Montag , 21. September 2020
Die US-Wirtschaft dürfte wegen der Corona-Krise im zweiten Quartal dramatisch eingebrochen sein. Quelle: Lynne Sladky/AP/dpa

US-Wirtschaft in der Corona-Krise: Dramatischer Einbruch erwartet

Die Zahlen der Neuinfektionen und Todesfälle steigen: Die Corona-Pandemie hat die USA weiter fest im Griff. Das hat auch dramatische Auswirkungen auf die Wirtschaft. Experten rechnen für das zweite Quartal mit einem historischen Negativ-Rekord.

Washington. Die US-Wirtschaft dürfte im zweiten Quartal wegen der Corona-Krise dramatisch eingebrochen sein: Die US-Notenbank warnt vor einem historischen Negativrekord. Das genaue Ausmaß wird am Donnerstag (14.30 Uhr MESZ) klar werden, wenn die Regierung die erste Schätzung zum Wachstum im zweiten Vierteljahr bekanntgeben wird. In den ersten drei Monaten des Jahres – also im Wesentlichen vor der Zuspitzung der Pandemie in den USA Ende März – war die Wirtschaft aufs Jahr hochgerechnet bereits um 5 Prozent geschrumpft.

Für das zweite Quartal rechnen Analysten trotz gewaltiger Konjunkturpakete auf das Jahr hochgerechnet mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung von etwa 30 bis 40 Prozent. Nach der in Europa gebräuchlichen Berichtsweise im Quartalsvergleich entspräche das umgerechnet etwa einem Minus zwischen 9 und 12 Prozent.

Trump drängt trotz Corona auf rasche Normalisierung

Notenbankchef Jerome Powell hatte am Mittwoch (Ortszeit) gewarnt, die Daten für die Monate April bis Juni könnten wegen der Pandemie den größten bislang in den USA gemessenen Wirtschaftseinbruch zeigen. Die weitere Entwicklung der größten Volkswirtschaft der Welt sei wegen der Pandemie höchst unsicher. „Der Verlauf der Wirtschaft wird in sehr großem Ausmaß vom Verlauf des Virus abhängen“, sagte Powell. Ohne eine Eindämmung des Virus sei eine vollständige wirtschaftliche Erholung „unwahrscheinlich“, warnte er.

US-Präsident Donald Trumps Regierung hingegen hofft auf eine rasche Erholung der größten Volkswirtschaft der Welt im dritten Quartal. Trump drängt daher trotz Pandemie auf eine rasche Normalisierung des Wirtschaftslebens. Analysten sehen die Hoffnung auf einen schnellen Aufschwung allerdings zumeist skeptischer.

Corona-Pandemie stürzt US-Wirtschaft in schwere Krise

Die Zuspitzung der Coronavirus-Pandemie im März und April hatte die USA in eine schwere Wirtschaftskrise gestürzt. In der zweiten Maihälfte und im Juni gab es bereits Zeichen einer Erholung. Seit Ende Juni hat die Zahl der Neuinfektionen aber wieder dramatisch zugenommen, was zu neuerlichen Einschränkungen des Wirtschaftslebens geführt hat. Die Arbeitslosenquote lag im Juni bei 11,1 Prozent. Vor der Pandemie hatte sie noch bei 3,5 Prozent gelegen.

150.000 Covid-19-Todesfälle

Derzeit werden in den USA täglich rund 60.000 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Betroffen sind vor allem Bundesstaaten im Süden und Westen des Landes, in denen rund ein Drittel der US-Bevölkerung lebt. Insgesamt gibt es Daten der Universität Johns Hopkins zufolge inzwischen 4,4 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 und rund 150.000 damit verbundene Todesfälle.

Der US-Kongress und die Regierung haben seit Beginn der Krise bereits Konjunkturpakete in Höhe von fast drei Billionen US-Dollar beschlossen. Das entspricht mehr als zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Derzeit gibt es im Kongress Verhandlungen über ein weiteres Paket. Die Vorstellungen von Republikanern und Demokraten dazu gehen aber noch weit auseinander.

RND/dpa