Zugbegleiter der Deutschen Bahn tragen kurz vor der Abfahrt ihres ICE im Bahnhof Berlin-Spandau Gesichtsmasken. Quelle: imago images/Jochen Eckel

Maskenverweigerer in der Bahn: Verband fordert Polizei in den Zügen

In Zügen des Nah- und Fernverkehrs tragen längst nicht alle Fahrgäste einen Mund-Nasen-Schutz. Der ist eigentlich verpflichtend, doch bei der Deutschen Bahn wird diese Regelung oft genug nicht durchgesetzt. Das treibt einige Fahrgäste auf die Palme – während die Bahn sich ohnmächtig gibt.

Es ist nur eine von zahlreichen Beschwerden, die in den vergangenen Wochen in sozialen Medien auftauchten: “Hallo Bahn, warum setzt ihr nicht mal durch, dass die Leute endlich Masken tragen?”, wollte ein Fahrgast wissen. Eine Ahndung von Verstößen gegen staatlich verordnete Maßnahmen sei nun mal Aufgabe der Behörden, antwortete die Bahn prompt – und zog sich damit aus der Affäre. Denn geht es um die Durchsetzung der Maskenpflicht, hält sich die Bahn für nicht zuständig. Und der Fahrgastverband Pro Bahn fordert gleich, im Zweifel die Bundespolizei heranzuziehen.

Tatsächlich ist die Lage nicht ganz unkompliziert: Als Nutzer auf Twitter darauf hinwiesen, dass die Bahn in ihren Zügen Hausrecht hat, zog sich das Unternehmen darauf zurück, dass das Tragen einer Maske nun mal nicht in den Beförderungsbedingungen festgeschrieben sei. Ein Rauswurf von Maskenverweigerern ist für das Bahnpersonal deshalb keine Option. Für die Ausgestaltung der Beförderungsbedingungen ist die Bahn allerdings selbst verantwortlich – und warum diese nicht geändert werden, beantwortete die Bahn auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) nicht.

Dabei wäre eine Verankerung der Maskenpflicht in den Beförderungsbedingungen wohl der gangbarste Weg, ihr in Deutschlands Zügen flächendeckend zur Geltung zu verhelfen: Bislang greifen dort nur die einzelnen Regelungen der Bundesländer. Deren Verordnungen sehen zum Teil gar keine Sanktionen bei Verstößen gegen die Maskenpflicht vor – und können eben nur von Behörden durchgesetzt werden. Dass es anders geht, zeigt sich im Ausland: Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) kündigten jüngst eine Überprüfung ihrer Beförderungsbedingungen im Hinblick auf die Maskenpflicht an. In der Schweiz drohen Maskenverweigerern in Zügen schon jetzt bis zu 10.000 Franken (etwa 9000 Euro) Geldbuße.

Deutsche Bahn will kostenlose Masken verteilen

Die Deutsche Bahn hingegen scheint einen anderen Weg gewählt zu haben: “Wir setzen weiter auf die Kooperation, das Verständnis und die gegenseitige Rücksichtnahme aller Fahrgäste”, so ein Sprecher gegenüber dem RND. Die “weit überwiegende Mehrheit” verhalte sich verantwortungsbewusst, betonte er. Zugleich kündigte der Sprecher an, dass die Bahn in den kommenden Wochen mehr als 300.000 kostenlose Masken an Reisende und Bahnhofsbesucher ausgeben wolle. Auch würden Präventionsteams zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung “sensibilisieren”.

Bei Verstößen gegen die Maskenpflicht will es die Bahn nach den Worten ihres Sprechers hingegen bei Appellen an die Fahrgäste belassen – und in Konfliktfällen die Ordnungsbehörden hinzuziehen. Unproblematisch ist das aus Sicht des Fahrgastverbandes Pro Bahn nicht: Im Fernverkehr sei es meist möglich, beim nächsten Halt die Bundespolizei innerhalb weniger Minuten hinzuziehen, so der Vorsitzende Karl-Peter Naumann im Gespräch mit dem RND. Im Regionalverkehr, wo die nächste Wache der Bundespolizei oft weit entfernt sei, drohten in solchen Fällen aber große Verzögerungen.

Pro Bahn schlägt Polizeipatrouillen vor

Naumann hat indes durchaus Verständnis dafür, dass Schaffner und Schaffnerinnen nicht die Kontrolle der Maskenpflicht obliegt. “Es ist einfacher, wenn die Polizei eingreift – man weiß ja nie, wie so eine Kontrolle ausgeht”, so der Pro-Bahn-Vorsitzende. In der vergangenen Woche hatte ein Fall in Frankreich für Aufsehen gesorgt, bei dem Maskenverweigerer einen Busfahrer zusammengeschlagen hatten. Der Mann ist mittlerweile an seinen Verletzungen gestorben.

Verkehrsministerium verweist auf Verantwortung der Bundesländer

Naumann schlägt deshalb regelmäßige Patrouillen der Bundespolizei in Zügen vor. “Wenn ab und zu die Bundespolizei durch die Züge ginge, würde das sicher helfen”, so Naumann. Das einzufädeln obliege allerdings der Bundesregierung. “Die Politik muss sich was überlegen, da darf man die Verkehrsunternehmen nicht alleinlassen.”

Bislang sieht es allerdings so aus, als würde das passieren. Auf Nachfrage des RND wich das für die Bahn zuständige Bundesverkehrsministerium der Frage aus, ob es sich für eine bessere Durchsetzung der Maskenpflicht in Zügen einsetze. Dies obliege den Behörden der Länder, argumentierte das Ministerium von Andreas Scheuer (CSU).

Von Christoph Höland/RND