Freitag , 23. Oktober 2020
China hat trotz globalem Ausnahmezustand wieder – wie schon bei der Finanzkrise vor zehn Jahren – die Rolle der Lokomotive übernommen, die die globale Konjunktur wieder in Schwung bringt. Quelle: Ole Spata/dpa

Wo wäre die Weltwirtschaft ohne China?

In der globalen Corona-Pandemie hält China die Wirtschaft am Laufen. Und dadurch ebenso die Machtansprüche der Volksrepublik. Die Abhängikeit muss verringert werden und die die EU-Nachbarschaft gestärkt. Ein Kommentar von Frank-Thomas Wenzel.

Hannover. In der Euro-Zone bricht in diesem Jahr das Bruttoinlandsprodukt massiv ein. Die Lage in den USA ist katastrophal. Eine Strategie gegen die steigende Zahl der Corona-Infizierten ist nicht zu erkennen. Niemand weiß, welche wüsten Vorstöße von Präsident Donald Trump als Nächstes kommen. Und in einst hoffnungsvollen “Schwellenländern” wie Brasilien und Indien ist die Pandemie völlig außer Kontrolle, mit noch nicht absehbaren Auswirkungen für die Wirtschaft.

China, die Lokomotive in Krisen-Zeiten

China hingegen hat wieder – wie schon bei der Finanzkrise vor zehn Jahren – die Rolle der Lokomotive übernommen, die die globale Konjunktur wieder in Schwung bringt. Die Wirtschaft wächst und damit die Nachfrage auch nach Autos, Maschinen und Anlagen aus Deutschland.

Viele hiesige Unternehmen sind vom Reich der Mitte längst abhängig: Nicht auszudenken, was beispielsweise mit dem Volkswagen-Konzern passieren würde, wenn die kommunistische Regierung wegen politischer Verwerfungen Sanktionen verhängt, die auch das Wolfsburger Unternehmen schwer treffen. Die Bundesregierung protestiert bei der Abschaffung des Rechtsstaats Hongkong bestenfalls kleinlaut.

Abhängigkeit von China verringern

Natürlich spielt da die Angst vor Repressionen gegen deutsche Unternehmen mit. Das wird künftig nicht leichter werden. Chinas globale Machtansprüche und sein Expansionsdrang werden wachsen. Die Schlussfolgerung kann nur sein, dass die ökonomische Abhängigkeit von der Volksrepublik verringert werden muss. Ein enorm schweres Unterfangen. Was aber umso mehr bedeutet, die Sache jetzt konsequent anzugehen. Die deutsche Export-Wirtschaft muss ihre Kundschaft diversifizieren.

Und da fängt man am besten vor der eigenen Haustür an. Bei den EU-Nachbarn. Die Nachfrage nach Autos, Maschinen und Anlagen aus Italien, Spanien oder Frankreich muss dringend gestärkt werden. Auch deshalb sind die geplanten Hilfsprogramme der EU von entscheidender Bedeutung für den künftigen Wohlstand in Deutschland.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND