Sonntag , 25. Oktober 2020
Die US-Bank JPMorgan Chase scheint der Corona-Krise gekonnt zu trotzen. Quelle: Justin Lane/epa/dpa

Trotz Corona-Krise: US-Bank JPMorgan Chase verdient Milliarden

Drohende Finanznöte und Firmenpleiten wegen der Corona-Krise könnten bald auch die großen US-Banken mit hohen Kreditausfällen belasten. Branchenprimus JPMorgan Chase konnte trotzdem einen Milliardengewinn erzielen. Ein Konkurrent schreibt stattdessen tiefrote Zahlen.

New York/San Francisco. Die größte US-Bank JPMorgan Chase hat im zweiten Quartal starke Abstriche wegen der Corona-Pandemie machen müssen. Trotzdem verzeichnete der US-Branchenführer noch einen Gewinn, von dem die meisten anderen Unternehmen nur träumen können.

Erträge legen um 15 Prozent zu

Unterm Strich verdiente JPMorgan laut Mitteilung vom Dienstag knapp 4,7 Milliarden Dollar (rund 4,1 Mrd Euro) und damit etwa halb so viel wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Experten hatten mit deutlich weniger gerechnet, die Aktie legte vorbörslich zu.

JPMorgan verbuchte zwar eine zweistellige Milliardenbelastung wegen drohender Kreditausfälle, konnte die Krise bislang aber insgesamt gut abfedern. Positiv überraschten die Erträge, die im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf fast 34 Milliarden Dollar zulegten. Die Bank profitierte unter anderem von regen Geschäften an den Finanzmärkten und im Investmentbanking. “In diesen beispiellosen Zeiten bleibt JPMorgan stabil”, verkündete Vorstandschef Jamie Dimon.

Wells Fargo mit starkem Minus

Deutlich schlechter erging es dem Rivalen Wells Fargo, der wegen der Corona-Pandemie den ersten Quartalsverlust seit der Finanzkrise vor über zehn Jahren erlitt. Unterm Strich büßte das Geldhaus in den drei Monaten bis Ende Juni nach eigenen Angaben 2,4 Milliarden Dollar (2,1 Mrd Euro) ein.

Hohe Rückstellungen für Kreditausfälle drückten die Bilanz massiv ins Minus, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 6,2 Milliarden Dollar zu Buche stand. Die Erträge brachen insgesamt um über 17 Prozent auf 17,8 Milliarden Dollar ein.

Aktie macht Dividendenkürzung zu schaffen

Im Gegensatz zu den US-Konkurrenten, die Schwächen im Kreditgeschäft mit ihren Investmentbanking- und Handelssparten kompensieren können, hält sich Wells Fargo hier traditionell zurück. Zudem ist das Geldhaus wegen Auflagen aufgrund von Affären um fingierte Konten und anderer dubioser Geschäftspraktiken ohnehin schon stark vorbelastet.

Am Markt kamen die Zahlen nicht gut an – die Aktie reagierte vorbörslich mit Kursverlusten. Besonders missfiel den Anlegern, dass Wells Fargo die Dividende stärker als erwartet kürzte.

Citigroup mit besseren Zahlen als erwartet

Milliardenschwere Puffer gegen Kreditausfälle in der Corona-Krise haben auch die Citigroup erneut stark belastet. Dennoch schaffte die Großbank im zweiten Quartal erneut einen Milliardengewinn. Der Überschuss sackte im Vergleich zum Vorjahr zwar um 73 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar (1,1 Mrd Euro) ab, wie die Citigroup in New York mitteilte.

Damit schlug sich der Finanzkonzern aber besser als von Analysten erwartet. Die großen Banken eröffnen traditionell den vierteljährlichen Bilanzreigen der US-Unternehmen. Sie sind wichtige Wegweiser dafür, wie hart die Pandemie die Konjunktur trifft.

RND/dpa