Montag , 26. Oktober 2020
Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek. Quelle: Wirecard

Wirecard-Skandal: Ist Ex-Manager Jan Marsalek in Russland untergetaucht?

Der ehemalige Wirecard-Vorstand Jan Marsalek befindet sich seit Wochen auf der Flucht. Doch wo ist er untergetaucht? Eine neue Spur führt in die Nähe von Moskau – wo Marsalek mit viel Geld ausgestattet sein soll.

Wo steckt Jan Marsalek? Der ehemalige Wirecard-Vorstand ist seit Wochen untergetaucht. Seine Spur könnte nach Russland führen. Genauer gesagt: auf ein Anwesen westlich von Moskau. Wie das “Handelsblatt” unter Berufung auf Unternehmer-, Justiz- und Diplomatenkreise berichtet, habe der russische Militärgeheimdienst GRU den flüchtigen Manager dort untergebracht. Zuvor habe Marsalek erhebliche Summen in Form von Bitcoins aus Dubai nach Russland geschafft.

Bislang war vermutet worden, dass Marsalek eher in Asien untergetaucht sei. Für das dortige Geschäft war er auch in seiner Funktion als Wirecard-Vorstand zuständig. Doch wie das “Handelsblatt” unter Berufung auf die Investigativplattform “Bellingcat” berichtet, lief die Flucht so ab: Noch am Tag seiner Freistellung bei Wirecard, dem 18. Juni, sei Marsalek von Klagenfurt über die estnische Hauptstadt Tallinn ins weißrussische Minsk geflogen. Wegen der politische Spannungen mit Russland sei es dem GRU zu riskant gewesen, Marsalek dort zu lassen. Deshalb habe man ihn lieber nach Russland geholt.

Marsalek-Flucht: Ex-Manager kam in Minsk an

Auch das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” hatte am Wochenende berichtet, der Ex-Wirecard-Vorstand habe sich nach Weißrussland abgesetzt. Im russischen Ein- und Ausreiseregister befinde sich ein Eintrag, dass Marsalek über den Flughafen Minsk ins Land kam. Eine Wiederausreise sei bisher nicht vermerkt. Laut “Spiegel” nährten neuere Erkenntnisse die These, dass Marsalek mit russischen Geheimdiensten kooperiert oder für sie gearbeitet habe. Marsalek selbst rühmte sich seit Jahren seiner Kontakte zu Geheimdiensten.

Doch der Kreml weiß nach eigenen Angaben von nichts. “Nein, es ist nichts bekannt”, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag zum Handelnsblatt-Bericht. Die Nachrichtenagentur Interfax meldete, Marsalek werde von den russischen Behörden nicht verfolgt. Demnach gibt es weder ein Strafverfahren gegen den Manager in Russland noch eine Auslieferungsanfrage. Russland habe auch keine Erkenntnisse über seinen Aufenthaltsort.

Der 40-Jährige steht im Zentrum des Wirecard-Skandals. Der Zahlungsdienstleister musste im Juni eingestehen, dass in seiner Jahresbilanz 1,9 Milliarden Euro fehlen – und das Geld vermutlich überhaupt nicht existiert. Der Börsenkurs des Dax-Konzerns stürzte ab, Wirecard meldete Insolvenz an. Und Jan Marsalek tauchte unter – bis heute.

Der 1980 geborene Marsalek ist die Schlüsselfigur der Affäre. Bis der Manager im Juni fristlos gefeuert wurde, war er bei Wirecard weltweit für das Tagesgeschäft zuständig. Er war ursprünglich auf den Philippinen vermutet worden, laut philippinischer Regierung ist er dort verheiratet – wovon den Kollegen in der Aschheimer Konzernzentrale nichts bekannt war. Später hatte die Regierung in Manila eingeräumt, dass die Daten zu Ein- und Ausreise im Computersystem der nationalen Einwanderungsbehörde gefälscht waren. Marsalek soll nach verschiedenen – sämtlich unbestätigten – Medienberichten Kontakte zu russischen Geheimdiensten haben.

Von deutscher oder österreichischer Seite gab es am Montag keinerlei offizielle Angaben zu Marsaleks Aufenthaltsort. In der Bundespressekonferenz erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amts lediglich, man habe die Medienberichte zur Kenntnis genommen und äußere sich nicht zu Spekulationen oder laufenden Ermittlungen.

RND/fh