Freitag , 25. September 2020
Airbus-Auslieferungen sind um fast die Hälfte eingebrochen. Quelle: Christian Charisius/dpa

Airbus macht in der Corona-Krise Milliardenverluste

Passagiermaschinen braucht derzeit niemand: Die Pandemie drückt Airbus tief in die Verlustzone. Der Flugzeugbauer produziert auf Halde. Auch US-Rivale Boeing verliert Milliarden.

Toulouse. Airbus-Chef Guillaume Faury versucht erst gar nicht, etwas zu beschönigen. “Wir sind im Auge des Sturms”, sagt der Chef des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns zur Vorlage eines Zwischenberichts im französischen Toulouse. Gut 1,9 Milliarden Euro Halbjahresverlust hat Airbus eingeflogen, nachdem voriges Jahr um diese Zeit noch 1,2 Milliarden Euro Gewinn zu Buche standen. Allein im zweiten Quartal stand unterm Strich ein Verlust von mehr als 1,4 Milliarden Euro unter dem Strich.

“Unsere Auslieferungen haben sich halbiert”, erklärt der Franzose. Knapp 200 Flugzeuge hat Airbus in den ersten sechs Monaten des Jahres an Fluggesellschaften übergeben, die diese eigentlich gar nicht brauchen. Denn die Pandemie hält den Flugverkehr immer noch stark am Boden. Wie trübe die Perspektiven sind, zeigt die Zahl von acht Neubestellungen im zweiten Quartal.

Airbus produziert auf Halde

Obwohl Airbus die Produktion um 40 Prozent gekürzt hat, wird derzeit auf Halde produziert. Bis Ende Juni konnten 145 fertige Flugzeuge nicht ausgeliefert werden. Der mit den Einbrüchen verbundene Abbau von 15.000 der 135.000 Jobs konzernweit, davon allein rund 6000 Stellen in Deutschland, kostet erst einmal weiteres Geld. Bis zu 1,6 Milliarden Euro plant der Konzern für das Abbauprogramm zurückzustellen, kündigte Faury an. Er ist im Krisenmodus.

Ziel für das zweite Halbjahr 2020 sei es, kein weiteres Geld zu verbrennen, was aber nicht sicher sei. In der ersten Jahreshälfte lag der Cashflow bei rekordverdächtigen minus 12,9 Milliarden Euro. Klar ist, dass es so nicht weitergehen kann. Die Produktion noch stärker drosseln kann Airbus aber auch nicht, weil das einige der rund 3200 Zulieferer in Existenznöte stürzen könnte. “Es sieht so aus, als würde die Lieferkette halten”, sagt Faury für den Moment. Das gelte aber nur, falls keine zweite Infektionswelle den sich gerade langsam wiederbelebenden Flugverkehr erneut abwürgt. Auch so rechnet Airbus damit, dass es Jahre dauert, bis der wieder auf dem Niveau von vor der Krise ist.

US-Flugzeugbauer Boeing ebenfalls mit Milliardenverlust

“Wir befinden uns in einer schwierigen Lage mit unsicheren Zukunftsaussichten”, stellt Faury klar. Eine Prognose für das Gesamtjahr verkneift er sich deshalb. Seine Industrie ist eine von der Pandemie mit am härtesten getroffene Branche. Auch US-Rivale Boeing hat soeben einen Quartalsverlust von rund 2 Milliarden Euro bekannt gegeben. Bei Zulieferern sieht es weltweit ähnlich aus.

Was Airbus derzeit leidlich stützt, sind das Rüstungsgeschäft und die Raumfahrtsparte, obwohl es auch dort wegen der Pandemie Einschränkungen gibt. Dennoch haben beide Sparten geholfen, den Umsatzeinbruch im ersten Halbjahr auf knapp 19 Milliarden Euro zu beschränken. Das ist ein Minus von fast 40 Prozent, wobei die Umsätze allein im zweiten Quartal um mehr als die Hälfte kollabiert sind. Verkraften muss der Konzern zudem auch höhere Zinsen für Staatskredite.

So will er einen seit 16 Jahren schwelenden Subventionsstreit mit Boeing und den USA beenden. Die Welthandelsorganisation WTO hatte deswegen den USA Strafzölle im Umfang von 7,5 Milliarden Dollar erlaubt, was die Regierung von US-Präsident Donald Trump weitgehend ausnutzt. Für Airbus-Flugzeuge wurde eine Einfuhrsteuer von 15 Prozent erlassen, die der Konzern mit seinen Zugeständnissen im Subventionsstreit rasch vom Tisch bekommen will. “Wir wollen den Konflikt endlich beenden”, erklärte Faury.

Von Thomas Magenheim/RND