Der Sportartikelhersteller Puma muss wegen der Corona-Krise herbe Verluste hinnehmen. Quelle: Daniel Karmann/dpa

Puma: Überleben, stabilisieren, wieder aufstehen

Die Corona-Krise stürzt viele Modehersteller und -händler tief in die Verlustzone – so auch Sportartikelhersteller Puma. Sinkende Umsätze haben auch im zweiten Quartal große Verluste beschert. Die Herzogenauracher dürften damit ein Spiegelbild der gesamten Sportartikelbranche sein.

Björn Gulden blickt auf den Tiefpunkt seiner Managerkarriere zurück. “Das zweite Quartal 2020 war das schwierigste, das ich jemals erlebt habe”, stöhnt der Chef des fränkischen Sportartiklers Puma bei der Vorlage einer Zwischenbilanz. Ein Virus, das 85 Prozent des globalen Sport- und Modegeschäfts lahmlegt, sei eine Erfahrung, die er niemals erwartet habe. Um rund ein Drittel sinkende Umsätze zwischen April und Juni haben die Marke mit der springenden Wildkatze 96 (Vorjahr plus 50) Millionen Euro Quartalsverlust beschert. Was Hoffnung macht, ist der zeitliche Verlauf der Umsatzeinbrüche. Horrormonat war der April mit mehr als einer Halbierung der Erlöse. Im Mai lag das Minus bei 38 Prozent, im Juni nur noch bei sechs Prozent und im Juli erreiche man wieder das Vorjahresniveau.

Puma-Chef: “Die Unsicherheit ist enorm”

Gegen diesen tendenziell positiven Trend steht wegen ständig neuer Infektionsrekorde weltweit die Furcht vor einer zweiten Corona-Welle. “Die Unsicherheit ist enorm”, stellt Gulden klar und wagt deshalb auch keine Prognose für das Gesamtjahr. Ohne eine zweite Welle werde Puma aber eine im Mai mit staatlicher Hilfe gesicherte Kreditlinie über 900 Millionen Euro nicht antasten müssen. Im Mai hatte das noch anders ausgesehen. Wäre es bei halbierten Umsätzen wie im April geblieben, hätte man die Kredite schon ziehen müssen, stellte Gulden klar. Derzeit verfüge man über 437 Millionen Euro liquide Mitteln und insgesamt 1,2 Milliarden Euro ungenutzte Kredite.

2020 sei ein verlorenes Jahr mit speziellen strategischen Prioritäten – überleben, stabilisieren, wieder aufstehen, erklärte der Puma-Chef. Seit Juni arbeite man wieder in der Gewinnzone. Neun von zehn eigenen Läden seien wieder geöffnet, während es im Höhepunkt der Krise nur einer war. Die Kurzarbeit in Deutschland sei beendet. Klarer Gewinner der Pandemie seien Verkäufe per Internet mit verdoppelten Absatzraten. Damit setze Puma jeden zehnten der zum Halbjahr 2,1 Milliarden Euro Erlös nun online um.

Konzern rechnet 2021 wieder mit vorsichtigem Wachstum

Am schlimmsten sei die Lage derzeit in Südamerika, am besten in China, beschreibt der Puma-Chef die uneinheitliche Lage. Positiv sei, dass alle Lieferketten gehalten hätten. Puma habe bei seinen Lieferanten keine Aufträge storniert und werde in Folge der Krise auch keine Produktion nach Europa zurückholen. Um eigene Verkäufe zu stimulieren, musste Puma aber Rabatte gewähren und auch Rückstellungen für zurückgeschickte Waren bilden. Denn die Läden vieler Handelspartner waren wochenlang geschlossen.

“Wir haben uns gut geschlagen”, schätzt Gulden das bisherige Krisenmanagement ein. Für den weiteren Verlauf der Pandemie plane er in drei Szenarien. Das positivste geht von einer Erholung bis Jahresende aus, das mittlere von einer Fortschreibung der aktuellen Lage und das Horrorszenario von einem zweiten Lockdown. Derzeit sehe es so aus, dass 2021 wieder Wachstum möglich sei, weshalb Puma auch ohne Abstriche in die Kollektionen für das nächste Jahr investiere.

Eine positive Folge der Pandemie könne sein, dass danach Gesundheit und Sport wohl noch höher als davor geschätzt würden, meint der Puma-Chef. “Immer mehr Leute haben bereits jetzt damit begonnen, mehr Sport zu treiben”, stellt er fest. Das beflügle die grundsätzlichen Perspektiven. Für den Augenblick bleibt Puma aber vorsichtig.

Von Thomas Magenheim/RND