Samstag , 19. September 2020
Die Arbeitszeit der Beschäftigten in der Verwaltung und den sogenannten produktionsnahen Bereichen soll in Deutschland von Oktober an um zwei Stunden pro Woche gekürzt werden. Nicht von der Kürzung betroffen ist die Produktion. Quelle: Marijan Murat/dpa

Daimler: Keine Prämien, aber viele Jobs sind gesichert

Beschäftige des Autobauers Daimler können zumindest teilweise aufatmen: Auch wenn die Corona-Krise finanzielle Einbußen mit sich gebracht hat, können die Mitarbeiter ihre Jobs behalten. Für sämtliche Beschäftigte in Verwaltung und Produktion fällt jedoch die Prämie weg. Außerdem soll die Arbeitszeit reduziert werden.

Stuttgart. Auch für die Beschäftigten des Autobauers Daimler bringt die Corona-Krise nun finanzielle Einbußen mit sich – im Gegenzug bleiben aber ihre Jobs gesichert. Unternehmensleitung und Gesamtbetriebsrat hätten sich auf Eckpunkte zur Reduzierung der Personalkosten und zur Beschäftigungssicherung geeinigt, teilte Daimler am Dienstag mit. Wesentliche Punkte: Die Arbeitszeit wird reduziert, die Prämie gestrichen und das sogenannte tarifliche Zusatzgeld automatisch in freie Tage umgewandelt.

Arbeitszeit um zwei Sunden pro Woche gekürzt – außer in der Produktion

Der Konzern reagiere damit auf die deutliche Verschärfung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch die Corona-Pandemie. Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht sprach von einem „deutlichen Beitrag zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilisierung unserer Finanzlage“. Niemand solle sich in seiner Existenz bedroht fühlen. „Mehr noch: Beschäftigung bei Daimler bleibt bis 2030 gesichert, und betriebsbedingte Kündigungen bleiben ausgeschlossen“, sagte Brecht.

Im Detail soll die Arbeitszeit der Beschäftigten in der Verwaltung und den sogenannten produktionsnahen Bereichen – zum Beispiel in der Logistik – in Deutschland von Oktober an in der Regel um zwei Stunden pro Woche gekürzt werden, für ein Jahr und ohne Lohnausgleich. Die Produktion bleibt hier außen vor.

Tarifliches Zusatzgeld entfällt auch 2021

Für sämtliche Beschäftigte in Verwaltung und Produktion fällt zudem die Prämie für das Jahr 2020 weg. Die sogenannte Ergebnisbeteiligung wird stets im Frühjahr für das zurückliegende Jahr ausgezahlt. Wegen des schwachen Ergebnisses 2019 war sie in diesem Jahr allerdings schon deutlich niedriger ausgefallen als in den Vorjahren.

Das sogenannte Tarifliche Zusatzgeld, das einmal im Jahr gezahlt wird, gibt es 2021 ebenfalls nicht – es wird für alle verpflichtend in bezahlte Freistellungstage umgewandelt. Normalerweise können die Beschäftigten zwischen den Varianten wählen.

Fast ein Drittel weniger Umsatz in der Corona-Krise

Die Corona-Krise sorgt derzeit für tiefrote Zahlen bei Daimler und zwingt den Autobauer damit zur Verschärfung seines Sparkurses. Im zweiten Quartal fuhr der Konzern rund zwei Milliarden Euro Verlust ein. Weil weltweit Fabriken still standen, Autohäuser schließen mussten und auch viele andere Unternehmen nicht arbeiten und somit auch keine Lastwagen kaufen konnten, knickten die Absatzzahlen ein. Fast ein Drittel des Umsatzes brach weg.

Personalvorstand Wilfried Porth dankte den Mitarbeitern für ihren Beitrag in der Krise. „Darüber hinaus gilt es, weiterhin miteinander die langfristigen strukturellen Themen anzupacken und zu lösen“, sagte er. „Nur so kommen wir gestärkt und sicher aus der Krise und sichern damit die Zukunft des Unternehmens und der Arbeitsplätze.“

Sparplan wird weiter verschärft

Vorstandschef Ola Källenius hatte zuletzt betont, dass sein im vergangenen Herbst vorgelegter Sparplan angesichts der Corona-Krise verschärft werden müsse. Was den Abbau von Arbeitsplätzen angeht, verwies der Konzern am Dienstag auf eine bereits bestehende Vereinbarung mit dem Betriebsrat, die im Wesentlichen auf die natürliche Fluktuation, auf Altersteilzeitangebote und ein inzwischen gestartetes Abfindungsprogramm setzt.

Eine konkrete Zahl hatte Daimler nie genannt und nannte auch am Dienstag keine. Kolportiert worden waren zunächst Größenordnungen von 10.000 bis 15.000 Stellen, die abgebaut werden sollten. Porth hatte dann jedoch angekündigt, dass das angesichts von Corona nicht reichen werde. Zuletzt hatten dann Berichte über 20.000 bis hin zu 30.000 Stellen die Runde gemacht.

RND/dpa