Mittwoch , 23. September 2020
Die Frist für die Steuererklärung rückt näher: Wer die Formulare ohne Hilfe eines Steuerberaters ausfüllt, muss sie bis zum 31. Juli beim Finanzamt eingereicht haben.

Steuererklärung 2019: Das müssen Sie zur Abgabe wissen

Die Frist zur Abgabe der Steuererklärung für das Jahr 2019 läuft Ende Juli ab – sofern man sich nicht die Unterstützung von Steuerprofis holt. Wer die Frist versäumt, kann nur unter bestimmten Umständen auf eine Verlängerung hoffen. Wichtige Infos zur Abgabe in der Übersicht.

Für viele ist sie ein leidiges Thema, für zahlreiche Menschen ist sie zudem lästige Pflicht: Die Steuererklärung muss in wenigen Tagen beim zuständigen Finanzamt liegen. Was passiert, wenn man die Frist versäumt, wer überhaupt Unterlagen abgeben muss und wie man die Steuererklärung einreicht: Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Frist für Steuererklärung 2019: Wann müssen die Formulare abgegeben werden?

Wer seine Steuererklärung ohne Steuerberater macht, muss spätestens am 31. Juli 2020 die ausgefüllten Formulare für das Jahr 2019 beim Finanzamt abgegeben haben. Bearbeitet ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein die Unterlagen, hat man etwas länger Zeit: bis zum 28. Februar 2021. Da dieser Tag ein Sonntag ist, muss die vom Experten gemachte Steuererklärung erst am 1. März 2021 abgegeben werden.

Ist eine Verlängerung der Frist möglich?

Um eine Fristverlängerung können Steuerpflichtige schriftlich bitten – allerdings sei dies seit 2019 durch eine Gesetzesänderung schwieriger geworden, erklärt die Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH). In der Regel verlängern die Finanzbeamten laut VLH nur in Ausnahmefällen die Frist, wenn Steuerpflichtige die Abgabe ohne eigenes Verschulden versäumt haben. Stimme das Finanzamt einer Fristverlängerung zu, erhalte der Steuerpflichtige einen neuen Termin zur Abgabe der Steuererklärung – der unbedingt eingehalten werden sollte.

Was passiert, wenn die Steuererklärung zu spät abgegeben wird?

Wer den Stichtag versäumt, dem drohen Sanktionen. Wer zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet sei und sie nicht innerhalb von 14 Monaten nach Ablauf des Besteuerungsjahres abgebe, für den werde ein Verspätungszuschlag festgesetzt, teilt die Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) mit. Dieser sei seit 2019 gesetzlich festgelegt und betrage 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer, mindestens aber 25 Euro pro verspätetem Monat. Maximal werden 25.000 Euro Verspätungszuschlag fällig. Ein weiteres Mittel des Finanzamts sei das Zwangsgeld.

In der Regel erhalte der Abgabepflichtige zuerst eine Zwangsgeldandrohung per Post mit einer letzten Frist zur Abgabe der Steuererklärung. Erfolge die Abgabe innerhalb dieser Frist, werde das Zwangsgeld nicht festgesetzt. Sei die Steuererklärung auch nach Erhebung des Zwangsgeldes nicht abgegeben worden, schätze das Finanzamt die Besteuerungsgrundlage des Steuerpflichtigen und erlasse einen entsprechenden Steuerbescheid. In der Regel schätze das Finanzamt dabei eher zuungunsten des Steuerpflichtigen.

Wer muss eine Steuererklärung abgeben?

Nicht jeder ist automatisch verpflichtet, die Formulare des Finanzamtes auszufüllen. Arbeitnehmer, die außer ihrem Arbeitslohn nur geringe andere Einnahmen haben, können von der Abgabepflicht befreit sein, erklärt der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Viele Arbeitnehmer seien allerdings verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Das sei zum Beispiel der Fall, wenn neben dem Gehalt weitere steuerpflichtige Einkünfte von mehr als 410 Euro im Jahr erzielt oder steuerfreie Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld I oder Krankengeld von mehr als 410 Euro bezogen worden seien.

Ehegatten und eingetragene Lebenspartner müssen laut BVL immer dann eine Steuererklärung abgeben, wenn einer der beiden Partner nach der Steuerklasse V oder VI besteuert wurde oder wenn beide Ehepartner die Steuerklasse IV mit Faktor gewählt haben. Auch wenn Arbeitnehmer von einem weiteren Arbeitgeber Lohn nach der Steuerklasse VI bezogen oder sich einen Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eintragen ließen, ist die Abgabe einer Steuererklärung Pflicht, so der BVL.

Sind Rentner zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet?

