Sonntag , 20. September 2020
Elmar Degenhart, Continental-Vorstandschef (Archivbild): Der Nachfrageeinbruch in der Corona-Krise zwingt den Autozulieferer zur Verschärfung seines schon laufenden Sparkurses. Quelle: Sina Schuldt/dpa

Continental-Konzern will Corona-Krise mit weiteren Einsparungen überbrücken

Der Autozulieferer Continental kämpft mit den Folgen der Corona-Pandemie. Es sollen zusätzlich mehrere Hundert Millionen Euro einsparen. Der Dax-Konzern steckte auch vor der Pandemie bereits in einem großen Umbau, bei dem weltweit Tausende Stellen wegfallen könnten.

Hannover. Der Nachfrageeinbruch in der Corona-Krise zwingt den Autozulieferer Continental zur Verschärfung seines schon laufenden Sparkurses.

Unabhängig von der strukturellen Umwälzung der Branche zu E-Mobilität und Digitalisierung müsse der Konzern kurzfristig stärker reagieren, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart am Dienstag bei der Hauptversammlung in Hannover. “Das Virus verschärft vor allem den konjunkturellen Rückschlag. Wir justieren unsere Finanzstruktur neu. Wir bauen uns eine Corona-Brücke über die kommenden Jahre.”

Konzern will zusätzliches Geld einsparen

Nötig sei eine Verringerung von Überkapazitäten. „Wir reduzieren Investitionen, wir verringern Arbeits- und Sachkosten. Im Klartext: Wir sparen jetzt zusätzlich Geld ein.“ Es gehe um mehrere Hundert Millionen Euro.

“Auswirken wird sich das bis 2022. Dazu stehen wir bereits im engen Austausch mit den Vertretern unserer Belegschaft.” Das Programm “Transformation 2019-2029” laufe weiter. “Die Krise ändert nichts daran”, meinte Degenhart vor den online zugeschalteten Aktionären. “Im Gegenteil: Wir strengen uns jetzt noch mehr an.”

Tausende Stellen könnten wegfallen

Conti steckte auch vor der Pandemie bereits in einem großen Umbau, bei dem weltweit Tausende Stellen wegfallen könnten. So läuft etwa in Westeuropa über mehrere Jahre die Produktion von Hochdruckpumpen und Injektoren für Verbrenner aus. Auch Anzeigeelemente sind betroffen. Gleichzeitig werden Mitarbeiter weiterqualifiziert und Stellen etwa im Software-Bereich geschaffen. Bisher wurden 3000 Jobs “verändert”.

Zudem will der Konzern die Werke in Rubi (Spanien) und Nogales (Mexiko) schließen. In Spanien sei die Suche nach Investoren bisher ergebnislos geblieben, die dortige Produktion von Anzeige- und Bedientechnik soll schrittweise bis 2021 auslaufen oder an andere Standorte in Europa verlagert werden. Für die 740 Beschäftigten sei mit den Arbeitnehmern eine Vereinbarung getroffen worden.

Degenhart: Wirtschaft wird sich erst 2025 erholen

Im mexikanischen Nogales wird die Fertigung von Vernetzungstechnik und Antriebskomponenten bis voraussichtlich 2024 auslaufen und teilweise auf andere Standorte in der Region verteilt. Bisher sind dort 2000 Mitarbeiter beschäftigt. Erhöhter Kostendruck mache es notwendig, Produktion in der Region zusammenzulegen, hieß es.

Degenhart betonte, es werde noch dauern, bis die Branche die Folgen der Viruskrise weggesteckt habe: “Weder in Europa noch in Amerika wird sich die Wirtschaft schnell erholen. Frühestens nach 2025 erreichen wir wieder das Niveau von 2017. Zahlungsfähig bleiben, das ist das oberste Gebot – und dafür passen sich jetzt alle an.”

RND/dpa