Samstag , 26. September 2020
Das Alter in der Sonne verbringen und zusätzlich Steuern sparen - das ist die griechische Vision, zahlungskräftige Pensionäre ins Land zu holen. Quelle: Reisereporter

Griechenland will zahlungskräftige Rentner mit Steuer-Flatrate locken

Um die heimische Wirtschaft anzukurbeln, will Griechenland zahlungskräftige Pensionäre ins Land locken. Eine Steuer-Flatrate soll sie dazu bewegen, dauerhaft in Griechenland zu wohnen und ihr Geld im beliebten Urlaubsland auszugeben. Doch auch mit seinem erfolgreichen Corona-Management will das Land punkten.

Als attraktives Urlaubsland erfreut sich Griechenland mit seinen weißen Stränden, leckerem Essen und seiner Gastfreundlichkeit schon lange großer Beliebtheit. Auch viele Rentner zieht es für eine Auszeit ans Mittelmeer. Die griechische Regierung will ausländische Pensionäre nun aber dauerhaft im Land halten und lockt mit attraktiven Steuersätzen. Laut Handelsblatt soll noch im Juli ein Gesetzentwurf verabschiedet werden, der eine Einkommenssteuer von nur sieben Prozent vorsieht – und das unabhängig der Höhe des Einkommens.

Steuer-Flatrate gilt auch für Mieteinnahmen

Doch nicht nur für Renten gilt diese besondere Steuerflatrate, die zehn Jahre Bestand haben soll. “Der Steuersatz von sieben Prozent gilt für alle Einkommen aus dem Ausland, seien es Pensionen oder andere Einnahmen”, erklärte Alex Patelis, ökonomischer Chefberater von Ministerpräsident Mitsotakis, gegenüber dem Blatt.

Der Umzug nach Griechenland lohne sich demnach vor allem für Rentner, die regelmäßig über hohe Mieteinnahmen verfügen oder andere Kapitalerträge erwirtschaften. Die Besteuerung erfolge demnach in Übereinstimmung mit dem Doppelbesteuerungsabkommen. Dieses gilt zwischen Griechenland und dem Herkunftsland.

Um die Steuervorteile ausnutzen zu können, muss man demnach sein Domizil nach Griechenland verlagern und mindestens 183 Tage im Jahr dort verbringen. Zudem darf man in fünf der vergangenen sechs Jahre nicht steuerpflichtig in Griechenland gewesen sein. Das Urlaubsland hofft durch die Steuer-Flatrate auf viele zahlungskräftige Pensionäre, die ihr Geld dauerhaft in Griechenland ausgeben wollen und so die heimische Wirtschaft ankurbeln. Doch neben den niedrigen Steuersätzen wollen man auch mit dem so erfolgreichen Corona-Management punkten. “Die Steueranreize sind nur ein Teil des Gesamtpakets”, so Patelis.

Griechenland setzt im Zuge der Corona-Krise unter anderem auf verschärfte Einreisebestimmungen, da viele Infektionen durch Einschleppung von Touristen ausgelöst wurden. Urlaub machen darf nur, wer sich spätestens 48 Stunden zuvor auf der Website der griechischen Zivilschutzbehörde angemeldet und eine Bestätigung erhalten hat. An den Airports herrscht zudem Mundschutzpflicht. Früher als die meisten anderen europäischen Länder erließ Griechenland Beschränkungen, schloss Schulen, Geschäfte und Gaststätten, verhängte Ausgangssperren. Die Strategie ging auf: Bisher hatte das Land weniger als 200 Todesfälle zu beklagen, der beinahe niedrigste Wert in der EU. Der Erfolg sei jedoch nicht nur den frühzeitig angeordneten Kontaktbeschränkungen zu verdanken, sagen Fachleute, sondern auch der Disziplin der Bevölkerung.

Von Jan Jüttner/RND