Unter Umständen müssen auch Rentner eine Steuererklärung abgeben. Wer im Jahr 2019 steuerpflichtige Einkünfte über dem festgelegten Grundfreibetrag bezogen hat, muss bis zum 31. Juli dieses Jahres eine Einkommenssteuererklärung abgeben. Der allgemeine Grundfreibetrag für Rentner ändert sich jedoch jedes Jahr. Für das Veranlagungsjahr 2019 liegt er laut Bundesfinanzministerium bei 9168 Euro beziehungsweise 18.336 Euro für Ehepaare.

Kann man freiwillig eine Steuererklärung abgeben?

Wer nicht zur Abgabe verpflichtet ist, kann dennoch Unterlagen beim Finanzamt einreichen. Dafür gibt es sogar längere Fristen: Für eine freiwillige Einreichung hat man vier Jahre lang Zeit. Für das Steuerjahr 2019 endet die Frist zur Antragsveranlagung laut Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine demnach am 31. Dezember 2023.

Warum sollte man eine Steuererklärung machen?

Arbeitsweg, Umzug, Fortbildungen: Gerade für viele Arbeitnehmer lohnt es sich, eine Steuererklärung abzugeben. Denn dadurch lässt sich mitunter viel Geld vom Finanzamt zurückholen. So lassen sich etwa Kosten für Arbeitsmittel oder Kinderbetreuung von der Steuer absetzen. Doch nicht nur für Beschäftigte ist eine Steuererklärung interessant, auch Studenten oder Azubis sollten sich mit ihr befassen.

Wohin muss die Steuererklärung geschickt werden?

Die Unterlagen müssen an das Finanzamt geschickt werden, das örtlich für einen zuständig ist. Es gilt also: Wo man wohnt, gibt man seine Steuererklärung ab. Hat man mehr als einen Wohnsitz, ist die Adresse entscheidend, an der man sich vorwiegend aufhält. Wer nicht weiß, in welchem Finanzamtsbezirk er wohnt, kann sich Hilfe beim Bundeszentralamt für Steuern holen, das auf seiner Website eine Suchfunktion anbietet.

Wie kann die Steuererklärung abgegeben werden?

Privatpersonen haben die Möglichkeit, die Steuererklärung in Papierform auszufüllen oder elektronisch abzugeben. Allerdings ist die elektronische Übermittlung bei der Einkommenssteuererklärung dann Pflicht, wenn Gewinneinkünfte erzielt werden, also Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb oder selbstständiger Arbeit.

Steuererklärung online abgeben: Welche Programme helfen?

Wer seine Steuererklärung elektronisch ans Finanzamt übermitteln möchte, kann das über Elster machen, das Portal der Finanzämter. Hier können die Formulare online ausgefüllt werden, zudem übernimmt Elster Daten aus dem Vorjahr und Nutzer können ihre Belege von Rentenzahlstellen, Krankenkassen, Arbeitgebern und Co. einspielen. Wer lieber Tipps und Hilfestellungen nutzen möchte, kann ein Computerprogramm nutzen, eine Browseranwendung oder eine App.

Kann das Homeoffice von der Steuer abgesetzt werden?

Das Finanzamt akzeptiert nur unter bestimmten Voraussetzungen ein Homeofficebüro. Das Einkommenssteuergesetz besagt, dass es sich hierbei um einen separaten Raum handeln muss, der zu 90 Prozent beruflich genutzt wird. Dieser sollte zur eigenen Privatwohnung gehören und entsprechend auch als Büro ausgestattet sein. Durch die Corona-Pandemie arbeiten in diesem Jahr aber viele Menschen in den eigenen vier Wänden – damit sie Kosten in der kommenden Steuererklärung für das Jahr 2020 absetzen können, sollten sie einige Dinge beachten, etwa Homeofficeanordnungen des Arbeitgebers dokumentieren oder Belege wegen der Werbungskosten sammeln.

Welche Besonderheiten gibt es durch die Corona-Pandemie?

Für die Steuererklärung 2019 hat die Corona-Pandemie noch keine Auswirkungen, für die Steuererklärung 2020, die im kommenden Jahr abgegeben werden muss, könnte das anders sein. Wer etwa aufgrund der Corona-Krise in Kurzarbeit ist, sollte daran denken, dass das Kurzarbeitergeld quasi durch die Hintertür versteuert wird: Es unterliegt dem Progressionsvorbehalt, was bedeutet, dass das erhaltene Kurzarbeitergeld den persönlichen Steuersatz erhöht, mit dem das restliche Einkommen versteuert werden muss. Das Kurzarbeitergeld wird für die Steuerberechnung am Jahresende zum Einkommen addiert. Wer Kurzarbeitergeld von mehr als 410 Euro im Jahr erhalten hat, ist zudem verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Doch nicht nur die staatliche Unterstützung ist bereits Thema, es wird auch diskutiert, ob Mund-Nasen-Masken von der Steuer abgesetzt werden können.

RND/jmf mit dpa