Dienstag , 22. September 2020
Trotz der Corona-Krise erhielten in Deutschlands ansässige Start-ups im ersten Halbjahr dieses Jahres mehr frisches Kapital als im Vorjahreszeitraum. Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Deutsche Start-ups: Standort Bayern ist stark im Kommen

Trotz der Corona-Krise haben deutsche Start-ups mehr frisches Kapital von Investoren erhalten als jemals zuvor. Weiterhin gefragt sind junge Unternehmen in Berlin, dagegen wurde in Bayern das Investitionsvolumen im ersten Halbjahr fast vervierfacht. Deutlicher weniger Geld ist derweil in Mobilitäts-Startups und FinTechs geflossen, ein anderer Bereich steht nun hoch im Kurs.

Trotz der Corona-Krise haben in Deutschlands ansässige Start-ups im ersten Halbjahr dieses Jahres mehr frisches Kapital als im Vorjahreszeitraum erhalten: Die Zahl der Finanzierungsrunden stieg um 8 Prozent auf 360. Größere Transaktionen, die 2019 noch für Finanzierungsrekorde gesorgt hatten, gab es allerdings kaum noch – entsprechend sank das Investitionsvolumen: um 22 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Dies geht aus dem Startup-Barometer von EY hervor. Berücksichtigt wurden in der Studie Unternehmen, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt.

Der Mittelpunkt in Deutschland für Start-ups ist nach wie vor die Bundeshauptstadt. In Berlin kletterte die Zahl der Finanzierungsrunden um 14 Prozent auf 149. In der Bundeshauptstadt machte sich allerdings der Mangel an ganz großen Transaktionen besonders bemerkbar: Das Investitionsvolumen verringerte sich der Studie zufolge um 47 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.

Startup-Standorte Berlin und Bayern vorne

Groß im Kommen ist dagegen ein südliches Bundesland: Bayern. Im Freistaat stieg die Zahl der Deals um 60 Prozent auf 83 und das Investitionsvolumen vervierfachte sich fast: Von 204 ging es auf 773 Millionen Euro nach oben.

Während in Berlin und Bayern mehr Finanzierungen als im Vorjahreszeitraum registriert wurden, schaut es im übrigen Deutschland mau aus. An allen übrigen größeren Startup-Standorten war die Entwicklung rückläufig: In Nordrhein-Westfalen sank die Zahl der Transaktionen um 24 Prozent auf 32, in Baden-Württemberg und Hamburg jeweils um 32 Prozent auf 17.

In Baden-Württemberg schrumpfte zudem die insgesamt investierte Summe um 30 Prozent auf 105 Millionen Euro, in NRW um 55 Prozent auf 60 Millionen Euro und in Hamburg sogar um 68 Prozent auf 26 Millionen Euro.

Größter Deal waren 250 Millionen Euro

Den größten Deal mit 218 Millionen Euro machte der Münchner Flugtaxi-Entwickler Lilium im März. Die Finanzspritze wurde im Juni auf fast 250 Millionen Euro sogar noch einmal erweitert. An zweiter Stelle steht eine 195-Millionen-Euro-Finanzierung für den Berliner Verleiher von Technik-Geräten Grover, die schon im Januar über die Bühne ging. Die drittgrößte Transaktion konnte die bekannte Smartphone-Bank N26 vermelden, die im Mai 91 Millionen Euro erhielt.

“Es gibt eindeutig einen Corona-Effekt bei den Risikokapitalinvestitionen”, beobachtet Thomas Prüver, Partner bei EY. “Die offensichtlichste Entwicklung ist der starke Rückgang bei sehr großen Deals: Die Zahl der Transaktionen mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von sieben auf zwei. Gleichzeitig gab es allerdings mehr kleine Transaktionen. Damit fällt der Corona-Effekt weniger massiv aus als zunächst befürchtet”.

Software & Analytics ist gefragt

Interessant ist die Verschiebung der Investitionstätigkeit bei den Branchen: Auf der einen Seite konnte der Bereich Software & Analytics kräftig zulegen. Hier ginge es um 12 Prozent auf 112 Transaktionen und um 30 Prozent auf 501 Millionen Euro rauf.

Im Gegenzug floss deutlich weniger Geld vor allem an Mobilitäts-Startups und FinTechs: Im Mobilitäts-Segment ging das Finanzierungsvolumen um 34 Prozent auf 434 Millionen Euro zurück, bei jungen Finanzunternehmen gab es sogar einen Rückgang um 55 Prozent auf 313 Millionen Euro.

RND/ casc