Montag , 28. September 2020
Auch die Strecken abseits der Autobahnen können in diesem Sommer voll werden. Quelle: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

In den Urlaub mit dem Auto: Das müssen Sie wissen

Mehr als 700 Baustellen gibt es gerade auf deutschen Autobahnen, nicht nur hier drohen Staus. Der ADAC rät deshalb, möglichst nicht samstags zu fahren – und die Flipflops gegen festes Schuhwerk zu tauschen.

In diesem besonderen Corona-Sommer reisen viele Deutsche – wenn überhaupt – mit dem Auto. Denn da ist die Ansteckungsgefahr geringer als in der Bahn oder im Flugzeug. Der ADAC rechnet deshalb mit vollen Straßen, “auch wenn eine Prognose wegen der unsicheren Lage gerade schwierig ist”, sagt Katharina Lucà vom ADAC. Wir haben interessante Fakten für lange Autofahrten im Sommer zusammengetragen.

Staugefahr auch auf Nebenstrecken

Der ADAC rechnet in den nächsten Wochen mit Staus – vor allem auf den klassischen Urlaubsstrecken in Richtung Alpen und zur Nord- und Ostsee. “Wir gehen aber davon aus, dass dieses Jahr auch die Nebenstrecken stark befahren werden”, sagt Lucà. Denn viele Familien würden auf einen Kurzurlaub in den Naherholungsgebieten im Umland der Städte ausweichen.

765 Baustellen auf Autobahnen

Der ADAC zählt derzeit 765 aktive Baustellen auf deutschen Autobahnen – hier wird es eng und es drohen Staus. Vor allem folgende Abschnitte sind betroffen:

A1 Dortmund – Köln zwischen Wermelskirchen und Kreuz Köln Nord mehrere Baustellen

A3 Frankfurt – Würzburg zwischen Seligenstadt und Seligenstädter Dreieck

A3 Köln – Frankfurt zwischen Kelsterbach und Niedernhausen mehrere Baustellen

A6 Nürnberg – Mannheim zwischen Kreuz Weinsberg und Kreuz Walldorf mehrere Baustellen

A7 Würzburg – Ulm zwischen Heidenheim und Langenau

A7 Hannover – Fulda zwischen Kassel-Ost und Kassel-Süd mehrere Baustellen

A7 Hamburg – Hannover zwischen Mellendorf und Dreieck Walsrode

A9 Halle/Leipzig – Berlin zwischen Bitterfeld/Wolfen und Dessau-Süd

A9 Halle/Leipzig – Nürnberg zwischen Dittersdorf und Bad Lobenstein (20 km)

A9 München – Nürnberg zwischen Dreieck Holledau und Manching

A10 Berliner Ring

A20 Stettin – Rostock zwischen Tribsees und Bad Sülze

A24 Berlin – Pritzwalk zwischen Dreieck Havelland und Dreieck Wittstock Dosse mehrere Baustellen

A45 Hagen -Gießen zwischen Kreuz Hagen und Meinerzhagen mehrere Baustellen

A99 Autobahnring München im Bereich Dreieck München – Feldmoching

Am besten nicht samstags fahren

“Samstag ist der denkbar schlechteste Reisetag”, sagt die ADAC-Fachfrau Lucà. Denn am Samstag ist in den Hotels und Ferienwohnungen häufig Bettenwechsel, die Straßen sind dann besonders voll. Dazu kommt, dass einige Bundesländer in Zeiten von Corona das sogenannte Lkw-Ferienfahrverbot an Samstagen ausgesetzt haben.

Normalerweise dürfen Lkws über 7,5 Tonnen sowie Lkw mit Anhängern an allen Samstagen im Juli und August von 7 bis 20 Uhr auf wichtigen Autobahnen nicht fahren, so sollen die Straßen entlastet werden. In diesem Sommer haben einige Bundesländer das Verbot aber aufgehoben, um die Versorgungssicherheiten während der Corona-Pandemie aufrechtzuerhalten. Dies ist der Fall in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Baden-Württemberg. In diesen Bundesländern müssen sich Urlauber und Lkw-Fahrer die Straßen auch an Feriensamstagen teilen.

