Donnerstag , 24. September 2020
Nachdem bekannt wurde, dass VW-interne Gespräche mitgeschnitten wurden, prüft der Konzern strafrechtliche Schritte. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/

VW prüft Strafanzeige: Wurden auch Prevent-Gespräche abgehört?

Nachdem bekannt wurde, dass VW-interne Gespräche mitgeschnitten wurden, prüft der Konzern nun strafrechtliche Schritte. Angeblich sind auch Gespräche zwischen VW und Prevent mitgeschnitten worden. Prevent teilt mit, nichts mit der Entstehung der Aufnahmen zu tun zu haben.

Wolfsburg. Der Volkswagen-Konzern erwägt in der Abhöraffäre um den langjährigen Streit mit dem ehemaligen Lieferanten Prevent strafrechtliche Schritte. „Eine Strafanzeige wird geprüft“, teilte ein Sprecher des Konzerns am Mittwoch in Wolfsburg mit. Am Wochenende war bekannt geworden, dass VW-interne Gespräche einer Arbeitsgruppe 2017 und 2018 mitgeschnitten wurden, in denen es um den Umgang mit der streitbaren Zuliefergruppe ging. „Volkswagen wurde Opfer einer illegalen Abhör-Attacke“, hieß es vom Konzern. VW kündigte nach mehreren Lieferstopps Anfang 2018 die Vertragsbeziehungen mit der Gruppe, seitdem befehden sich die Unternehmen vor Gericht.

VW hält Mitschnitte für illegal

Derweil weitet sich die Spitzelaffäre offenbar aus. Wie das Online-Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ berichtete, soll in der fraglichen Zeit auch ein Gespräch zwischen VW und dem Zulieferer Prevent mitgeschnitten worden sein. Darin habe VW im April 2017 zugesagt, weiter zu den Verträgen zu stehen und die Hoffnung geäußert, dass auch Prevent sich daran halte.

„Business Insider“ liegen nach eigenen Angaben rund 50 Stunden Audiomitschnitte von 35 Gelegenheiten vor. VW hält die Mitschnitte für illegal und sucht bisher intern nach dem Unbekannten.

Das Unternehmen bestätigte das Treffen im April 2017. „Das Gespräch stand im Zusammenhang mit der Geschäftsbeziehung zur Prevent Gesellschaft TWB“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. „Dieses und alle Gespräche mit der Prevent-Gruppe standen zu jenem Zeitpunkt noch unter dem Eindruck des rechtswidrigen Lieferstopps 2016.“

Von einem Prevent-Sprecher hieß es, den Inhalt des Treffens könne die Gruppe heute nicht mehr nachvollziehen, weil der teilnehmende Mitarbeiter nicht mehr bei Prevent sei. Wie bereits angekündigt prüfe Prevent rechtliche Schritte gegen VW. Die Gruppe hatte auch mitgeteilt, keine Kenntnis von den Aufnahmen zu haben und an ihrer Entstehung nicht beteiligt gewesen zu sein.

RND/dpa