Donnerstag , 13. August 2020
Autofahrer müssen sich in diesem Jahr auf schwankende Spritpreise einstellen. Quelle: Frank May/dpa

Autofahrer werden sich an stark schwankende Spritpreise gewöhnen müssen

Die Corona-Pandemie macht sich auch an der Tankstelle bemerkbar. Am Mittwoch wollen die Opec-Staaten deshalb über das weitere Fördervorgehen beraten. Je länger die Krise dauert, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen in der Förderpolitik, kommentiert Frank-Thomas Wenzel.

Für Zeitgenossen, die ihre Ausgaben mit spitzem Bleistift berechnen, brechen spannende Zeiten an. Zeiten mit wahrscheinlich stark schwankenden Kraftstoffpreisen, die in Pendlerhaushalten einen erheblichen Kostenposten darstellen. Das hängt unmittelbar mit dem Rohölpreis zusammen. Die Förderländer stecken in einem kaum auflösbaren Dilemma, das durch die Corona-Pandemie noch vertrackter wird. Vor allem Deutschlands wichtigsten Öllieferanten trifft es: Russland braucht dringend Geld, um die gravierenden wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu bewältigen.

Zweite Corona-Welle könnte Auswirkungen auf Ölpreis haben

Dabei ist der Staat aber massiv auf seine Einnahmen aus den Ölexporten angewiesen. Selbst in normalen Zeiten würde der aktuelle Preis auf dem Weltmarkt nicht genügen, um die Ausgaben des Staates zu finanzieren. Öl müsste verteuert werden. Das geht aber nur, wenn das Angebot verknappt wird. Was das Problem aber verstärken kann. Wohin das führt, lässt sich aktuell beobachten. Die globale Konjunktur ist äußerst fragil, weil eine zweite Corona-Welle droht. Dennoch dringt Russland auf eine Erhöhung der Förderquoten. Es droht eine Schockwelle: Ein erhöhtes Rohöl-angebot in Kombination mit neuen Reisebeschränkungen und einer Rückkehr ins Homeoffice: Das kann einen erneuten Sturz des Ölpreises ins Bodenlose auslösen.

Die Ökonomen des Opec-Plus-Kartells haben diese Mechanismen erkannt und schon im April den Versuch einer langfristigen Mengenregulierung bis ins Frühjahr 2022 gestartet. Ob das gelingt, ist äußerst fraglich. Je länger die Krise dauert, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen in der Förderpolitik. Die Folge: Erneute Einbrüche am Ölmarkt, unter denen vor allem die Bevölkerung der Förderländer leiden wird. Wie eine Art mildes Echo auf diese Verwerfungen werden sich hiesige Autofahrer an stark schwankende Spritpreise gewöhnen müssen.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND