zeigen, dass eingebaute UV-C-LEDs bis zu 99,99 Prozent der Viren, Bakterien und Keime auf den Oberflächen des Kabineninnenraums im Rettungswagen entfernen können.

“Damit ist es ab sofort möglich, den gesamten Kabinenbereich des Rettungswagens innerhalb von nur zehn Minuten hocheffizient zu desinfizieren. Ein enormer Zeitvorteil, nicht nur in Zeiten von Corona”, sagt Geschäftsführerin Cathrin Wilhelm. Ab Herbst 2020 sollen die ersten Rettungswagen mit UV-C-LEDs weltweit angeboten werden.

UV-C-Desinfektion für Smartphones ist nicht sinnvoll

Inzwischen gibt es die UV-C-Technologie sogar für den Hausgebrauch. Elektromärkte bieten sogenannte UV-C-Sanitizer an, die unter anderem das Smartphone von Viren und Bakterien befreien sollen. Innerhalb von zehn Minuten desinfizieren UV-C-Lampen die Oberflächen des Handys, schreibt der Smartphone-Hersteller Samsung zu seiner UV-Desinfektionsbox.

“Ich halte das für Blödsinn”, sagt Christian Brandt, Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Vivantes. Solche UV-C-Sanitizer seien nicht nur eine Ressourcenverschwendung, sondern auch Geldmacherei. “Eine Desinfektion ist für Bedarfsgegenstände inklusive Smartphones normalerweise nicht erforderlich. Smartphones sollten nur desinfiziert werden, wenn es wirklich nötig ist.” Dies wäre zum Beispiel der Fall, wenn das Smartphone an einen Corona-Patienten ausgeliehen und danach wieder benutzt werde.

Eine regelmäßige Desinfektion von Smartphones empfiehlt Andreas Podbielski, Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene der Universitätsmedizin Rostock, vor allem medizinischem Personal. Denn: “Beim Benutzen des Smartphones wird meist auf die Händedesinfektion verzichtet. Insofern ist ein Handy ein relevante Zwischenablage für kontaktübertragene Mikroorganismen.”

Das sollten Sie im Umgang mit Desinfektionsmitteln wissen

Um sich vor dem Coronavirus zu schützen, greifen viele Menschen nach Desinfektionsmitteln. Im privaten Haushalt sind diese aber in der Regel überflüssig, heißt es von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Normale Haushaltsreiniger genügen, um Oberflächen gründlich zu reinigen. Desinfektionsmittel sollten nur verwendet werden, wenn ein Familienmitglied an einer ansteckenden Infektion leidet oder das Ansteckungsrisiko bei Kontaktpersonen von Erkrankten besonders hoch ist.

Beim Einsatz von Desinfektionsmitteln sollten Verbraucher vor allem die empfohlene Einwirkzeit sowie das Haltbarkeitsdatum beachten. Qualitativ hochwertige Mittel sind an Hinweisen wie “VAH-zertifiziert” oder “VAH-gelistet” erkennbar. Die Zertifikate weisen darauf hin, dass die Desinfektionsmittel vom Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) geprüft wurden.

Wenn kein Waschbecken zum Händewaschen zur Verfügung steht, rät die Apothekerkammer Niedersachsen dazu, Händedesinfektionsmittel zu nutzen. Gute Qualität lässt sich in diesem Fall riechen: Qualitativ hochwertige Händedesinfektionsmittel sollten nach den Alkoholen Isopropanol oder Ethanol riechen. Charakteristisch ist auch ein kühlendes Gefühl auf der Haut, das durch die Verdunstungskälte des Alkohols entsteht.

Besondere Vorsicht ist bei Mitteln geboten, die einen Chlorgeruch aufweisen. Dann könnte möglicherweise Natriumhypochlorit im Spiel sein, das die Haut reizt. Auch auf Mittel, die die Haut wie Wasser benetzen und nicht abtrocknen, sollten Kunden vorsichtshalber verzichten.

Von Laura Beigel/RND