Mittwoch , 30. September 2020
Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek. Quelle: Wirecard

Wo ist Jan Marsalek? Spur führt wohl nach Weißrussland

Seit seiner Entlassung wird er gesucht, um Antworten zu bekommen: Jan Marsalek. Der ehemalige Wirecard-Vorstand wird nun in Weißrussland vermutet. Bereits wenige Stunden nach seiner Freistellung soll sich der Österreicher auf den Weg gemacht haben.

Er gilt als eine der Schlüsselfiguren im Wirecard-Skandal: der Österreicher Jan Marsalek. Der Ex-Vizechef des Zahlungsdienstleisters ist seit dem Tag seiner Freistellung am 18. Juni untergetaucht. Über seinen Anwalt hatte er ausrichten lassen, nicht mit der Justiz zu kooperieren. Marsalek führte die operativen Geschäfte des Unternehmens und könnte vermutlich maßgeblich über die Unregelmäßigkeiten im Konzern aufklären. Doch es fehlt jede Spur – zumindest bis jetzt.

Denn der Manager könnte sich in Weißrussland aufhalten. Darüber berichtet der “Spiegel” in Kooperation mit den Investigativplattformen Bellingcat, The Insider und dem McClatchy Report. Im russischen Ein- und Ausreiseregister, das auch Weißrussland umfasst, sei für Marsalek eine Eintragung zu finden. Und das nur wenige Stunden nach seiner Freistellung. Der Wiener hätte dafür wohl einen der Reisepässe benutzt, den er bereits zuvor bei Reisen verwendet haben soll. Eine Wiederausreise aus Weißrussland sei jedoch nicht vermerkt. Deshalb könnte sich der ehemalige Wirecard-Vorstand noch in Weißrussland aufhalten.

So weit die Vermutung.

Marsaleks Spur führte zunächst nach Asien. Nach Daten der philippinischen Einwanderungsbehörde reiste er über das südostasiatische Land am 24. Juni weiter nach China. Auf den Philippinen sei er auf der Suche nach den verschwundenen Wirecard-Milliarden gewesen. Später stellte sich jedoch heraus, dass die Einreisedaten gefälscht gewesen sein sollen, um eine falsche Spur zu legen.

Wirecard hatte im Juni eingeräumt, dass 1,9 Milliarden Euro auf asiatischen Treuhandkonten verbuchte Firmengelder sehr wahrscheinlich nicht existieren – und hatte daraufhin Insolvenz angemeldet. Die mutmaßlichen Bilanzmanipulationen blieben über Jahre unentdeckt. Wirecard wickelt bargeldlose Zahlungen für Händler ab – an Ladenkassen wie online.

Wie genau Marsalek, dem Kontakte ins Geheimdienstmilieu nachgesagt werden, nach Weißrussland reiste, ist nicht bekannt. Das “Handelsblatt” veröffentlichte in dieser Woche Kurznachrichten, die der Wiener an einen Vertrauten geschickt haben soll. Auf die Frage, ob sein Aufenthaltsort politisch stabil sei, soll er geantwortet haben: “Ja, sind immer noch dieselben Leute am Ruder wie vor 25 Jahren.” Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko ist seit Juli 1994 im Amt. Doch auch für diese Chatprotokolle gibt es keine Bestätigung.

RND/ka