Dienstag , 20. Oktober 2020
Ein Arbeiter beobachtet an einer Papiermaschine in der Papierfabrik des Herstellers Leipa das Papier: Viele Mittelständler in Deutschland haben mit Innovationen auf die Corona-Pandemie reagiert. Quelle: Christophe Gateau/dpa

Mehrheit des Mittelstands schätzt Mehrwertsteuersenkung negativ ein

Seit dem 1. Juli gilt in Deutschland eine geringere Mehrwertsteuer. Doch die meisten Mittelständler sehen darin wenig Positives, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie einzudämmen. Beklagt werden vor allem der zusätzliche Aufwand und Kosten für die Unternehmen.

Berlin. Der Mittelstand in Deutschland erwartet wenig von der seit Monatsanfang geltenden vorübergehenden Absenkung der Mehrwertsteuer. Nur wenige Mittelstandsverbünde aus Branchen wie Schuhe und Textil oder dem Bauhandwerk rechnen mit positiven Auswirkungen, wie aus einer Umfrage des Mittelstandverbunds ZBV hervorgeht:

Rund 17 Prozent erwarten einen positiven Effekt und einen Konjunkturimpuls. Rund zwei Drittel der befragten Unternehmen schätzen die vorübergehende Absenkung als negativ ein und beklagen zusätzlichen Aufwand und Kosten.

Kritik an Umsetzung der Mehrwertsteuerabsenkung

Der Hauptgeschäftsführer des Mittelstandverbunds, Ludwig Veltmann, sagte, die Senkung sei gut gemeint, aber schlecht umgesetzt. „Für den Mittelstand ist durch die extrem kurze Zeit, die zur Umsetzung blieb, ein hoher Verwaltungsaufwand entstanden – etwa weil stationäre Händler ihre Auspreisungen verändern und ihre Kassensysteme umstellen mussten.“

Da sich zum Jahresanfang bei Rücknahme der Absenkung Aufwand und Kosten wiederholten, drohe sich der Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Online-Handel in vielen Branchen weiter zu verschärfen, sagte Veltmann. Schon im Vorfeld hatte der Mittelstand die vorübergehende Senkung kritisiert.

Corona-Krise drückt weiter Umsätze

Die Corona-Krise drückt der Umfrage nach weiter auf die Umsätze des Mittelstands. So sanken die Erlöse von April bis Juni den Angaben zufolge bei fast 60 Prozent der befragten Verbünde. Für die kommenden Monate rechnen jedoch rund 42 Prozent der mittelständischen Unternehmen mit stabilen oder steigenden Umsätzen.

Mehr als 31 Prozent der Firmen investierten der Umfrage zufolge im zweiten Quartal des Jahres weniger als im Vorquartal (rund 20 Prozent). Gleichzeitig wagten von April bis Juni mehr Unternehmen höhere Investitionen als von Januar bis März (Anstieg um 5 Prozent). Rund 64 Prozent der befragten Unternehmen blicken mit einem stabilen oder gesteigerten Investitionsverhalten in die nahe Zukunft. Im ersten Quartal gaben dies nur 37 Prozent der Befragten an.

An der Umfrage beteiligten sich den Angaben nach 64 Verbundgruppen mit rund 70 000 angeschlossenen Unternehmen aus 18 Branchen – darunter etwa Küchen und Möbel, Konsumelektronik, Schuhe und Textil, das Bauhandwerk oder Lebensmittel und Getränke.

RND/dpa