Auch die generellen Lkw-Fahrverbote an Sonntagen sind in einigen Bundesländern noch aufgehoben. Außerdem fahren viele Wochenendausflügler sonntags zurück, weshalb sich dieser Tag ebenfalls nicht zum Reisen empfiehlt. “Wer kann, sollte lieber unter der Woche fahren, Montag und Dienstag sind gute Tage”, rät Lucà. Wer am Wochenende fahren muss, könne auf die Nacht ausweichen. “Aber das muss man sich zutrauen.” Sicherer sei es für viele, früh aufzustehen und dem Stau sozusagen vorauszufahren.

WCs auf Raststätten sind geöffnet

Auf den Raststätten des größten deutschen Betreibers Tank & Rast sind die sanitären Anlagen inklusive Fernfahrerduschen für alle Reisenden geöffnet. Auch das gastronomische Angebot steht zur Verfügung. Um die Abstandsregeln einzuhalten, gibt es in einigen Servicebetrieben allerdings weniger Sitzplätze, sagt Dietmar Thomas von Tank & Rast. Zum Ausgleich stünden bei vielen Raststätten zusätzliche Sitzmöglichkeiten im Freien bereit. Beim Betreten der Tankstellen und Gaststätten gilt wie überall die Maskenpflicht.

Autofahren mit Flip Flops ist erlaubt, aber gefährlich

Bei hohen Temperaturen fahren viele mit Flip Flops oder gar barfuß. Das ist grundsätzlich erlaubt, ein Bußgeld droht nicht. Aber in kritischen Bremssituationen kann der richtige Schuh von großer Bedeutung sein, warnt der ADAC. Wenn es zu einem Unfall kommt, können Gerichte das falsche Schuhwerk außerdem als Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht werten und dem Fahrer eine Teilschuld zusprechen. Dann könne auch die Versicherung die Leistung ganz oder teilweise verweigern.

Beifahrer sollten Füße am Boden lassen

Häufig sieht man Beifahrer, die ihre Füße auf das Armaturenbrett legen. Verboten ist das zwar nicht, aber es kann bei einem Unfall schwerwiegende Folgen haben. Das hat der ADAC in einem aktuellen Crash-Test mit Dummys erneut bestätigt. Bei einem Unfall mit 64 km/h zeigt sich deutlich, dass der Frontairbag die Insassen nicht schützt, sondern das Verletzungsrisiko erhöht. Fazit: Die Sitzposition kann zu schwersten bis tödlichen Verletzungen an Kopf, Wirbelsäule oder Beinen führen.

Sonnenschutzfolie ist nur hinten erlaubt

Wenn die Sonne die Kinder auf dem Rücksitz blendet, greift man am besten zu flexiblen Lösungen wie Sonnenschutz, der mit Saugnäpfen an den Fensterscheiben befestigt werden kann. Wer möchte, kann an den hinteren Scheiben auch eine Sonnenschutzfolie aufkleben, allerdings darf hier nur eine speziell zugelassene Folie mit Allgemeiner Bauartgenehmigung (ABG) und Prüfzeichen des Kraftfahrtbundesamtes verwendet werden. Die Windschutzscheibe und die vorderen Seitenscheiben müssen aber in jedem Fall frei bleiben.

Schlauchboot muss korrekt gesichert sein

Egal ob Schlauchboot, Luftmatratze oder Picknickkorb: Ladung im Auto muss gut gesichert sein. Auch auf kurzen Strecken darf bei einer Vollbremsung oder einem plötzlichen Ausweichmanöver nichts verrutschen oder herunterfallen. Ein Schlauchboot darf auch auf den Dachgepäckträger, aber nur, wenn es nach den “anerkannten Regeln der Technik” gesichert ist, zum Beispiel mit Spanngurten auf einem Dachgepäckträger. Bei nicht ausreichend gesicherter Ladung droht ein Verwarnungsgeld (35 Euro) und bei Gefährdung ein Bußgeld (60 Euro) und ein Punkt in Flensburg.

Klimaanlage kurz vor Fahrtende ausschalten

Der Unterschied zwischen der Temperatur im Auto und der Außentemperatur sollte nicht zu groß sein, empfiehlt der ADAC. Sonst drohen Kreislaufprobleme. Die Lüftungsdüsen sollten außerdem nicht direkt auf den Körper gerichtet sein, weil sonst die Erkältungsgefahr steigt. Tipp: Bei längeren Strecken sollten Autofahrer die Klimaanlage ein paar Minuten vor Ankunft ausschalten und nur die Lüftung weiterlaufen lassen. So kann das Kondenswasser verdunsten und Bakterien und Pilze haben keine Chance.

 

Von Anne Grüneberg/RND