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Erneuerbare können auf Dauer die Preise stabilisieren. Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dp

Energiekosten sind der Brotpreis von heute

Der Mehlkrieg des Jahres 1775 gilt als Vorzeichen der Französischen Revolution. Missernten und eine vorausgegangene Liberalisierung des Getreidehandels führten zu wochenlang stark steigenden Brotpreisen.

Die Angst vor einer Hungersnot mündete in sich schnell ausbreitende Unruhen. König Ludwig XVI. war gezwungen, die Liberalisierung zurückzunehmen und den Getreidehandel wieder staatlich zu regulieren.

Fast 250 Jahre später ist aus Getreidemissernten ein Gaslieferstopp geworden. Die Schönwetterliberalisierung treibt die Strompreise dramatisch nach oben. Mit den geplanten Strom- und Gaspreisbremsen sollen die Energiemärkte zwar nicht aufgehoben, aber so reguliert oder eingehegt werden, dass verheerende Auswirkungen für Gesellschaft und Wirtschaft abgewendet werden können.

Erneuerbare sind der Schlüssel

Noch ist offen, ob dieser späte Versuch einer Schadensbegrenzung die wachsende Unzufriedenheit eindämmen kann. Zudem ist die Gaspreisbremse sehr teuer und auf Dauer nicht finanzierbar. Dringend nötig ist ein zweites Element.

Die Erneuerbaren sind hierfür der Schlüssel. Einmal in sie investiert, verursachen sie kaum noch Kosten und bedeuten 20 bis 30 Jahre stabile Strompreise. Die Politik muss den Markt so gestalten, dass das bei den Verbrauchern auch ankommt.

Das ist umso einfacher, je höher der Anteil von Sonne und Wind an der Stromerzeugung ist. Mit selbst gemachtem Ökostrom kann zudem importiertes Gas und Öl in großem Umfang ersetzt werden: Nur viel hilft hier tatsächlich viel.

Preisbremse und Ausbauziele

Der Ausbau der Erneuerbaren trägt dazu bei, künftige „Missernten“ zu verhindern. Je schneller die Erneuerbaren wachsen, umso geringer werden die staatlichen Aufwendungen. Das Verhindern von Wind und Solar muss Konsequenzen haben.

Habeck und Lindner sollten das den Landesfürsten im Zuge der Übernahme der Kosten des Gesamtpakets „Gaspreisbremse“ durch den Bund unmissverständlich klarmachen und von ihnen im Gegenzug verbindliche Ausbauziele verlangen.

Holger Krawinkel ist Energieexperte, Stadt- und Regionalplaner. Er schreibt an dieser Stelle im wöchentlichen Wechsel mit Claudia Kemfert, Kerstin Andreae und Frank-Thomas Wenzel über den grünen Umbau der Wirtschaft.

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Von Holger Krawinkel/RND