Mittwoch , 30. September 2020
Was tun, wenn man in der Corona-Krise den Job verliert? (Symbolbild) Quelle: Christin Klose/dpa-tmn

Wegen Corona gekündigt: Das müssen Arbeitslose wissen

Immer mehr Menschen melden sich wegen der Corona-Pandemie arbeitslos. Sie treffen auf einen lahmenden Arbeitsmarkt – und Jobcenter, die im Krisenmodus sind. Umso wichtiger ist es, die Abläufe zu kennen. Eine Übersicht.

“Es melden sich viele, die wegen Corona eine Kündigung bekommen haben”, sagt Inge Hannemann. Deutschlands bekannteste Hartz-IV-Kritikerin hat einst selbst als Stellenvermittlerin im Jobcenter gearbeitet. Jetzt berät sie Menschen, die wegen Arbeitslosigkeit staatliche Unterstützung brauchen. Und deren Zahl steigt langsam, aber stetig: Im Vergleich zum Vorjahr hat die Arbeitslosenquote in Deutschland um 1,3 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent zugelegt. Und wer nun seinen Job verliert, trifft im Regelfall auf Jobcenter und Arbeitsagenturen, die noch im Corona-Modus sind. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Kann man wieder zur Arbeitsagentur?

“Mit persönlichen Gesprächen fangen wir in kleinen Schritten wieder an”, sagt Christian Weinert, Sprecher bei der Bundesagentur für Arbeit. Termine im Jobcenter oder bei den Arbeitsagenturen gebe es derzeit nur nach vorheriger Vereinbarung. Und das ist derzeit eher die Ausnahme als die Regel, denn seit März gilt, dass die meisten Angelegenheiten per Telefon oder im Internet geklärt werden müssen. “Am Telefon beantworten wir einzelne Fragen zu Anträgen, führen aber auch ganze Beratungsgespräche durch”, erklärt Weinert.

Wie meldet man sich arbeitslos?

Grundsätzlich hat sich an der Vorgehensweise für Betroffene hingegen wenig geändert: Bei einem Verlust des Jobs müssen sich Betroffene so schnell wie möglich bei der Bundesagentur für Arbeit “arbeitssuchend” melden – was sowohl per Telefon als auch ziemlich unkompliziert über die Webseite der Bundesagentur für Arbeit erfolgen kann. “Im nächsten Schritt werden die Antragsunterlagen zur Verfügung gestellt, offene Fragen können dann telefonisch geklärt werden”, so Weinert. Auch gebe es mittlerweile die Möglichkeit, ganze Anträge auf Arbeitslosengeld und Grundsicherung online einzureichen.

Was hat sich wegen Corona geändert?

Das früher obligatorische persönliche Gespräch entfalle momentan hingegen, betont der Bundesagentur-Sprecher. Es ist nur eine von mehreren Regelungen, die angesichts der Pandemie und der heraufziehenden Wirtschaftskrise die Inanspruchnahme von Sozialleistungen erleichtern soll: Auch der Bezug von Arbeitslosengeld 1 wird automatisch um drei Monate verlängert, wenn der Anspruchen zwischen Mai und Dezember 2020 ausläuft. Und bei Anträgen auf die oft Hartz IV genannte Grundsicherung entfallen derzeit in vielen Fällen Vermögensprüfungen sowie teilweise die sonst übliche Begrenzung der maximalen Unterkunftskosten, die das Jobcenter übernimmt.

Wie lange bekommt man Arbeitslosengeld?

Arbeitslosengeld steht dabei jenen zu, die in den 30 Monaten vor der Arbeitslosmeldung zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt waren. Arbeitslose bekommen 60 – wenn Kinder vorhanden sind 67 – Prozent des durchschnittlichen Nettogehalts des vorigen Jobs für maximal ein Jahr. Wenn das 50. Lebensjahr überschritten ist, erhöht sich die Bezugsdauer auf zwei Jahre. Wer keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, bekommt im Regelfall die Grundsicherung. Das gilt auch für Menschen mit geringem Einkommen, die so aufstocken können.

Was tun bei Problemen mit dem Jobcenter?

Zuständig für die Grundsicherung sind die Jobcenter – welche Hartz-IV-Kritikerinnen wie Hannemann schon lange die größeren Sorgen bereiten. Seit Beginn der Pandemie sei der Druck auf Grundsicherungsbezieher allerdings vergleichsweise gering, sagt Hannemann. Trotzdem berichtet sie von einer zuletzt wieder steigenden Zahl an Hilfesuchenden. Zwei ihr zufolge häufige Gründe: fehlerhafte Leistungsbescheide und Eingliederungsvereinbarungen, die unzulässigerweise ohne vorherige ausführliche Besprechung mit den Betroffenen aufgesetzt wurden. Bei Konflikten rät Hannemann Betroffenen, Kontakt zu unabhängigen Beratungseinrichtungen aufzunehmen, wie es sie in vielen Regionen gibt. Auch sei es wichtig, im Vorfeld von Terminen gut vorbereitet zu sein – und bei Streitfällen womöglich mitsamt eines Beistands zum Termin zu erscheinen.

Wie findet man Stellen?

Auch während der Pandemie gibt es bei den Arbeitsagenturen Jobangebote: “Uns werden weiterhin Stellen gemeldet, auch wenn es weniger als im Vorjahr sind”, sagt Christian Weinert, Sprecher der Bundesagentur für Arbeit. Er betont, dass die Arbeitsagenturen auch weiterhin Vermittlungsvorschläge machen. Jobcenter-Kritikerin Inge Hannemann rät dazu, sich parallel auf einschlägigen großen Jobbörsen im Netz umzusehen und private Netzwerke zu aktivieren. “Jeder dritte Job wird so vermittelt”, sagt Hannemann.

Lohnt sich eine Weiterbildung?

“Im Moment ist eine besonders günstige Zeit für Weiterbildungen”, meint außerdem Lars Hahn, Geschäftsführer bei der LVQ Weiterbildung GmbH. Viele Anbieter würden mittlerweile massiv auf E-Learning setzen. Für Interessenten hat das den Vorteil, dass sie ohne aufwendige Fahrerei Angebote im ganzen Bundesgebiet wahrnehmen können. Zugleich nehme die Qualität bei digitalen Angeboten zu, längst gebe es echte Videoseminare mit Gruppenarbeitsphasen und sogar virtuellen Pausenräumen zum sozialen Miteinander. Hahn rät allerdings dazu, sich Anbieter und ihre Kundenbewertungen im Netz gründlich anzusehen.

Von Christoph Höland/RND