Donnerstag , 29. Oktober 2020
Schaffnerinnen und Schaffner tragen eine Maske - aber was ist mit den Fahrgästen? Quelle: imago images/Future Image

Maskenpflicht: Die Bahn muss ihre Kunden besser schützen

Die Bahn tut sich bei der Durchsetzung der Maskenpflicht schwer. Dabei zeigen andere Bahn-Unternehmen, dass es auch anders geht. Unser Autor Christoph Höland, selbst Berufspendler, fragt sich mittlerweile, warum die Bahn so zögerlich ist.

Da sitzt sie vor mir, die sympathische ältere Dame, die wie ich mit dem ICE unterwegs ist. Sie lächelt – was ich nur erkennen kann, weil ihr Mund-Nasen-Schutz lässig unter dem Kinn baumelt. So wie bei einigen anderen Fahrgästen, die im Gegensatz zur überwältigenden Mehrheit ihrer Mitreisenden die Maskenpflicht der Deutschen Bahn lediglich für eine lockere Empfehlung halten.

Dafür trägt die Bahn eine Mitverantwortung: Jeder Autofahrer weiß, dass ihm ein Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung eine Geldbuße oder Punkte in Flensburg einbringen kann. Bei der Maskenpflicht in Zügen ist das anders: Ein Verstoß dagegen kann von der Bahn nicht sanktioniert werden, wie das Unternehmen seit Monaten betont. Die Maskenpflicht sei eine behördliche Regel, die nur von Behörden durchgesetzt werden könne, heißt es dann.

Die Österreichischen Bundesbahnen machen es anders

Das Argument wird täglich schwächer: Längst haben Nahverkehrsbetreiber und ausländische Bahnunternehmen Bußgelder in ihre Beförderungsbedingungen aufgenommen. Wer ohne Maske erwischt wird, kann dort von Schaffnern und Kontrolleuren zur Kasse gebeten werden. Das erhöht den Druck auf Maskenverweigerer, die es in Deutschland bislang schlimmstenfalls beim nächsten Halt mit der Polizei zu tun bekommen. Und das oft genug nur, wenn sie besonders renitent sind. Denn fast jeder Polizeieinsatz in einem Zug brockt diesem auch eine Verspätung ein.

Trotzdem verzichtet die Bahn auf mögliche Geldbußen, setzt lieber auf “Präventionsteams” und verteilt kostenlose Masken – als ob es den Fahrgästen vier Monate nach Beginn der Pandemie noch an denen mangeln würde. Über eine mögliche Änderung der Beförderungsbedingungen verliert die Bahn hingegen bis heute kein Wort.

Das ist enttäuschend für Fahrgäste, die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus haben. Denn eine Mund-Nasen-Bedeckung ist – das beweisen immer mehr Studien – der wohl einfachste Weg zu verhindern, dass sich Menschen gegenseitig anstecken. Umso verwunderlicher ist es, dass die Bahn nicht alles menschenmögliche unternimmt, um der Maskenpflicht in ihren Zügen mehr Geltung zu verschaffen.

Von Christoph Höland/RND