Freitag , 25. September 2020
Ein Großteil des E-Commerce wird hierzulande über den Versandriesen Amazon abgewickelt - der muss nun, wie andere große Onlinemarktplätze auch, in seinen AGBs nachjustieren. Quelle: Holger Hollemann/dpa

Neue EU-Verordnung soll für mehr Transparenz im Onlinehandel sorgen

Die neue Platform-to-Business-Verordnung der EU soll für mehr Ausgeglichenheit im Onlineversandhandel sorgen und kleine Händler vor gefährlichen Abhängigkeiten von den großen Plattformbetreibern wie Amazon und Ebay schützen. Der Verband der Onlinehändler sieht in der Verordnung einen „ersten Schritt in die richtige Richtung“.

Für die Händler ist es eine der zentralen Fragen: Wo platzieren sich meine Artikel, wenn ich sie etwa bei Amazon auf dem Marktplatz anbiete – oder bei einer der anderen großen Plattformen für Onlinehandel wie Ebay, Zalando, Rakuten und Co. Denn: Für den Verkaufserfolg eines Produktes ist die Auffindbarkeit im Shop ein entscheidender Faktor.

Bislang war es für Händler kaum nachvollziehbar, warum sich ihre Produkte an eben jener Stelle präsentierten – prominent auf der Startseite eines Onlinehändlers oder eben in den Untiefen und damit in der Bedeutungslosigkeit der zig Millionen Produkte, wie sie etwa bei Amazon angeboten werden. Branchenexperten fürchteten zunehmend eine Schieflage im Machtverhältnis zwischen Händlern und Plattformbetreibern und führten das vor allem auf die mangelnde Transparenz im Zusammenhang mit den Geschäftspraktiken der Betreiber zurück. Auch bei der EU war von einem “potenziell gefährlichen Abhängigkeitsverhältnis” die Rede.

Mehr Transparenz und Ausgeglichenheit

Das soll sich nun ändern. Seit dem 12. Juli gilt die neue “Platform-to-Business-Verordnung” der EU, auch kurz P2B-Verordnung genannt. Neben mehr Transparenz soll sie für Ausgeglichenheit im Onlineversandhandel sorgen. Immerhin werden nach Einschätzung der EU etwa 60 Prozent des privaten und 30 Prozent des öffentlichen Verbrauchs an Waren und Dienstleistungen im Zusammenhang mit der gesamten digitalen Wirtschaft über Online-Vermittler abgewickelt.

In der P2B-Verordnung sehen die Onlinehändler einen ersten großen Schritt in die richtige Richtung: “Die Beziehung zwischen Händlern und Marktplätzen wird neu definiert”, kommentierte etwa Oliver Prothmann, Präsident des Bundesverband Onlinehandel (BVOH), auf welt.de. So beinhaltet die EU-Verodnung unter anderem, dass die Plattformbetreiber ihren Ranking-Algorithmus offen legen müssen. Außerdem muss in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) transparent gemacht werden, aus welchen Gründen Händlerkonten gesperrt werden können. Ein internes leicht zugängliches und kostenloses Beschwerdemanagement soll zudem sicherstellen, dass Streitigkeiten, etwa hinsichtlich der Platzierung von Produkten oder Sperren von Angeboten, einfacher und schneller beigelegt werden können.

Sanktionen obliegen den Mitgliedsstaaten

Kleiner Haken: Im Falle eines Verstoßes gegen die P2B-Verordnung, hat die EU bislang keine konkreten Sanktionen formuliert. Das obliegt den jeweiligen Mitgliedsstaaten der EU. Nach Artikel 15 der P2B-Verodnung sollen “wirksame, verhältnismäßige und abschreckende Vorschriften für Sanktionen von den Mitgliedsstaaten selbst aufgestellt werden”.

Laut “Welt” haben hierzulande “die Plattformbetreiber durchweg ihre Bedingungen zum Stichtag 12. Juli angepasst”. Einzig die Durchführung von Schlichtungsverfahren sei nicht zwingend. So heißt es etwa in den neuen Programmrichtlinien von Amazon, über dessen Vertriebssystem immerhin mehr als die Hälfte des deutschen E-Commerce läuft: “Wir führen die Mediation als Option ein, um Streitigkeiten mit Verkäufern außergerichtlich beizulegen.”

Dass die neuen Regelungen sich auch beim Endverbraucher positiv auswirken, davon ist Verbandschef Prothmann überzeugt. Welt.de sagte er weiter: “P2B führt zu mehr Wettbewerbsgleichheit gerade für kleinere Shopbetreiber. Das fördert die Transparenz und liefert letztlich mehr gute Angebote.”

RND/caro